Die Wahr­heit

Hy­gie­ne-Ex­per­te

Das Neue - - MEDIZIN -

Al­le 15 bis 20 Mi­nu­ten fin­det ei­ne Zell­tei­lung statt, so dass in­ner­halb ei­nes Ta­ges aus ei­nem Bak­te­ri­um Mil­lio­nen von Nach­kom­men ent­ste­hen kön­nen.

Was auf den ers­ten Blick sau­ber aus­sieht, muss noch lan­ge nicht hy­gie­nisch sein. Hät­ten Sie z. B. ge­dacht, dass Hand­ta­schen wah­re Keim­schleu­dern sein kön­nen? Vor al­lem Le­der macht es Er­re­gern leicht, sich fest­zu­set­zen und zu ver­meh­ren. Der Mi­kro­bio­lo­ge Prof. Franz Da­sch­ner er­klärt, wel­che Keim­fal­len un­ter­schätzt wer­den und wel­che ver­meint­li­chen Ge­fah­ren wir ge­trost ver­ges­sen kön­nen.

Herr Prof. Da­sch­ner, wenn es ein Pa­ra­dies für Kei­me gä­be, wie sä­he das aus?

Warm, feucht und vol­ler un­ge­dusch­ter, halb­nack­ter Men­schen. Gründ­li­ches Hän­de­wa­schen ist die bes­te Vor­sor­ge­maß­nah­me vor In­fek­tio­nen.

48 das neue Es wä­re ein Whirl­pool! Dort kön­nen sich Kei­me nach Lust und Lau­ne aus­brei­ten, durch die Bläs­chen ge­lan­gen sie auch noch in die Luft, so­dass wir sie ein­at­men kön­nen. Wer ei­ne Le­gio­nel­len-In­fek­ti­on ha­ben möch­te, soll­te ein­fach so­oft es geht in öf­fent­li­chen Whirl­pools ba­den. Die Sau­na hin­ge­gen ist sehr ge­sund. Die Hit­ze för­dert das Im­mun­sys­tem, tö­tet vie­le Kei­me ab.

Und wo lau­ert die Ge­fahr zu Hau­se?

Je­den­falls nicht im Ba­de­zim­mer. Kei­me sam­meln sich gern dort, wo es feucht ist und Nah­rungs­mit­tel zu­be­rei­tet wer­den – da­her ist die Kü­che ihr Lieb­lings­zim­mer. Und dort füh­len sie sich im Kü­chen­schwamm am wohls­ten. Ich emp­feh­le des­halb, ihn al­le ein bis zwei Wo­chen in der Spül­ma­schi­ne mit­zu­wa­schen.

Wie schüt­zen wir uns am bes­ten vor Er­re­gern?

Durch häu­fi­ges Hän­de­wa­schen. Be­son­ders vor und nach dem Kon­takt mit Nah­rungs­mit­teln soll­ten wir im­mer dar­an den­ken. Auf Hüh­ner­fleisch bei­spiels­wei­se be­fin­den sich vie­le Sal­mo­nel­len. Wenn Sie es zu­be­rei­ten und da­nach zum Ge­mü­se oder zur In stark be­las­te­ten Um­ge­bun­gen – z. B. nach ei­nem Kran­ken­haus­Be­such – ist das sinn­voll. Aber erst nach dem Hän­de­wa­schen. Ge­ne­rell soll­te aber nicht zu viel des­in­fi­ziert wer­den. Ein Scheu­er­lap­pen mit Sei­fe kann Haus­halts­kei­me so weit re­du­zie­ren, dass sie nicht in­fek­ti­ös sind.

Gibt es auch nütz­li­che Bak­te­ri­en?

Und ob. Die meis­ten Kei­me im Haus­halt sind völ­lig un­be­denk­lich. Sehr nütz­lich sind et­wa die in der Toi­let­te. Des­halb ist von an­ti­bak­te­ri­el­len Rei­ni­gungs­mit­teln ab­zu­ra­ten. Ers­tens rich­ten sie sich so­wie­so nur ge­gen be­stimm­te Kei­me und nüt­zen da­her we­nig. Au­ßer­dem zer­stö­ren sie die wich­ti­gen Ab­was­serbak­te­ri­en. Ich ra­te zu um­welt­freund­li­chen Mit­teln, z. B. aus der Frosch-Se­rie. Ge­gen Schim­mel­pil­ze hilft am bes­ten ei­ne Prof. Dr. Franz Da­sch­ner: Der ehe­ma­li­ge Di­rek­tor des In­sti­tuts für Um­welt­me­di­zin und Kran­ken­haus­hy­gie­ne am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Frei­burg be­schäf­tigt sich seit Jah­ren mit den Hy­gie­ne­be­din­gun­gen in deut­schen Kli­ni­ken. Wenn ein ver­gripp­ter Pas­sant in sei­ne Hand schnod­dert und dann zum Ge­län­der greift, kön­nen wir uns als Hin­ter­mann na­tür­lich an­ste­cken. Ei­ne be­son­de­re Ge­fahr geht da­von al­ler­dings nicht aus – wenn wir uns re­gel­mä­ßig gründ­lich die Hän­de wa­schen. Auf öf­fent­li­chen Toi­let­ten ist ein Pa­pier­tuch zum Ab­trock­nen üb­ri­gens sinn­vol­ler als ein Hand­föhn. Der wir­belt die Kei­me bloß durch die Luft.

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