Gerd Mül­ler: Er lebt jetzt in sei­ner ganz ei­ge­nen Welt

Der „Bom­ber der Na­ti­on“wird 70 – und lei­det an Alz­hei­mer

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Sei­ne schöns­ten Er­in­ne­run­gen ver­blas­sen, je­den Tag ein biss­chen mehr. Bald wird Gerd Mül­ler vie­les ver­ges­sen ha­ben. Sei­ne Kämp­fe, sei­ne le­gen­dä­ren To­re, sein gan­zes Le­ben. Kurz vor sei­nem 70. Ge­burts­tag, den er am 3. No­vem­ber fei­ert, schock­te die Nach­richt: Der „Bom­ber der Na­ti­on“lei­det an Alz­hei­mer und lebt jetzt in sei­ner ganz ei­ge­nen Welt!

Wie trau­rig ist die Vor­stel­lung, dass der Re­kord-Tor­schüt­ze in ei­nem Pfle­ge­heim un­ter­ge­bracht ist. Doch an sei­ne Kämp­fe auf dem Fuß­ball-Feld wird man sich im­mer er­in­nern.

Un­ver­ges­sen sein Sieg­tref­fer im WM-Fi­na­le 1974. „Das war das wich­tigs­te Tor mei­nes Le­bens“, er­zähl­te Gerd Mül­ler ein­mal. Dass es der ehe­ma­li­ge We­ber­ge­sel­le aus dem bay­ri­schen Nörd­lin­gen so weit brin­gen wür­de, dar­an hat­te an­fangs kaum je­mand ge­glaubt. „Ich war klein und dick­lich, al­so al­les an­de­re als ath­le­tisch“, gab er zu. Doch sein Wil­le war ei­sern! Mit 18 Jah­ren be­gann sei­ne Pro­fi­Kar­rie­re beim FC Bay­ern München. Der Start­schuss für sei­ne un­glaub­li­che Er­folgs­ge­schich­te.

Doch dann der Ab­sturz. 1979 ging er mit Ehe­frau Uschi (65) und Toch­ter Ni­co­le (44) nach Flo­ri­da, er­öff­ne­te dort ein Steak- Re­stau­rant. „Gerd fühl­te sich in sei­ner Rol­le als pro­mi­nen­ter Gast­ge­ber un­wohl und ver­fiel zu­neh­mend dem Al­ko­hol“, er­in­nert sich ein Freund. 1984 kehr­te er nach München zu­rück. Sie­ben Jah­re spä­ter über­re­de­ten ihn sei­ne Sports-Ka­me­ra­den Karl-Heinz Rum­me­nig­ge (60), Uli Ho­en­eß (63) und Franz Be­cken­bau­er (70) zu ei­nem Al­ko­hol­ent­zug.

Vie­le sei­ner Weg­ge­fähr­ten wer­den ihm gra­tu­lie­ren. Auch sei­ne Frau wird bei ihm sein. Viel­leicht mag es ein klei­ner Trost sein, dass der „Bom­ber“viel ver­ges­sen hat, aber von der Welt nie­mals ver­ges­sen wird.

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