Pro­sta­ta­krebs: War­um Früh­er­ken­nung wich­tig ist

Dank neu­er Stu­di­en kann das Ri­si­ko noch ge­nau­er ein­ge­schätzt wer­den

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Vie­le Män­ner den­ken an sehr un­an­ge­neh­me Be­schwer­den, wenn sie das Wort „Pro­sta­ta“hö­ren: Pro­ble­me beim Was­ser­las­sen, Druck auf der Bla­se, nächt­li­che Gän­ge zur Toi­let­te. Das sind ty­pi­sche Sym­pto­me ei­ner gut­ar­ti­gen Ver­grö­ße­rung der Pro­sta­ta. Sie lässt sich durch ei­ne Tast­un­ter­su­chung be­stä­ti­gen und leicht mit Me­di­ka­men­ten be­han­deln. Bös­ar­ti­ge Wu­che­run­gen hin­ge­gen müs­sen die Funk­ti­on der Harn­röh­re nicht be­ein­träch­ti­gen. Da­her bleibt Krebs oft un­be­merkt. Mit tra­gi­schen Fol­gen: Mehr als 12 000 Män­ner ster­ben jähr­lich dar­an.

Ab­tas­ten las­sen

Früh ge­nug er­kannt, ist Pro­sta­ta­krebs gut heil­bar. Me­di­zi­ner ra­ten Män­nern ab dem Al­ter von 45 Jah­ren des­halb da­zu, die kas­ta­ni­en­gro­ße Drü­se un­ter­halb der Bla­se ein­mal jähr­lich von ei­nem Uro­lo­gen un­ter­su­chen zu las­sen. Beim Ab­tas­ten über den Af­ter kann der Arzt vie­le Ge­we­be­ver­än­de­run­gen er­ken­nen. Da aber Krebs­vor­stu­fen noch nicht spür­bar sind, wird oft zu­sätz­lich ein so­ge­nann­ter PSA-Test emp­foh­len. Da­bei wird die Men­ge ei­nes spe­zi­el­len Ei­wei­ßes im Blut ge­mes­sen. Ent­wi­ckelt sich in der Pro­sta­ta be­reits Krebs, ist die­ser PSA-Wert näm­lich meist stark er­höht.

Ist der Test sinn­voll?

Über den Nut­zen des Tests wur­de zu­letzt hit­zig dis­ku­tiert. Denn ers­tens be­zah­len ihn die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen – im Ge­gen­satz zur Tast­un­ter­su­chung – bis­lang nicht (ca. 30 bis 50 Euro). Zwei­tens kann er ei­nen falsch po­si­ti­ven Be­fund er­ge­ben. Das heißt, der Wert fällt sehr hoch aus, oh­ne dass Krebs be­steht. So kön­nen bei­spiels­wei­se ei­ne Ent­zün­dung der Pro­sta­ta, Sex oder Sport am Vor­tag der Un­ter­su­chung den Wert in die Hö­he trei­ben.

Si­chers­tes Ver­fah­ren

Trotz die­ser Kri­tik ist der PSA-Test bis­lang die si­chers­te Me­tho­de zur Be­stim­mung des in­di­vi­du­el­len Krebs­ri­si­kos – vor­aus­ge­setzt, der Wert wird mehr­fach ge­mes­sen: Ist er ein­ma­lig sehr hoch, sind meist äu­ße­re Fak­to­ren schuld. Bleibt er je­doch un­ver­än­dert auf ei­nem ho­hen Stand, kann dies auf ei­ne grö­ße­re Wahr­schein­lich­keit hin­deu­ten, an Pro­sta­ta­krebs zu er­kran­ken. Ei­ne Lang­zeit­stu­die be­leg­te nun zu­dem, dass bei ei­nem (dau­er­haf­ten) PSA-Wert von mehr als 1,6 Na­no­gramm pro Mil­li­li­ter das Krebs­ri­si­ko zehn­mal so groß wie ge­wöhn­lich ist.

Ge­we­be­pro­be zum Ab­klä­ren

Ein PSA-Test lohnt sich vor al­lem für Män­ner im Al­ter von 45 bis 65 Jah­ren, bei de­nen es ent­we­der Pro­sta­ta­krebs­fäl­le in der Fa­mi­lie ge­ge­ben hat oder bei de­nen Be­schwer­den be­ste­hen, die nicht al­lein durch ei­ne Ver­grö­ße­rung der Vor­ste­her­drü­se zu er­klä­ren sind. Wird bei den Be­trof­fe­nen min­des­tens zwei­mal in Fol­ge ein sehr ho­her Wert ge­mes­sen, emp­feh­len Ex­per­ten, mit­tels ei­ner so­ge­nann­ten Bi­op­sie Ge­we­be­pro­ben ent­neh­men zu las­sen. Auch Auf­fäl­lig­kei­ten beim Ab­tas­ten wer­den auf die­se Wei­se ab­ge­klärt. Die Ge­we­be­ent­nah­me mit hauch­fei­nen Na­deln wird in Ver­dachts­fäl­len von den Kran­ken­kas­sen be­zahlt.

Be­ob­ach­tung oder Be­strah­lung

Fin­den sich im ent­nom­me­nen Ge­we­be tat­säch­lich Krebs­zel­len, ste­hen meh­re­re Ver­fah­ren zur Aus­wahl: Krebs­vor­stu­fen wer­den meist nur durch re­gel­mä­ßi­ge Nach­un­ter­su­chun­gen in ih­rer Ent­wick­lung be­ob­ach­tet. Man­che Wu­che­run­gen wach­sen sehr lang­sam und be­rei­ten kei­ne Pro­ble­me. Bes­ten­falls bil­den sie sich so­gar wie­der zu­rück. Grö­ße­re Ve­rän­de­run­gen da­ge­gen kön­nen be­strahlt oder mit ei­ner Hor­mon­the­ra­pie be­han­delt wer­den.

Mo­der­ne OP- Me­tho­de

Wenn der Pa­ti­ent si­cher­ge­hen will oder sich der Krebs be­reits im fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um be­fin­det, kann das bös­ar­ti­ge Ge­we­be un­ter Voll­nar­ko­se ent­fernt wer­den. Bei sol­chen Ein­grif­fen wur­den frü­her ge­le­gent­lich Ner­ven ver­letzt. Das konn­te zu Im­po­tenz füh­ren. Seit je­doch en­do­sko­pisch, al­so mit­hil­fe win­zi­ger Ka­me­ras, ope­riert wird, ist das Ri­si­ko stark ge­sun­ken. Die Kas­sen über­neh­men in vie­len Fäl­len die Kos­ten.

Die Vor­ste­her­drü­se (oran­ge) ist auch an der Bil­dung der Sa­men­flüs­sig­keit be­tei­ligt.

Ve­rän­de­run­gen der Pro­sta­ta lö­sen oft kei­ne Be­schwer­den aus. Da­her sind sie nur durch ei­ne Un­ter­su­chung zu er­ken­nen.

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