Ni­na & Ju­lia Mei­se: Heim­li­cher Stal­ker

DAS NEUE BLATT - - Inhalt -

Sie sind ein Herz und ei­ne See­le, hal­ten zu­sam­men wie Pech und Schwe­fel. Die­se be­son­de­re Nä­he wur­de den Zwil­lin­gen aus der „ra­tio­pharm“-Wer­bung fast zum Ver­häng­nis – denn sie zog ei­nen Stal­ker an! Als sie die Mo­de­ra­to­ren­schu­le in Berlin be­such­ten, dräng­te sich der Frem­de in ihr Le­ben. Was ge­nau ist Ih­nen pas­siert? Ju­lia: Wir konn­ten uns zu­erst nicht so mit der Stadt an­freun­den und fuh­ren je­des Wo­che­n­en­de mit dem Zug heim nach Wies­ba­den. Wenn wir frei­tags mit dem Kof­fer ins Bü­ro gin­gen, stand der Haus­meis­ter im­mer im Hof und sag­te: „Ach, ge­hen die Fräu­lein Mei­se wie­der auf Rei­sen?“Wir schöpf­ten kei

www. Das­Neue­Blatt. de nen Ver­dacht, was uns aber schnell ko­misch vor­kam: Wenn wir sonn­tags wie­der­ka­men, roch es in un­se­rer Woh­nung nach Af­ters­ha­ve und un­se­re Sa­chen stan­den wo­an­ders. Wir be­schul­dig­ten uns ge­gen­sei­tig: „Ni­na, wie­so hast du un­ser Par­füm weg­ge­räumt?“Sie stritt es ab. Ni­na: Dann war auch un­se­re Un­ter­wä­sche zer­wühlt. Die Stim­mung war so­wie­so et­was

an­ge­spannt durch die Pen­de­lei, dann ka­men die ge­gen­sei­ti­gen Be­schul­di­gun­gen da­zu. Ich dach­te, Ju­lia wol­le mich är­gern und an­ders­her­um. Ir­gend­wann wuss­ten wir, dass et­was nicht stimmt. Wie ha­ben Sie er­fah­ren, dass je­mand in der Woh­nung war? Ju­lia: Wir sind frei­tags wie­der mit den Kof­fern los, der Haus­meis­ter ver­ab­schie­de­te uns. Dann über­re­de­ten mich Kol­le­gen zu blei­ben. Ich bin spon­tan zu­rück zur Woh­nung. Als ich die Tür öff­ne­te, hing da ei­ne Män­ner­ja­cke, in der Luft lag wie­der die­ser Ge­ruch. Ich lief pa­nisch in den Hof, ich wuss­te ja nicht, ob er da ist. Ni­na saß im Zug, al­so rief ich un­se­re Freun­din an, mit der ich in die Woh- nung ging. Er war nicht da, hat­te aber in un­se­rem Bett ge­schla­fen! Wir rie­fen die Po­li­zei, die die Si­tua­ti­on sehr ernst nahm. Die Po­li­zis­ten sag­ten mir, das sei ein klas­si­scher Fall von Stal­king. Ei­ne Vier­tel­stun­de war­te­ten wir mit ih­nen, dann schloss je­mand die Tür auf: der Haus­meis­ter, der oh­ne un­ser Wis­sen ei­nen Schlüs­sel hat­te! Ha­ben Sie An­zei­ge er­stat­tet? Ni­na: Wir zo­gen die An­zei­ge zu­rück. Er hat­te sich ent­schul­digt: „Ich ha­be kei­ne an­de­re Wahl, als mich um­zu­brin­gen. Ich ver­lie­re mei­nen Job, mei­ne Frau hat mich ver­las­sen, mei­ne Kin­der wol­len nichts von mir wis­sen. Ich bin ganz al­lei­ne! Bit­te, bit­te den­ken Sie dar­über nach.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.