DAT E MI T… MACK­LEMO­RE

Chef­re­por­te­rin Me­la­nie Jass­ner ist ganz nah dran am Mann – je­den Mo­nat spricht sie mit ei­nem coo­len Kerl im In­ter­view. Dies­mal: mit dem groß­ar­tigs­ten En­kel und ta­len­tier­tes­ten US-Rap­per des Pla­ne­ten Er­de

Cosmopolitan (Germany) - - Männer -

Ganz klar: Oh­ne Ben Hag­ger­ty akaMack­lemo­re wä­re dieHipHop-Welt nur halb so cool. Er ist ei­ner der er­folg­reichs­ten (wei­ßen) Rap­per der Ge­gen­wart. Der Emi­nem aus gu­tem El­tern­haus qua­si, der mit sei­nen groo­vi­gen und ge­sell­schafts­kri­ti­schen Songs, die Leu­te zum Tan­zen und Nach­den­ken bringt. Dar­über hin­aus mit sei­nem cra­zy Style bun­ten Glit­ter in die Mu­sik­bran­che und graue Welt streut (un­be­dingt die Vi­de­os zu „Thrift Shop“und „Down­town“an­se­hen).

Bei den Gram­mys vor drei Jah­ren räum­te der 34-Jäh­ri­ge noch im Duo mit sei­ne­mBand-Bud­dy Ryan Le­wis sechs No­mi­nie­run­gen und zwei Sie­ge – in den Ka­te­go­ri­en „Bes­ter neu­er Künst­ler“und „Bes­tes Rap-Al­bum“(Ti­tel: „The Heist“) – ab; nun bringt er nach zwölf Jah­ren wie­der ein So­lo­werk auf denMarkt. „Ge­mi­ni“(dt.: Zwil­ling) heißt es und soll al­le Sei­ten, die Men­schen in sich tra­gen, um­ar­men. Ei­ne Plat­te, die so sehr ins Herz und die Hüf­ten bal­lert, dass sie im bes­ten Sin­ne schlaf­los macht. Den gu­ten Vi­be des Al­bums er­klärt der Künst­ler da­mit, dass er es bei sich zu Hau­se in Se­at­tle im Kel­ler auf­ge­nom­men ha­be – um­ge­ben von bes­ten Freun­den und Fa­mi­lie. Im­mer in der Nä­he, sei­ne Lieb­lings­men­schen: Ehe­frau Tri­cia Da­vis und die ge­mein­sa­me, zwei­jäh­ri­ge Toch­ter Slo­a­ne.

Kurz vor dem Face-to-face-In­ter­view wir­dMack­lemo­re lei­der krank, des­halb te­le­fo­nie­ren wir. Es ist neun Uhr mor­gens in sei­ner Hei­mat­stadt, als er den Hö­rer ab­nimmt. Sei­ne Be­grü­ßung „Hel­lo... this is Ben“klingt noch et­was ver­schla­fen. Na gut, dann eben ein paar kna­cki­ge Fra­gen zum Wach­wer­den...

Pas­send zu Ih­rem Al­bum „Ge­mi­ni“: Wel­che Ih­rer Sei­ten um­ar­men Sie be­son­ders gern?

Oh, gu­te Fra­ge! Ich tra­ge ei­ne hel­le und ei­ne dunk­le in mir. Und um­ar­me bei­de. Auch, wenn das nicht im­mer leicht ist. Die Sei­te, die im Son­nen­licht steht, will Mu­sik ma­chen, die ei­nen in an­de­re Sphä­ren be­amt. Aber dann gibt es noch die Sei­te, die im Schat­ten lebt...

Das heißt ge­nau?

Ich nei­ge zu De­pres­sio­nen und manch­mal kämp­fe ich da­mit, das Le­ben zu be­wäl­ti­gen. Hin­zu kommt, dass ich ein Sucht­mensch bin, lan­ge dro­gen­ab­hän­gig war. Die Ge­fahr, dass ich ir­gend­wann­mal ei­nen Rück­fall be­kom­me, be­steht. All das hängt wie ein Da­mokles­schwert über mir.

Wie schla­gen Sie denn die Bad Vi­bes in die Flucht?

Mir hilft es, wenn ich mich um an­de­re Men­schen küm­me­re, mich so­zi­al en­ga­gie­re. Ich ha­be ge­merkt, dass die Dun­kel­heit im­mer dann in mich hin­ein­kriecht, so­bald ich auf­hö­re, das Son­nen­licht zu füt­tern. Die Fra­ge, die ich mir im­mer wie­der stel­le, ist: Ha­be ich den Dri­ve und Wil­len, mei­nen Spi­rit so zu pus­hen, dass ich dem dunk­len Tier ei­nen Schlag ver­set­zen kann, wenn es kommt?

Sie sind ein spi­ri­tu­el­ler Mensch – hilft es Ih­nen auch zu be­ten?

Ja. Zu­min­dest schi­cke ich je­den Mor­gen ein Dan­ke­schön in den Him­mel.

An wel­chen Emp­fän­ger?

Gott. Aber Gott ist für mich ein abs­trak­ter Be­griffffff. Ge­schlechts­los. Auch nicht mit ei­ner Re­li­gi­on ver­bun­den. Zu wis­sen, dass es da die­se Po­wer im Uni­ver­sum gibt, die al­les steu­ert, hilft mir, mit dem Le­ben auf der Er­de bes­ser klar­zu­kom­men.

Die größ­te Er­kennt­nis bis­lang?

Ir­gend­wann ha­be ich be­griffffffen, und vor al­lem auch ak­zep­tiert, dass vie­les, was im Le­ben pas­siert, nicht in mei­ner Hand liegt. Was ich al­ler­dings in der Hand ha­be, ist, wie ich dem Schick­sal be­geg­ne.

Mit­wel­che­mSound imOhr fällt Ih­nen das Le­ben leich­ter?

Mit der Stim­me mei­ner Toch­ter – mein ab­so­lu­ter Lieb­lings­sound. Vor al­lem, wenn sie „Dad­dy“sagt.

Und wel­cher Sound tut Ih­nen weh?

Wenn mei­ne Toch­ter weint, weil ich weg­ge­hen muss.

Sin­gen oder rap­pen Sie für Slo­a­ne Ava Si­mo­ne, Ih­re Klei­ne?

Bei­des. Das Tol­le ist, dass sie auf mei­ne Mu­sik steht. Des­halb sin­ge ich ihr oft ei­ge­ne Songs vor. Sie liebt „Gro­wing Up“, den ich für sie ge­schrie­ben ha­be. Und „Sa­me Drugs“von Chan­ce the Rap­per.

Ih­rer Oma ha­ben Sie zum 100. Ge­burts­tag mit „Glo­rious“auch ein Lied ge­wid­met. Im Vi­deo da­zu er­fül­len Sie ihr je­den noch so ver­rück­ten Her­zens­wunsch. Sie schmei­ßen Eier ge­gen Haus­wän­de, ge­hen shop­pen, las­sen sich ih­ren Na­men He­len tä­to­wie­ren... Was hat die­se tol­le Groß­mut­ter Ih­nen fürs Le­ben mit­ge­ge­ben?

Ih­ren Sinn für Hu­mor. Mei­ne Oma hat im­mer ei­nen Jo­ke auf La­ger, bis heu­te ist sie lus­tig, geist­reich und blitz­ge­scheit. Sie hat die­se Fä­hig­keit, mit dem Le­ben zu flir­ten. Das ha­be ich im­mer be­wun­dert. Au­ßer­dem hat sie mei­nen Style ge­prägt.

Oha, das ist ja in­ter­es­sant...

Sie hat mir mein al­ler­ers­tes Paar Schu­he ge­schenkt. Und ich glau­be, dass sie die ein­zi­ge Person ist, die­mehr Schu­he be­sitzt als ich. Ok, viel­leicht ha­be ich sie mitt­ler­wei­le über­holt. Aber sie lag lan­ge an der Spit­ze.

Was, wenn Sie sich selbst ei­nen Her­zens­wunsch er­fül­len könn­ten…

Dann wä­re das... hmmm... ein Drei­er!

Wow, ok, al­ler gu­ten Din­ge sind ja be­kannt­lich drei. Und wel­che drei Cha­rak­ter­zü­ge ma­chen Sie aus?

Ich bin echt, mit­füh­lend und hu­mor­voll.

Was flasht Sie im Le­ben?

Her­aus­zu­fin­den, war­um ich über­haupt auf die­ser Welt bin.

Und, fün­dig ge­wor­den?

Teil­wei­se. Das mag jetzt et­was ab­ge­dro­schen klin­gen, aber ich­möch­te un­be­dingt Fol­gen­des er­rei­chen: Ich will die Welt bes­ser hin­ter­las­sen, als ich sie an­ge­trof­fen ha­be. Ich hoffffffe, dass ich da­zu mit mei­ner Mu­sik et­was bei­tra­gen kann.

Ganz be­stimmt! Aber kön­nen Sie bei all dem Gr­ü­beln das, was Sie schon ge­schaf­fen ha­ben, auch ge­nie­ßen?

Ja! Ich bin wirk­lich sehr oft auch sehr hap­py. Aber ich muss mir be­wusst Zeit neh­men, um all die Din­ge, die um mich her­um pas­sie­ren, zu ver­ste­hen. Ei­ne mei­ner Hor­ror­vor­stel­lun­gen ist, dass ich ir­gend­wann zu­rück­bli­cke und zu mir sa­ge: Du hat­test al­les, un­ter an­de­rem Er­folg. Und konn­test ihn nicht ge­nie­ßen, weil du nicht im Mo­ment ge­lebt hast.

STYLEKöNIG Sei­ne gei­len Kla­mot­ten holt sich Rap­per Mack­lemo­re am liebs­ten aus dem „Thrift Shop“(so der Ti­tel ei­ner sei­ner Hits, auf Deutsch: Se­cond­hand­la­den)

TOLLS­TE FA­MI­LY GANG Mack­lemo­re mit sei­ner 100-jäh­ri­gen Oma He­len im Vi­deo zum Song „Glo­rious“ HEISSESTER HIP- HOP Das Co­ver des neu­en Mack­lemo­re Al­bums „Ge­mi­ni“. Tour­in­fos (al­ler­dings spielt er vor­erst nur in den USA) und coo­le Merch­kla­mot­ten gibt‘s auf mack­lemo­re.com

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