Das gro­ße In­ter­view: Sän­ge­rin Anas­ta­cia

Anas­ta­cia – welt­be­kann­te Pop­sän­ge­rin und ei­ne Frau, die sich von nichts wirk­lich um­hau­en lässt …

DAS NEUE BLATT - - Inhalt - Chris­ti­ne Sta­ab/BS

Sie kämpf­te schon zwei Mal ge­gen den Brust­krebs. Er­folg­reich! Den Le­bens­mut konn­ten Anas­ta­cia die Schick­sals­schlä­ge nicht neh­men. Wir spra­chen mit ihr … Ihr ak­tu­el­les Al­bum „Evo­lu­ti­on“er­schien frü­her als ge­plant. Ei­gent­lich soll­te es erst An­fang 2018 auf den Markt kom­men. Aber dann dach­ten wir, dass es bes­ser sei, gleich­zei­tig mit mei­ner Mo­de­li­nie bei AL­DI SÜD zu er­schei­nen. Ich steck­te noch mit­ten in mei­ner Tour­nee und fühl­te mich über­haupt nicht be­reit, ins Studio zu ge­hen. Au­ßer­dem ha­be ich in die­sem Jahr an der bri­ti­schen Ver­si­on von „Let’s Dan­ce“teil­ge­nom­men. Und dann auch noch die Plat­ten­auf­nah­men! Ich bin stän­dig zwi­schen den USA und Schwe­den hin- und her­ge­flo­gen. Ich hät­te mich ger­ne ge­klont, um das al­les zu schaf­fen (lacht). Aber dann hat es doch ir­gend­wie ge­klappt! Es war här­ter, als ich dach­te. Ich hat­te nur we­nig Schlaf in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten. Ich stand un­ter enor­mem Druck, weil ich ein Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum hat­te. Ich ge­nie­ße es nicht, un­ter Druck ar­bei­ten zu müs­sen. Vor we­ni­gen Jah­ren hat­ten Sie ein Burn- out von zu viel Ar­beit. Hat­ten Sie kei­ne Angst vor ei- nem Rück­fall bei solch ei­nem Pen­sum? Na­tür­lich hat­te ich Angst, mir zu viel zu­zu­mu­ten. Aber das An­ge­bot von AL­DI SÜD konn­te ich nicht ab­leh­nen. Es ist ein rie­si­ges Pro­jekt, und ich ha­be sehr vie­le Fans hier in Deutsch­land. Al­so ha­be ich ge­sagt: „Ich ver­su­che es.“Wir wur­den auf die letz­te Se­kun­de fer­tig mit der CD. Ich bin jetzt bis De­zem­ber in Eu­ro­pa un­ter­wegs, aber ich ha­be zwi­schen­durch auch mal den ei­nen oder an­de­ren Tag frei. Gott sei Dank! Ha­ben Sie Ih­ren Vor­satz, kein Bo­tox mehr sprit­zen zu las­sen, durch­ge­hal­ten? Nein, nicht wirk­lich – aber ich über­trei­be es nicht mehr so. Ich ha­be sehr früh mit Bo­tox an­ge­fan­gen, um den Al­te­rungs­pro­zess zu ver­lang­sa­men. Das hat auch recht gut funk­tio­niert. Heu­te möch­te ich na­tür­lich aus­se­hen. So, dass ich mei­ne Stirn run­zeln kann. Sie ha­ben zwei Mal den Brust­krebs be­siegt und da­nach öf­fent­lich Ih­re Nar­ben ge­zeigt. Wie schwer fiel Ih­nen das? Ich woll­te an­de­ren Frau­en da­mit Mut ma­chen. Die Krebs­Nar­ben sind nicht die ein­zi­gen, die ich ha­be. Als ich das ers­te Mal we­gen Mor­bus Crohn ope­riert wur­de, dach­te ich, mein Le­ben sei vor­über. Ich ha­be da­von bis heu­te ei­ne gro­ße Nar­be am Bauch. Aber ich kann­te das Ge­fühl schon von frü­her: Ir­gend­wann wuchs ich nicht mehr wei­ter und frag­te mich „Wer­de ich tat­säch­lich so klein blei­ben?“. Oder: „War­um ha­be ich all die­se Som­mer­spros­sen?“Ich war sehr hart mit mir. Ich hat­te über­haupt kein Selbst­be­wusst­sein. Es dau­er­te lan­ge, bis ich ganz zu mir und mei­nem Kör­per ste­hen konn­te. Wenn du zwei Mal Krebs hat­test, ver­schie­ben sich dei­ne Prio­ri­tä­ten. Du ha­derst nicht mehr mit dir selbst und dei­nem Aus­se­hen. Du bist glück­lich dar­über, am Le­ben zu sein – mit all den Nar­ben, die zu dir ge­hö­ren. Muss­ten Sie die­ses Leid durch­le­ben, um zu der Frau zu wer­den, die Sie heu­te sind? Es war mein Schick­sal, dass ich das er­le­ben muss­te. Ich muss­te durch die Höl­le ge­hen, um ge­stärkt aus die­ser Zeit her­aus­zu­kom­men. Ich den­ke, dass du al­les an­neh­men musst, was das Le­ben dir gibt – sei es po­si­tiv oder ne­ga­tiv. Je­de Freu­de und je­des Leid brin­gen dich wei­ter im Le­ben. Mein Brust­krebs war im Nach­hin­ein be­trach­tet ein Se­gen. Ich hat­te schon als Te­enager sehr gro­ße Brüs­te. Die Jungs ha­ben mich per­ma­nent an­ge­starrt, die Mäd­chen ha­ben mich ge­hän­selt. Ich woll­te mei­ne Brüs­te ver­klei­nern las­sen. Dar­um bin ich zum Arzt ge­gan­gen – und dort wur­de das ers­te Mal Krebs bei mir ent­deckt! Das war Schick­sal! Nur des­halb war der Tu­mor noch so klein, konn­te leicht ent­fernt wer­den. Ich kann heu­te in al­lem, was mir Schlim­mes pas­siert, ei­nen Fun­ken Po­si­ti­ves ent­de­cken. Egal, was es ist. Fürch­ten Sie, dass der Krebs ein drit­tes Mal zu­rück­kehrt? Als das ers­te Mal Brust­krebs fest­ge­stellt wur­de, war das in Sta­di­um eins. Das be­deu­tet, der Krebs war noch nicht auf die Lymph­kno­ten über­ge­gan­gen. Dar­um hat­te ich nach der Ope­ra­ti­on nur Be­strah­lun­gen, kei­ne Che­mo­the­ra­pie oder Me­di­ka­men­te. Beim zwei­ten Mal war ich zehn Jah­re äl­ter. Der Krebs wur­de eben­falls in ei­nem frü­hen Sta­di­um ge­fun­den, ich muss­te aber Me­di­ka­men­te neh­men, mich Be­strah­lun­gen und ei­ner Che­mo­the­ra­pie un­ter­zie­hen. Des­halb ha­be ich mir die Brüs­te ent­fer­nen las­sen, um zu ver­hin­dern, ein drit­tes Mal zu er­kran­ken. Ich wuss­te, dass dies ein gro­ßer Schritt ist. Aber im Re­gel­fall geht der Krebs beim drit­ten Mal auch auf die Lymph­kno­ten über – und dann lässt sich meist nichts mehr ma­chen. Ich ha­be mich für das Le­ben und ge­gen mei­ne ei­ge­ne Ei­tel­keit ent­schie­den!

Sän­ge­rin Anas­ta­cia un­ter­hielt sich mit DAS NEUE BLATT-Mit­ar­bei­te­rin Chris­ti­ne Sta­ab

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