AUF ZUR (TV-) SCHIRM­HERR­SCHAFT!

Im Film­ge­schäft do­mi­nier­ten bis­lang Män­ner das Bild. Doch jetzt er­obern star­ke Hel­din­nen wie Won­der Wo­man und gran­dio­se Re­gis­seu­rin­nen die Lein­wän­de. Und die­se Vor­bil­der sind sehr wich­tig

Cosmopolitan (Germany) - - Trend - TEXT: VE­RO­NI­KA SCHAL­LER

Eei­nen un­ver­mit­telt, wenn sie schwert- er den Bild­schirm fegt. Wenn sie als en schat­ten­boxt, statt sich die Haa­re nd als er­wach­se­ne Frau ei­nen Mann vor Ku­geln schützt – an­statt er sie. Der Schau­spie­le­rin Gal Ga­dot im Film „Won­der Wo­man“zu­zu­se­hen, be­wirkt et­was. Ei­ne stolz ge­ball­te Faust zum Bei­spiel, be­glei­tet von ei­nem eu­pho­ri­schen „Yesss“Ruf. Es trifft – wie ih­re Pfei­le – mit Wumms ins Ego. Denn es be­stä­tigt: „Du kannst al­les schaffffffen!“Auch als Frau. Ge­ra­de als Frau.

Die­se Su­per­hel­din ent­puppt sich als ei­ne Fi­gur, von der man bis­lang gar nicht wuss­te, wie sehr man sie ver­misst hat. Ei­ne, bei der es in ers­ter Li­nie um Su­per­kräf­te geht und nicht um Su­per­brüs­te. Das macht Zu­schaue­rin­nen Mut. Und das ist ein Ge­fühl, das sich mo­men­tan auch bei ein paar Se­ri­en ein­stellt. Bei „Ga­me of Thro­nes“et­wa, wenn man rea­li­siert: Hey, da sind ja fast nur Frau­en an der Macht! Frau­en, die sich den Mei­nun­gen ih­rer männ­li­chen Be­ra­ter wi­der­set­zen, Wi­der­sa­chern schon mal die Keh­le auf­schlit­zen und smar­ter tak­tie­ren als Ker­le. Oder bei „Hou­se of Cards“: Wo Ro­bin Wright als Claire Un­der­wood eben nicht die klas­si­sche Prä­si­den­ten­gat­tin mimt, die ih­rem Mann den Rü­cken frei­hält und sich da­mit zu­frie­den­gibt. Nein, die­se First La­dy will selbst an die Macht.

BENJAMINS UND BOBS ER­KLä­REN DIE WELT

Dass sol­che Ego-Wumms-Mo­men­te über­haupt über­ra­schen, zeigt: Die Nor­ma­li­tät sieht an­ders aus. Al­lein, was die An­zahl der Frau­en im Film be­trifft. Weil Schau­spie­le­rin Ma­ria Furt­wäng­ler das im­mer „diffffffus ahn­te“, aber nie be­wei­sen konn­te, in­iti­ier­te sie jüngst mit der Uni­ver­si­tät Ros­tock ei­ne Studie, die un­ter­su­chen soll­te, wie prä­sent Frau­en auf deut­schen Fern­seh­bild­schir­men und Ki­n­o­lein­wän­den sind. Das scho­ckie­ren­de Er­geb­nis: Im TV fin­den sich nur 33 Pro­zent weib­li­che Prot­ago­nis­ten – und wenn, dann häu­fig im Kon­text von Lie­bes­be­zie­hun­gen. Auch bei In­fo-Sen­dun­gen ist der Gap frap­pie­rend. Un­ter Mo­de­ra­to­ren, Re­por­tern, Ex­per­ten und Spre­chern ist nur je­der drit­te Haupt­ak­teur ei­ne Frau. Män­ner er­klä­ren al­so die Welt. Und das schon im Kin­der­fern­se­hen. Im Fan­ta­sie­be­reich, in der Welt von Ben­ja­min Blüm­chen und Spon­geBob Schwamm­kopf , kom­men auf ei­ne weib­li­che Fi­gur tat­säch­lich neun­männ­li­che... Ma­ria Furt­wäng­ler sagt da­zu: „Das prägt na­tür­lich (...) Wir müs­sen uns dar­über be­wusst sein, wie stark sol­che Bil­der wir­ken!“Denn Be­wusst­sein sei der ers­te Schritt Rich­tung Ve­rän­de­rung.

FüRS LE­BEN LER­NEN

War­um es so wich­tig ist, Frau­en im Film zu se­hen, weiß Di­plom-Psy­cho­lo­gin und Kar­rie­r­e­be­ra­te­rin Bri­git­te Scheidt: „Star­ke, hoch­erfolg­rei­che Frau­en, die ih­ren Weg ge­hen, la­den zur Iden­ti­fi­ka­ti­on ein und ge­ben Ori­en­tie­rung.“Das füh­re zu Ler­nen am Mo­dell: „Manch­mal er­öffffffnen Vor­bil­der so­gar erst die Idee derMög­lich­keit“, er­klärt die Ex­per­tin. „Von er­lern­ba­ren Fä­hig­kei­ten, über Per­spek­ti­ven, bis hin zu Denk­wei­sen.“Ein Bei­spiel: Weil Frau­en stark auf Har­mo­nie ge­polt sind, hal­ten sie Kon­kur­renz­den­ken oft für schlecht – bis sie bei­spiels­wei­se in der An­walt­se­rie „Suits“se­hen, wie Kanz­lei­che­fin Jes­si­ca Pe­ar­son sich in ei­ner Män­ner­do­mä­ne durch­setzt. Sie wird ge­fürch­tet und zu­gleich ge­liebt. Oh­ne es auf Letz­te­res an­zu­le­gen.

Was Vor­bil­der im Ge­hirn be­wir­ken kön­nen, of­fen­bart der so­ge­nann­te Hil­la­ry-Cl­in­ton-Ef­fekt: Bei ei­ner Studie der Te­xas Chris­ti­an Uni­ver­si­ty wur­de ei­ner Grup­pe Pro­ban­din­nen vor ei­nem Ma­the­test ge­sagt, dass Frau­en schlecht in Na­tur­wis­sen­schaf­ten sei­en. Ei­ne an­de­re Grup­pe be­kam ei­nenText über die Er­folgs­ge­schich­te Hil­la­ry Cl­in­tons zu le­sen. Das Er­geb­nis? Wer mit ei­nem ne­ga­ti­ven Ste­reo­typ kon­fron­tiert wor­den war, er­reich­te im Schnitt 50,7 Pro­zent der Punk­te. Wer hin­ge­gen über Hil­la­ry Cl­in­ton nach­ge­dacht hat­te und da­von über­zeugt ge­we­sen war, ihr Er­folg ba­sie­re auf Leis­tung, be­ant­wor­te­te 62,3 Pro­zent der Fra­gen rich­tig.

Ähn­lich be­ein­dru­ckend: Dass sich Trends auf Film­fi­gu­ren zu­rück­füh­ren las­sen wie imFall „Die Tri­bu­te von Pa­nem“. Nach­dem Jen­ni­fer La­wrence ali­as Kat­niss Ever­de­en vor fünf Jah­ren als Bo­gen­schüt­zin bril­lier­te, ver­zeich­ne­ten Bo­gen­schüt­zen­Ver­ei­ne in den USA ein Mit­glie­der­wachs­tum von 48 Pro­zent. Die meis­ten Neu­zu­gän­ge: Mäd­chen zwi­schen sie­ben und 17 Jah­ren. ❯

WO­MAN VS. MAN

Ei­ne, die seit Jah­ren ge­gen das Män­ner-Frau­en­Un­gleich­ge­wicht im Film an­kämpft – und zwar mit viel Hu­mor –, ist Ani­ka De­cker. Die Dreh­buch­au­to­rin hat mit Til Schwei­ger dieMe­ga-Hits „Kein­ohr­ha­sen“und „Zwei­o­hr­kü­ken“ge­schrie­ben und gilt als ei­ne der er­folg­reichs­ten Re­gis­seu­rin­nen Deutsch­lands (ak­tu­ell im Ki­no: „High So­cie­ty“). Sie will Frau­en er­schaffffffen, die „nicht nur da­zu da sind, um­ver­ständ­nis­voll und se­xy zu sein und den Hel­den toll zu fin­den“, so die Fil­me­ma­che­rin. Viel­schich­ti­ge Fi­gu­ren sol­len es sein, die ihr in an­de­ren Pro­duk­tio­nen feh­len. „Frau­en, die nicht im­mer gut und wun­der­schön sind und auch mal Feh­ler ma­chen“, er­klärt sie. Bei die­ser Mis­si­on läuft sie­mit de­mKopf häu­fig ge­gen Wän­de, reißt die­se aber­mit Wil­lens­kraft ein. „Das Pop­corn-Ki­no ist zu 80 Pro­zent männ­lich ge­prägt“, er­zählt die 42-Jäh­ri­ge. „Und die Män­ner sa­gen dir dann, dass es zu un­sym­pa­thisch wir­ke, wenn ei­ne Frau Wi­der­wor­te gibt. Dass sie ner­vig und an­stren­gend sei, wenn sie sich wie­der­holt. Oder, dass ei­ne Kin­der­gärt­ne­rin mit wu­sche­li­genHaa­ren und Bril­le zu un­se­xy sei. Das ha­ben Til und ich beimSchrei­ben von ‚Kein­ohr­ha­sen‘ stän­dig ge­hört, und es ist schwie­rig, weil man sich als Krea­ti­ve schnell ver­un­si­chern lässt.“Vor al­lem, wenn Mil­lio­nen auf dem Spiel ste­hen. Doch Ani­ka De­cker wag­te das Ri­si­ko. Und ge­wann. Bei ih­rem Re­gie­de­büt „Traumfrauen“ging sie so­gar noch ei­nen Schritt wei­ter. „Al­le warn­ten mich: Nur Frau­en al­sHaupt­fi­gu­ren, das macht kei­ne Kas­se“, sagt sie. „Was für ei­ne Ge­nug­tu­ung, dass dann doch so vie­le den Film ge­se­hen ha­ben.“Kon­kret wa­ren das 1,7 Mil­lio­nen­Men­schen, ein Rie­sen­er­folg.

Auch Re­gis­seu­rinPat­ty Jenk­ins hat sämt­li­chen „Das funk­tio­niert nie!“-Kri­ti­kern das Ge­gen­teil be­wie­sen: Ihr Film „Won­der Wo­man“spiel­te in den USA mit rund 350 Mil­lio­nen Dol­lar mehr Geld ein als „Bat­man v Su­per­man“und „Sui­ci­de Squad“– und gilt als Ret­tung derDC-Co­mi­c­ver­fil­mun­gen.

SCHLECH­TE QUO­TE – AUF DEN REGIESTüHLEN

Die Sa­che mit den Hel­din­nen, sie funk­tio­niert al­so. Vor al­lem, wenn Frau­en­hin­ter der Ka­me­ra ste­hen. Wenn, wohl­ge­merkt. Stu­di­en zei­gen, dass das in den USA nur zu 17 Pro­zent der Fall ist. In Deutsch­land? Ein ähn­li­ches Bild. „Wie kann es sein, dass et­wa gleich vie­le Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten ❯

die Film­hoch­schu­len be­su­chen und am En­de Män­ner cir­ca 80 Pro­zent der Jobs be­kom­men?“, fragt Ani­ka De­cker und gibt gleich selbst die Ant­wort: „Vet­tern­wirt­schaft. Wenn du ei­ne Frau bist, schwingt in der Bran­che un­ter­schwel­lig im­mer mit: Du machst ei­nen gu­ten Job, du kannst es zu et­was brin­gen. Zur Zu­ar­bei­te­rin, zur schlau­en Be­ra­te­rin viel­leicht – von ei­nem Mann.“Ty­pi­sche Kli­scheesprü­che, die er­folg­rei­che Frau­en wie sie beim Film hö­ren? „‚Wahn­sinn, dass Sie als klei­nes Per­sön­chen so ei­nen Job wup­pen...‘“, schnaubt sie. „Als müss­te man da­bei sei­nen Bi­zeps be­nut­zen statt sei­nen Kopf.“

Dass ei­ne Frau auf de­mRe­gie­stuhl sitzt, ist eben lei­der noch un­ge­wohnt. Der Mann ist ge­lernt. Von dem weiß man: Er hat al­les im Griffffff. Um die Ge­wohn­heit zu durch­bre­chen, en­ga­giert sich Ani­ka De­cker des­halb für die Ver­ei­ni­gung „Pro Quo­te Re­gie“. Die for­dert, dass bis 2025 die Hälf­te der Re­gie­jobs an Frau­en geht. „Das wür­de be­wir­ken, dass sich Auf­trag­ge­ber auch wirk­lich nach gu­ten Re­gis­seu­rin­nen um­se­hen. Ein­mal an­ge­sto­ßen, lie­fe es von selbst und dann bräuch­te man die Quo­te nicht mehr“, sagt Ani­ka De­cker. Und so könn­ten Frau­en in Macht­po­si­tio­nen an­de­re Frau­en för­dern.

WINNER WOMEN

Wie groß die Angst der Män­ner vor die­sem Wan­del ist, zeigt üb­ri­gens das In­ter­view, das „heu­te jour­nal“-Spre­cher Claus Kle­ber mit Ma­ria Furt­wäng­ler über ih­re Studie führ­te. Dass er ihr un­ter­stell­te, das Pu­bli­kum „um­er­zie­hen zu wol­len“und sich über die Un­ter­su­chung lus­tig mach­te. Sor­ry not sor­ry für Ma­chos wie ihn: Frau­en ent­wi­ckeln sich zu Won­der Women im Job. Nein, sie wol­lenKer­le nicht ab­schaffffffen. Aber sie las­sen sich auch nicht mehr mit der zwei­ten Rei­he und we­ni­ger Ga­ge (trau­ri­ger Fakt bis­lang!) ab­spei­sen.

Jüngst kur­sier­ten schon zwei er­freu­li­che Nach­rich­ten. Die ers­te: Bei „Ga­me of Thro­nes“gä­be es kei­nen Gen­der-Pay-Gap. Die fünf Haupt­dar­stel­ler Emi­lia Clar­ke, Kit Ha­ring­ton, Le­na He­a­dey, Ni­ko­laj Cos­ter-Wal­dau und Pe­ter Din­kla­ge be­kä­men al­le je 500000Dol­lar pro Fol­ge. Die zwei­te: Pat­ty Jenk­ins ha­be ei­ne or­dent­li­che Ge­halts­er­hö­hung raus­ge­schla­gen, sei jetzt die best­be­zahl­te Re­gis­seu­rin Hol­ly­woods und er­hal­te für den im De­zem­ber 2019 er­schei­nen­den zwei­ten „Won­der Wo­man“-Teil ei­ne so ho­he Ga­ge wie männ­li­che Kol­le­gen nach ver­gleich­ba­ren Er­fol­gen. Ein Hap­py End­mag das noch lan­ge nicht sein. Aber im­mer­hin ein sehr gu­ter Cliff­han­ger. Fort­set­zung folgt.

OLLE ALS ROLE MO­DEL Die Is­rae­lin Gal Ga­dot ver­kör­pert in „WonderWoman“Un­ab­hän­gig­keit, Gü­te und Kampf­geist. Ab 2.11. gibt‘s den Film auf DVD und ab 16.11. taucht sie im Ki­no in „ Justi­ce Le­ague“wie­der auf

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