COS­MO UN­DER­CO­VER

Nächs­te Aus­fahrt: Fick. Es gibt Paa­re, die an­onym auf Park­plät­zen se­xu­ell rich­tig Gas ge­ben. Was da ge­nau ne­ben deut­schen Au­to­bah­nen ab­geht? Ei­ne Cos­mo-Au­to­rin schau­te zu

Cosmopolitan (Germany) - - Inhalt - TEXT: LI­SA FRIE­DA COSSHAM

War­um Paa­re auf Park­plät­zen an­ony­men Sex su­chen

GG­leich wer­de ich die Stadt ver­las­sen, so­bald es däm­mert. Ich ha­be einDa­te. Ich weiß nur noch nicht, mit wem. Und mit wie vie­len. Nur so viel ist si­cher: Ich wer­de nicht al­lei­ne sein, ein Freund be­glei­tet mich. Er soll mich be­schüt­zen, falls es wild zu­geht. Und zu zweit fal­len wir nicht wei­ter auf un­ter den an­de­ren Paa­ren. Wenn wir wel­che tref­fen. Da­zu sind wir fest ent­schlos­sen. Un­ser ers­tes Ziel ist der Park­platz an ei­nem baye­ri­schen See na­he der A8. Hier und iman­gren­zen­den Wald tref­fen sich re­gel­mä­ßig Pär­chen und Singles, um Sex zu ha­ben. Park­platzsex, wie ihn die Bür­ger­meis­te­rin von He­chin­gen hat­te, Do­ro­thea Bach­mann. Ihr Mann hat sie er­wischt, die Po­li­zei kam auch noch ins Spiel und seit­dem weiß es das gan­ze Land. Was ich noch nicht weiß: Wie funk­tio­niert ei­gent­lich Park­platzsex? Wer treibt es mit wem, wann, wie und vor al­lem: War­um auf Park­plät­zen? Sind das nicht Or­te, an de­nen wir uns sonst im­mer so kurz wie mög­lich auf­hal­ten, weil un­ge­müt­lich? Halb zehn, es klin­gelt, ich wer­de ab­ge­holt.

RASTLOS AM RAST­PLATZ

Wir sind früh dran, Prime­time ist Mit­ter­nacht, das weiß ich aus dem Fo­rum der Web­site pop­pen.de. Ich bin seit ei­ni­gen Wo­chen Mit­glied, ge­nau­so wie bei zwei an­de­ren Sex­com­mu­ni­tys (sie­he Kas­ten auf der nächs­ten Seite), in de­nen (an­ony­mer) Sex auf Park­plät­zen selbst­ver­ständ­lich als Ka­te­go­rie ver­tre­ten ist. Hier er­fah­re ich, an wel­chen Or­ten zu wel­chen Zei­ten et­was los ist. Und dass man das auf kei­nen Fall öf­fent­lich ma­chen darf, denn so­bald die Po­li­zei ei­nen Hin­weis be­kommt, ist der Ort „ver­brannt“, er­klärt mir Car­men, sie ist Ad­mi­nis­tra­to­rin bei pop­pen.de. Ich will nie­man­dem den Spaß ver­der­ben. Wir ver­hal­ten uns un­auffffffäl­lig, als wir nach ei­ner hal­ben St­un­de Fahrt den Park­platz er­rei­chen. Er ist über­sicht­lich, auf­ge­teilt in klei­ne Stra­ßen mit Hal­te­buch­ten, da­zwi­schen nied­ri­ge Bü­sche – wo soll man hier Sex ha­ben? Wir sind nicht die ein­zi­gen. Vier, fünf Au­tos dre­hen im­mer glei­che Run­den. Ih­re Kenn­zei­chen ver­ra­ten, dass man­che von ih­nen hun­der­te Ki­lo­me­ter zu­rück­ge­legt ha­ben. Sie fah­ren Schritt­tem­po, blin­ken nicht, hal­ten plötz­lich, fah­ren un­ver­mit­telt an. Ist das hier ein Ver­kehrs­übungs­platz?

WER KOMMT… ZUM OR­GAS­MUS?

n den Au­tos sit­zen ein­zel­ne Män­ner. Auf den Park­plät­zen sind sie in der Über­zahl, Sing­le-Frau­en sind kaum­ver­tre­ten. Zu ge­fähr­lich, schrei­ben­mir die Mit­glie­der auf pop­pen.de, denn wer kann schon vor­aus­se­hen, wel­che Dy­na­mik sich un­ter er­reg­ten Män­nern ent­wi­ckelt? Auch un­ter Ho­mo­se­xu­el­len und Trans­ves­ti­ten sind die un­ver­bind­li­chen Park­platz­da­tes be­liebt, die meis­ten Män­ner aber sind auf der Su­che nach Paa­ren. Sie wol­len ih­nen zu­schau­en, viel­leicht mit­ma­chen – wenn sie die ent­spre­chen­den Si­gna­le be­kom­men.

Wer an­de­re ein­la­den will, knipst die In­nen­be­leuch­tung an oder lässt ein Fens­ter run­ter. Öffffffnet die Au­to­tür. Yvet­te klebt ei­nen Saug­napf­dil­do an ihr Au­to, wenn sie Bli­cke auf sich und ih­ren Freund zie­hen will. Sie ist 41 Jah­re alt, in ih­rem On­li­nePro­fil et­was jün­ger. Seit zehn Jah­ren fah­ren sie und ihr Freund auf Parkplätze. Im Som­mer ein­mal in der Wo­che. Es er­regt sie, nicht zu wis­sen, wer ne-

ben ih­rem Au­to ste­hen und sich an­fas­sen wird, weil das, was er sieht, ihn da­zu zwingt. Des­halb ent­schei­den sie sich spon­tan für ei­nen Aus­flug Rich­tung Au­to­bahn. „Im­pro­vi­sie­ren macht geil“, sagt Yvet­te. Sie kickt die Ge­fahr, von Pas­san­ten über­rascht zu wer­den, wäh­rend sie sich un­ten oh­ne auf ih­rem Sitz rä­kelt. Oder auf ei­nem Pick­nick­tisch.

SWINGERCLUBS: öDE HIERGEGEN

Ich be­ob­ach­te jetzt ein Mer­ce­des Cou­pé, am Steu­er ei­ne Frau, ne­ben ihr ein Mann. Auf wen war­ten die? „Halt mal“, sa­ge ich zu mei­nem Freund. Ich stei­ge aus, die Frau lässt ihr Fens­ter run­ter. Et­was pi­pi­mäd­chen­haft er­klä­re ich, dass wir neu sind. Ob hier heu­te noch was geht? Die Frau guckt aus­drucks­los und ant­wor­tet, sie wä­ren eben vom See ge­kom­men und sä­ßen im Au­to, weil es gleich reg­nen wür­de. Aha. Ist doch ge­lo­gen, schimp­fe ich spä­ter und mein Kum­pel grinst, schaut an mir her­un­ter. Je­ans. TShirt. Espadril­les. Okay, heiß geht an­ders, und wer sich nicht se­xy an­zieht, wird of­fen­sicht­lich nicht ernst ge­nom­men. Weil es eben vor al­lem dar­um ge­he, sich zu zei­gen, wird Car­men von pop­pen.de mir er­läu­tern. Sie trägt ei­nen Le­der­mi­ni, hal­ter­lo­se Strümp­fe und ei­ne trans­pa­ren­te Blu­se, wenn sie in Be­glei­tung auf Parkplätze fährt. Car­men liebt fri­vo­le Out­fits. Ih­ren ers­ten Park­platzsex hat­te sie zu­sam­men mit ei­nem ver­hei­ra­te­ten Mann, ist ein paar Jah­re her, da war sie 46. Sie woll­te ih­re Fan­ta­si­en aus­pro­bie­ren und prü­fen, ob ihr Sex mit Un­be­kann­ten im Frei­en an ei­nem Tran­sit-Ort tat­säch­lich so viel Lust be­rei­tet, wie ge­dacht. War so. Sie hat frem­de Män­ner be­frie­digt und gleich­zei­tig mit ih­rem Be­glei­ter rum­ge­macht. Pet­ting ge­habt, sagt Car­men. Wie Yvet­te fin­det sie Sex auf dem Park­platz auf­re­gen­der als im Swin­ger­club, weil es ein Aben­teu­er sei und man nie wis­se, wie es aus­ge­hen wer­de.

Auch wir sind un­si­cher, was hier gera­de pas­siert und be­fürch­ten: nichts. Im­mer wie­der hal­ten Au­tos ne­ben uns, gu­cken Män­ner zu uns her­über, bis ich ka­pie­re, dass un­ser Na­vi uns hell an­strahlt und uns zu sex­be­rei­ten Ex­hi­bi­tio­nis­ten er­klärt. Plötz­lich ent­de­cke ich ei­ne Frau, die im kur­zen Kleid rau­chend ihr Au­to um­kreist, hin da! Mein Kum­pel schüt­telt den Kopf. „Ist ’ne Käuf­li­che“, meint er tro­cken. Ach ja, die gibt es hier ja auch. Wir dre­hen ein paar Run­den. Wer hier vö­geln oder we­nigs­tens an­de­ren da­bei zu­gu­cken will, der muss ge­dul­dig sein. Park­platzsex, al­so PP, ist wie An­geln: Aus­har­ren, mit der va­gen Hoff­nung auf Er­folg.

Oder man ver­ab­re­det sich auf ei­nem der Sex­por­ta­le, so wie Sven und sei­ne Frau. Sven ist Mit­te 40 und PP-Pro­fi. Er hat sich ei­nen Trans­por­ter ge­kauft und aus­ge­baut. Als aus­ge­mach­ter Voy­eur schaut er zu, wie sei­ne Frau im La­de­be­reich von meh­re­ren Ker­len hin­ter­ein­an­der ge­nom­men wird, er filmt das. Dass die Tref­fen auf Park­plät­zen rund um sei­ne Hei­mat­stadt Ko­blenz statt­fin­den, hat für ihn lo­gis­ti­sche Grün­de: Sie sind ein­fach und schnell zu er­rei­chen, und er muss nicht da­mit rech­nen, Nach­barn über den Weg zu lau­fen. Nur ein­mal hat­ten sie Pech, als ei­ne Strei­fe vor­bei­kam. Die Po­li­zis­ten sa­hen Män­ner aus- und ein­stei­gen und dach­ten, Sven wür­de mit Dro­gen dea­len. Er muss­te den Trans­por­ter öff­nen, in dem sei­ne nack­te Frau lag, und be­wei­sen, dass der Sex ein­ver­nehm­lich statt­ge­fun­den hat­te. Seit­dem fährt er nur noch im Dun­keln los, denn wer beim Park­platzsex er­wischt wird, muss ei­ne Geld­stra­fe we­gen Er­re­gung öf­fent­li­chen Är­ger­nis­ses zah­len. Bis zu meh­re­ren hun­dert Eu­ro.

SEX VOR DEM Mö­BEL­HAUS

Wir ste­hen rum und be­ob­ach­ten die krei­sen­den Au­tos. Mein Be­glei­ter schal­tet das Ra­dio ein, Rob­bie Wil­li­ams singt, auf so ei­nem Park­platz kann das trös­ten. Und wenn wir nur am fal­schen Ort sind? Ich che­cke die Ein­trä­ge auf pop­pen.de. Frei­tag­abend, ein Tag, an dem sonst viel los ist, glaubt man den Ein­trä­gen an­de­rer Mit­glie­der. Wir ent­schei­den uns für ein Park­haus in der Stadt, 24 St­un­den ge­öff­net, obers­tes Stock­werk, so die Emp­feh­lung im Chat. Wei­te­re Op­ti­on: Der Park­platz ei­nes Mö­bel­her­stel­lers. Be­liebt bei Pär­chen. Stoß­zei­ten, par­don, ab 21 Uhr. „Geht da heu­te noch was?“, fragt Mit­glied „to­tal­ly-se­xy11“, ja, das fra­gen wir uns auch. Dar­auf ei­nen Schluck Li­mo­na­de, läuft bei uns, wir star­ten. Aus dem Au­gen­win­kel se­he ich, wie das Cou­pé sei­nen Stand­ort wech­selt. An­de­re Au­tos hal­ten ne­ben ihm. Schei­ben wer­den run­ter­ge­las­sen und wie­der hoch­ge­fah­ren, wei­ter pas­siert nichts. Von we­gen im See ge­ba­det und auf dem Weg nach Hau­se: Die­ses Pär­chen wird heu­te noch Sex ha­ben. Aber oh­ne uns.

MIT 180 ZUM Hö­HE­PUNKT Beim Sex im Au­to das Licht an­zu­las­sen – für Zu­schau­er na­tür­lich! –, ist für vie­le Frau­en ein ganz be­son­de­rer Ex­tra-Kick

LI­SA FRIE­DA COSSHAM Bei der Re­cher­che hat die Au­to­rin zwar kei­nen frem­den Mann mit ins Au­to ge­nom­men, da­für Son­nen­blu­men – vom Feld ne­ben dem Park­platz.

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