Mich­ail Gor­bat­schow (85):

Er hat die Welt ver­än­dert, aber das Wich­tigs­te war sei­ne ge­lieb­te Frau (†)

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„Ich den­ke je­den Tag an Rais­sa“������

Sein sanft­mü­ti­ger Blick ist fast so mar­kant wie sein Feu­er­mal auf der Stirn. Mich­ail Gor­bat­schow zählt zu den be­deu­tends­ten Per­sön­lich­kei­ten der Ge­schich­te. Sein En­ga­ge­ment half, das ge­trenn­te Deutsch­land wie­der­zu­ver­ei­nen. Am 2. März wird der Po­li­ti­ker 85 Jah­re alt.

We­gen sei­ner Weit­sicht und Re­for­men wird „Gor­bi“im Wes­ten noch heu­te als gro­ßer Staats­mann an­ge­se­hen. In Russ­land hin­ge­gen ist sein

Ruf we­ni­ger po­si­tiv. „Vie­le Lands­leu­te nah­men mir übel, dass ich da­mals das En­de der So­wjet­uni­on ein­ge­läu­tet ha­be“, er­zählt er rück­bli­ckend.

Ein Schick­sal, mit dem er sich im Lau­fe der Jah­re ab­ge­fun­den hat. Doch dass be­son­ders sei­ne Frau Rais­sa († 67) un­ter den Be­schimp­fun­gen in der Hei­mat litt, hat er bis heu­te nicht ver­kraf­tet. Die jah­re­lan­ge Kri­tik an ih­rem Ehe­mann setz­te der stu­dier­ten Phi­lo­so­phin so sehr zu, dass sie 1990 an Leuk­ämie er­krank­te und neun Jah­re spä­ter starb. „Mei­ne Fa­mi­lie muss­te Schreck­li­ches aus­hal­ten. Für Rais­sa war das ein­fach zu viel. Es ver­geht kein Tag, an dem ich nicht an sie den­ke“, sagt der Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger nach­denk­lich. „Wir wa­ren 46 Jah­re lang ver­hei­ra­tet. Mei­ne Frau war im­mer bei mir, hat im­mer zu­rück­ge­steckt. Für mei­nen Er­folg und mei­ne Kar­rie­re hat sie al­les ge­ge­ben. Ich hät­te sie schüt­zen müs­sen.“

Bit­te­re Vor­wür­fe ge­gen sich selbst be­stim­men sein Le­ben. „Ich ha­be ih­ren Tod nicht ver­kraf­tet“, er­klärt Mich­ail Gor­bat­schow. „Noch im­mer ha­be ich vie­le Men­schen um mich. Den­noch füh­le ich mich oft ganz al­lei­ne.“

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