Rat­ge­ber: Ver­si­che­rungs­my­then auf dem Prüf­stand

Das Neue - - DIESE WOCHE IN - J. Sti­e­ler

Für fast je­den Le­bens­be­reich

gibt es Po­li­cen – und bei­na­he so vie­le Irr­tü­mer über de­ren In­hal­te. Wir de­cken die wich­tigs­ten auf

Die Haft­pflicht springt bei je­dem Scha­den ein

Nein. Nur falls Sie nicht vor­sätz­lich ge­han­delt ha­ben, zahlt die Ver­si­che­rung. Al­ler­dings gibt es auch hier Aus­nah­men. Den Be­reich In­ter­net klam­mern die meis­ten Ver­si­che­rer noch aus. Das heißt: Rich­tet ein Vi­rus, den Sie aus Ver­se­hen wei­ter­ver­teilt ha­ben, ei­nen Scha­den an, kön­nen Sie da­für haft­bar ge­macht wer­den.

Ein wei­te­rer Ha­ken be­trifft Haus­hal­te mit Kin­dern. Ma­chen die­se et­was ka­putt, zahlt die Ver­si­che­rung oft auch nicht. El­tern ha­ben zwar ei­ne Auf­sichts­pflicht, die ist aber bei Kin­dern ab vier Jah­ren schon mit Kon­ troll­bli­cken al­le 15 bis 30 Mi­nu­ten, bei Kin­dern ab sie­ben bei ei­nem gro­ben Über­blick über ihr Trei­ben er­füllt. Dann blei­ben Ge­schä­dig­te auf den Kos­ten sit­zen, es sei denn die El­tern ha­ben ei­nen Ta­rif ge­wählt, der die­se Lü­cke schließt.

Die Pfle­ge­ver­si­che­rung deckt die Pfle­ge­kos­ten

Falsch. Trotz Pfle­ge­stu­fe kön­nen mo­nat­lich Sum­men im vier­stel­li­gen Be­reich fäl­lig wer­den, le­dig­lich die Hälf­te der Kos­ten wird über­nom­men. Des­halb ist es emp­feh­lens­wert, zu­sätz­lich ei­ne Pfle­ge­ta­ge­geld-, Pfle­ge­kos­ten- oder Pfle­ger­en­ten­ver­si­che­rung ab­zu­schlie­ßen, um die Lü­cken zu fül­len. Je frü­her dies ge­schieht, des­to nied­ri­ger fal­len die Bei­trä­ge aus.

Die Haus­rat­ver­si­che­rung zahlt bei Dieb­stahl

Nur der Ein­bruch­dieb­stahl (und oft auch Raub) sind ver­si­chert. Hat­te der Dieb ei­nen Schlüs­sel zur Woh­nung oder sind Sie Op­fer ei­nes Trick­dieb­stahls ge­wor­den, er­setzt die Ver­si­che­rung den Scha­den nicht. Wer zu lan­ge ver­reist (meist ab zwei Mo­na­te), oh­ne das der Ver­si­che­rung mit­zu­tei­len, muss auch da­mit rech­nen, dass die­se im Scha­dens­fall nicht ein­springt. Ach­ten Sie au­ßer­dem dar­auf, dass die Ver­si­che­rungs­sum­me zu Ih­rem Be­sitz passt. Ist sie zu nied­rig an­ge­setzt, wer­den Schä­den nur an­tei­lig er­setzt. Für be­stimm­te Din­ge (et­wa Ge­mäl­de) wer­den oh­ne­hin nur et­wa 20 Pro­zent des Werts er­stat­tet – falls Sie nichts an­de­res ver­ein­ba­ren.

Wenn ich stol­pe­re, zahlt die Un­fall­ver­si­che­rung

Wer beim Spa­zie­ren­ge­hen über die ei­ge­nen Fü­ße fällt und sich da­bei hef­tig ver­letzt, be­kommt kein Geld von der Un­fall­ver­si­che­rung. Was in ih­ren Au­gen ein Un­fall ist, de­fi­nie­ren die Ver­si­che­rer näm­lich ganz ge­nau: ein plötz­li­ches, un­frei­wil­li­ges, von au­ßen auf den Kör­per ein­wir­ken­des, ge­sund­heits­schä­di­gen­des Er­eig­nis. Beim un­ge­schick­ten Stol­pern fehlt al­so die

Ein­wir­kung von au­ßen. Rutscht man da­ge­gen auf ei­ner lie­gen ge­las­se­nen Ba­na­nen­scha­le aus, zahlt die Ver­si­che­rung – zu­min­dest falls der Arzt ei­ne Be­ein­träch­ti­gung durch die zu­ge­zo­ge­ne Ver­let­zung at­tes­tiert.

Kfz- Po­li­ce: Es darf kein an­de­rer am Steu­er sit­zen

Be­son­ders Fa­mi­li­en ver­stri­cken sich nach ei­nem Ver­kehrs­un­fall mit­un­ter in Lü­gen dar­über, wer am Steu­er saß. Der Grund: Beim Ab­schluss der Ver­si­che­rung wur­de ei­ne Klau­sel ver­ein­bart, die an­de­re als Fah­rer aus­schließt, weil die Po­li­ce so preis­wer­ter ist. Und nun saß doch der Sohn am Steu­er. Kei­ne Sor­ge: Die Ver­si­che­rung zahlt den­noch! Sie müs­sen da­für die Bei­trä­ge rück­wir­kend ent­rich­ten, die Sie durch die Klau­sel ge­spart ha­ben – aber nur für ein Jahr. Und das ist in je­dem Fall bes­ser, als bei ei­nem Ver­si­che­rungs­be­trug er­tappt zu wer­den.

Prü­fen Sie ein­mal im Jahr Ih­re Ver­trä­ge: Pas­sen sie noch zur Le­bens­si­tua­ti­on?

Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter ver­spre­chen ih­ren Kun­den viel – man­ches ver­schwei­gen sie.

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