Lein­wand-Göt­tin

Das Neue - - ERINNERUNG -

Sie hat­te ein Ge­sicht wie in Mar­mor ge­mei­ßelt: Sinn­li­che Lip­pen, schma­le Na­se und stets die­sen las­zi­ven Blick – Gre­ta Gar­bo wur­de als Lein­wand-Göt­tin ver­ehrt und ge­fei­ert. Mil­lio­nen Män­ner­her­zen la­gen der bild­schö­nen, aber stets kühl und un­nah­bar wir­ken­den Schwe­din zu Fü­ßen. Am 18. Sep­tem­ber hät­te sie ih­ren 110. Ge­burts­tag ge­fei­ert. Un­ver­ges­sen: die bild­schö­ne Gre­ta Gar­bo in „Ma­ta Ha­ri“.

1905 in Stock­holm ge­bo­ren, wuchs Gre­ta Lo­vi­sa Gustafs­son in ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen auf. Sie war erst 14, als ihr Va­ter starb. Um die Mut­ter und zwei Ge­schwis­ter zu un­ter­stüt­zen, ar­bei­te­te sie bei ei­nem Fri­seur als „Ein­seif-Mäd­chen“. Zwi­schen Ra­sier­schaum, Pin­sel und Lo­cken­wick­lern träum­te Gre­ta da­von, ein gro­ßer Film­Star zu wer­den. Im­mer wie­der zog es sie ma­gisch in den Hin­ter­hof des Stock­hol­mer „Mo­se­ba­cke-Thea­ters“, um die Schau­spie­ler zu be­ob­ach­ten. „Ich konn­te die Thea­ter­schmin­ke rie­chen“, er­in­ner­te sich die Gar­bo vie­le Jah­re spä­ter. „Kein Ge­ruch lässt sich mit dem ei­nes Thea­ter-Hin­ter­hofs ver­glei­chen. Kein Ge­ruch wird mir je­mals so viel be­deu­ten.“

1922 wur­de end­lich ihr größ­ter Traum wahr. Sie be­stand die Auf­nah­me­prü­fung für die Schau­spiel­aka­de­mie des „Kö­nig­li­chen Dra­ma­ti­schen Thea­ters“. „Der schöns­te Mo­ment mei­nes Le­bens“, mein­te die Di­va. Und der Start­schuss in ei­ne un­glaub­li­che Kar­rie­re: Mit dem Re­gis­seur Mauritz Stil­ler († 45) mach­te sie sich vier Jah­re spä­ter auf nach Ame­ri­ka – und er­ober­te Hol­ly­wood im Sturm! Ge­nau­so wie das Herz von Schau­spie­ler John Gil­bert († 38), mit dem sie 1927 für den Ki­no-Er­folg „An­na Ka­reni­na“vor der Ka­me­ra stand. Doch die Ehe und ei­ge­ne Kin­der blie­ben ihr ver­sagt.

Als „Ka­me­li­en­da­me“wur­de sie

ge­fei­ert. Ihr Stern auf dem be­rühm­ten „Walk of Fa­me“in Los An­ge­les.

Für ih­ren Ruhm hat die „Gött­li­che“ei­nen ho­hen Preis ge­zahlt: Den Mann fürs Le­ben fand sie nie. Und die Sehn­sucht nach ei­ner Fa­mi­lie und ih­rer Hei­mat brann­te all die Jah­re in ih­rem Her­zen.

1941 dreh­te sie ih­ren letz­ten Film. Da­nach zog sie sich zu­rück, leb­te ein­sam in New York. Am 15. April 1990 starb die Film-Le­gen­de im Al­ter von 84 Jah­ren. Erst 1999 wur­de ih­re Ur­ne in Stock­holm be­stat­tet. Die gro­ße Gar­bo war end­lich wie­der zu Hau­se an­ge­kom­men.

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