Me­di­zin: – DieB­rust­krebs-De­tek­ti­ve

Heut­zu­ta­ge kön­nen For­scher im­mer bes­ser das Tu­mor-Ver­hal­ten vor­aus­sa­gen – je­der vier­ten Pa­ti­en­tin er­spart das die Che­mo­the­ra­pie

Das Neue - - DIESE WOCHE IN -

Nur wer die Schwach­stel­le sei­nes Fein­des kennt, kann ihn auch be­sie­gen – bei Brust­krebs ver­hält es sich nicht an­ders. Spe­zi­el­le Krebs-Ana­ly­ti­ker le­sen die Ge­ne des Tu­mors: Sie er­mit­teln sei­ne Ei­gen­schaf­ten, ent­schlüs­seln wie schnell das Ge­schwulst wächst oder streut. Dank die­ser In­for­ma­tio­nen kön­nen Ärz­te The­ra­pi­en bes­ser auf die Be­dürf­nis­se zu­schnei­den – und bei je­der vier­ten Pa­ti­en­tin auf ei­ne Che­mo­the­ra­pie ver­zich­ten. Wir be­ant­wor­ten die wich­tigs­ten Fra­gen zum The­ma Brust­krebs und neu­en The­ra­pi­en:

Wie ar­bei­tet ein Krebs- Ana­ly­ti­ker?

Der Pa­tho­lo­ge un­ter­sucht die Ge­we­be­pro­ben, die vor oder nach der OP ent­nom­men wer­den. Un­ter dem Mi­kro­skop wer­den die Zel­len an­ge­schaut. Mit ei­ner Rei­he von La­b­or­tests wer­den die Ei­gen­schaf­ten des Tu­mors ent­schlüs­selt. In­ner­halb von 24 St­un­den ent­steht so das Pro­fil. An­hand der dar­in ent­hal­te­nen Fak­ten be­ra­ten sich Ra­dio­lo­gen, Strah­len­the­ra­peu­ten, Ope­ra­teu­re und On­ko­lo­gen, wel­che The­ra­pie im Ein­zel­fall die bes­te ist. In zer­ti­fi­zier­ten Brust­krebs­zen­tren ist ei­ne sol­che Ko­ope­ra­ti­on in­zwi­schen Stan­dard.

Wie wer­den die Merk­ma­le sicht­bar?

Zum Bei­spiel in­dem Krebs­zel­len ein­ge­färbt wer­den. Da­zu wer­den so­ge­nann­te An­ti­kör­per be­nutzt, die an ei­nen Farb­stoff ge­kop­pelt sind. So se­hen die Ana­ly­ti­ker, wel­che Merk­ma­le im Ge­we­be ak­tiv sind. Im Fach­jar­gon hei­ßen sie Bio­mar­ker. Es geht dar­um, mög­lichst vie­le die­ser Bio­mar­ker ab­zu­fra­gen. Denn je mehr Ei­gen­schaf­ten ent­schlüs­selt wer­den, des­to bes­se­re Vor­her­sa­gen kön­nen schließ­lich ge­trof­fen wer­den.

Was ist für die Ärz­te be­son­ders in­ter­es­sant?

Die Wachs­tums­ge­ne! Denn sie sa­gen, wie groß der Tu­mor tat­säch­lich ist und ob er be­reits ge­streut hat. Und sie ver­ra­ten zu­sätz­lich, ob Krebs­zel­len Hor­mo­ne oder Ei­wei­ße be­nö­ti­gen, um sich zu ver­meh­ren. Glück­li­cher­wei­se gibt es nur we­ni­ge Tu­mor­ar­ten, bei de­nen das noch nicht ent­schlüs­selt wer­den kann.

Ver­hält sich al­so je­der Tu­mor an­ders?

Ja, nicht je­des Ge­schwulst ist gleich. Es gibt ver­schie­de­ne Krebs­zel­len – bis­lang sind et­wa vier bis fünf Ar­ten be­kannt. Und zu wis­sen, wel­chen Tu­mor­typ ei­ne Pa­ti­en­tin hat, ist ent­schei­dend für die Be­hand­lung. Denn an­hand sei­ner Merk­ma­le er­ken­nen die Me­di­zi­ner, ob der Krebs schnell wächst, nicht streut und auf wel­che The­ra­pie er an­spricht. Zum Bei­spiel: In et­wa 70 Pro­zent der Brust­krebs-Fäl­le lässt das Hor­mon Östro­gen den Tu­mor wach­sen. Dann wis­sen Ärz­te: Hier ist ei­ne An­ti-Hor­monThe­ra­pie am wir­kungs­volls­ten.

Wel­che Ei­gen­schaf­ten be­sitzt ein schnell wach­sen­der Tu­mor?

Meist sit­zen auf sei­ner Zell­ober­flä­che vie­le Ei­wei­ße. Weil der Kör­per reich­lich da­von be­reit­stellt, kön­nen die Krebs­zel­len sich schnell ver­meh­ren und leich­ter streu­en. Trotz­dem ste­hen die Hei­lungs­chan­cen auch bei die­ser zweit­häu­figs­ten Tu­mor­art sehr gut. Denn Ärz­te ver- fü­gen über ei­ne neue Me­tho­de, die sehr gut an­schlägt: Die so­ge­nann­te An­ti­kör­per­the­ra­pie. Bei die­ser Be­hand­lung schleu­sen Me­di­zi­ner An­ti­kör­per in den Kör­per der Pa­ti­en­tin ein. Die­se hef­ten sich an die Krebs­zel­len an und grei­fen die Zell­ober­flä­che des Ge­schwuls­tes an. So wird der Tu­mor di­rekt im Wachs­tum ge­bremst, au­ßer­dem kann das Im­mun­sys­tem ihn im­mer wie­der er­ken­nen und be­kämp­fen.

Lässt sich Brust­krebs auch oh­ne OP hei­len?

Nein, bis jetzt noch nicht. Aber bei der An­ti-Hor­mon-The­ra­pie ist es so, dass Tu­mo­re nicht wei­ter wach­sen und so­gar schrump­fen kön­nen. Wenn der Ein­griff dann er­folgt, muss im bes­ten Fal­le we­ni­ger Ge­we­be ent­fernt wer­den. Dar­um kann im­mer häu­fi­ger brus­t­er­hal­tend ope­riert wer­den.

Im La­bor wird an­hand meh­re­rer Test­ver­fah­ren der ge­ne­ti­sche Co­de der Krebs­zel­len ge­knackt – ih­re be­son­de­ren Ei­gen­schaf­ten wer­den of­fen­ge­legt.

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