– All­er­gi­en im Al­ter

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Ei­ne All­er­gie? Das kann doch ei­gent­lich nicht sein, so was hat­te ich mein Le­ben lang nicht – so re­agie­ren die meis­ten, wenn sie plötz­lich im Al­ter von Nie­s­an­fäl­len, Au­gen­ju­cken und ver­stopf­ter Na­se ge­plagt wer­den. Doch Fach­ärz­te be­ob­ach­ten seit ei­ni­gen Jah­ren ei­nen deut­li­chen An­stieg von Pa­ti­en­ten, die noch mit 60 oder so­gar über 70 Jah­ren zum ers­ten Mal Heu­schnup­fen oder an­de­re All­er­gi­en ent­wi­ckeln.

Pol­len­in­ten­si­tät nimmt zu

Über die Grün­de ist sich die Fach­welt noch un­ei­nig. Ein häu­fig ge­nann­ter Er­klä­rungs­an­satz: Es liegt an der im­mer hö­he­ren Um­welt­be­las­tung oder der durch den Kli­ma­wan­del ver­län­ger­ten Pol­len­flug­zeit. Bei­des bringt ei­ne er­höh­te Kon­zen­tra­ti­on von Rei­zen mit sich. Und das kann dann bei man­chen das „Tüp­fel­chen auf dem i“sein – um ei­ne vi­el­leicht schon vie­le Jah­re im Kör­per schlum­mern­de All­er­gie zum Aus­bruch zu brin­gen.

Prä­pa­ra­te für je­des Al­ter

Be­han­delt wird grund­sätz­lich ge­nau­so wie bei jün­ge­ren Pa­ti­en­ten. Äu­ßer­lich an­wend­ba­re Arz- nei­mit­tel wie zum Bei­spiel kor­ti­son­hal­ti­ge Na­sen­sprays kön­nen in je­dem Al­ter ein­ge­setzt wer­den, um Sym­pto­me zu lin­dern. An­ders sieht die Sa­che bei Ta­blet­ten aus, den so­ge­nann­ten An­ti­hist­ami­ni­ka. Sie sol­len die all­er­gi­sche Re­ak­ti­on des Kör­pers stop­pen. Zwar sind die mo­der­nen Prä­pa­ra­te weit­aus bes­ser ver­träg­lich als frü­he­re, die u. a. star­ke Mü­dig­keit her­vor­rie­fen. Vor­sicht ist al­ler­dings ge­bo­ten, wenn ein Pa­ti­ent schon an­de­re Me­di­ka­men­te ein­nimmt. Dann be­steht die Ge­fahr un­er­wünsch­ter Wech­sel­wir­kun­gen (z. B. mit Mit­teln ge­gen Blut­hoch­druck) – da­her soll­te im­mer ein Fach­arzt zu Ra­te ge­zo­gen wer­den.

Auf je­den Fall be­han­deln

Lei­der lässt sich aber nur je­der zehn­te All­er­gi­ker über­haupt be­han­deln – was ins­be­son­de­re im hö­he­ren Al­ter ein gro­ßer Feh­ler ist. Denn aus ei­nem al­ler­gi­schen Schnup­fen kann sich schlimms­ten­falls so­gar Asth­ma ent­wi­ckeln. Und für die im Al­ter oh­ne­hin meist tro­cke­ne­ren Schleim­häu­te stellt die All­er­gie

ei­ne zu­sätz­li­che Rei­zung dar und macht so an­fäl­li­ger für In­fek­te.

Ef­fek­ti­ve Sprit­zen­the­ra­pie

Da­her ist es bei star­ken Be­schwer­den sinn­voll, nicht nur die Sym­pto­me zu lin­dern, son­dern das Übel bei der Wur­zel zu pa­cken. Ei­ne gu­te Mög­lich­keit ist die so­ge­nann­te Hy­po­sen­si­bi­li­sie­rung, ei­ne All­er­gie-Imp­fung. Da­bei wer­den dem Pa­ti­en­ten win­zi­ge Men­gen des All­er­gie­Aus­lö­sers un­ter die Haut ge­spritzt. So kann sich das Im­mun­sys­tem lang­sam dar­an ge­wöh­nen und ler­nen, an­ge­mes­sen zu re­agie­ren. Ein weit­ver­brei­te­ter Irr­tum ist da­bei, dass die­se The­ra­pie bei äl­te­ren Men­schen nicht mehr sinn­voll ist. Auch nach dem 60. Le­bens­jahr kön­nen Sie noch oh­ne Pro­ble­me da­mit be­gin­nen. Das Gu­te: War dies frü­her ei­ne lang­wie­ri­ge Pro­ze­dur über drei bis fünf Jah­re, gibt es heute wirk­sa­me Kurz-The­ra­pi­en.

Im­mun durch Ta­blet­ten

Ent­war­nung für al­le Ängst­li­chen: Es geht auch oh­ne Sprit­zen – zu­min­dest bei Grä­ser­pol- len-All­er­gie (et­wa zwei Drit­tel al­ler Heu­schnup­fen-Ge­plag­ten). Die so­ge­nann­ten Gras­ta­blet­ten funk­tio­nie­ren nach dem glei­chen Prin­zip wie die In­jek­ti­ons­the­ra­pie und ha­ben ei­ne ähn­lich ho­he Er­folgs­quo­te. Die The­ra­pie kann noch kurz vor der Pol­len­sai­son be­gon­nen wer­den.

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