„Mein Klaus ist noch bei mir“

Das Neue - - DIESE WOCHE IN -

Es ver­geht kaum ein Tag, an dem sie nicht an ihn denkt. „Er fehlt mir im­mer noch so sehr“, sagt Sa­bi­ne Wus­sow (57) mit lei­ser Stim­me. Vor neun Jah­ren starb Klausjür­gen Wus­sow († 78). Seit­dem fand kein an­de­rer Mann ei­nen Platz in ih­rem Her­zen.

Ge­gen­über „das neue“spricht die Wit­we so of­fen wie noch nie über ih­re Ge­füh­le – aber auch über selt­sa­me Din­ge, die in ih­rem Ber­li­ner Haus pas­sie­ren. Frau Wus­sow, man hat Sie lan­ge nicht mehr ge­se­hen. Wie geht es Ih­nen? Um ehr­lich zu sein, nicht be­son­ders gut. Ich traue­re im­mer noch um mei­nen Freund und Ver­trau­ten Wolf­gang Ra­de­mann († 81). Ich war auf der Trau­er­fei­er. Sein Tod nimmt mich sehr mit. Aber es trös­tet mich, zu wis­sen, dass die See­le nie­mals stirbt. Mein Klaus ist ja auch noch bei mir. Wie mei­nen Sie das? Nun ja, sein Gr­ab be­fin­det sich auf dem Fried­hof Heer­stra­ße, aber für mich liegt er da nicht. Un­se­re Lie­be war so stark, dass ich ihn im­mer noch spü­ren kann. Kurz nach sei­nem Tod sind ei­ni­ge selt­sa­me Din­ge pas­siert. Was zum Bei­spiel? Ich ha­be im Schreib­tisch ein Ton­band­ge­rät ge­fun­den. Als ich es ab­spiel­te, kam plötz­lich sei­ne Stim­me mit der Bot­schaft: „Tja, ich lie­be Sa­bi­ne für ewig!“Ein­ein­halb Jah­re spä­ter fand ich in mei­nem Porte­mon­naie ei­ne Nach­richt, die er mir hin­ein­ge­schmug­gelt hat­te. Es ist ein klei­nes Fo­to von ihm. Da­zu hat er ge­schrie­ben: „Ich bin dein Glücks­brin­ger!“Sind sonst noch selt­sa­me Din­ge vor­ge­fal­len? Ja, ich er­in­ne­re mich, dass ich ein Buch ent­deck­te, in das er ein­mal et­was hin­ein­ge­schrie­ben hat­te. Da ha­be ich so vor mich hin­ge­sagt: „Mensch, Klaus, muss­test du im­mer al­les voll­krit­zeln?“In dem Mo­ment ras­sel­te plötz­lich mei­ne Fens­ter­ja­lou­sie her­un­ter. 2004 hei­ra­te­te

Klausjür­gen Wus­sow sei­ne vier­te

Frau Sa­bi­ne. Er war da­mals hoch ver­schul­det und er­krank­te

spä­ter an De­menz. Klingt et­was un­heim­lich. Hat­ten Sie kei­ne Angst? Nein, war­um denn? Wie ge­sagt, für mich war und ist es ein Trost, dass der Tod nicht das En­de ist. Am 19. Ju­ni ist der To­des­tag Ih­res Man­nes. Be­su­chen Sie sein Gr­ab? Ja, aber ei­nen Tag vor­her. Ich neh­me fri­sche Blu­men mit und küm­me­re mich um das Gr­ab. An sei­nem Ster­be­da­tum selbst schaf­fe ich das emo­tio­nal nicht. Da blei­be ich lie­ber zu Hau­se. Wol­len Sie ir­gend­wann ne­ben Ih­rem Mann be­er­digt wer­den? Das kann ich nicht sa­gen, weil ich ja nicht weiß, wo ich ein­mal ster­ben wer­de. Ich den­ke oft dar­über nach, ir­gend­wo an­ders hin­zu­ge­hen. Viel­leicht wer­de ich die Win­ter­mo­na­te auf den Ka­na­ren ver­brin­gen. Das Kli­ma dort ist viel an­ge­neh­mer. Aber das ist Zu­kunfts­mu­sik. Gibt es ak­tu­ell ei­nen Mann an Ih­rer Sei­te, mit dem Sie ein neu­es Le­ben be­gin­nen könn­ten? Ich fra­ge Sie ernst­haft: Was soll da denn noch kom­men? Mein ers­ter Mann Bu­bi Scholz († 70) war Eu­ro­pa­meis­ter im Bo­xen, mein zwei­ter Mann Klausjür­gen ein be­gna­de­ter Burg­schau­spie­ler. Ich hat­te das Glück, mit zwei groß­ar­ti­gen Män­nern ver­hei­ra­tet ge­we­sen zu sein. Was Bes­se­res kann mir im Le­ben wohl nicht mehr pas­sie­ren.

Ni­co­le Hein­zel­mann

Er­in­ne­run­gen: Wit­we Wus­sow zeigt Fo­tos ih­res ver­stor­be­nen Man­nes Klausjür­gen. „Ich sa­ge ihm je­den Abend gu­te Nacht!“

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