–Gu­te­s­tun­hält­ge­sund

Wie so­zia­le Tä­tig­keit Im­mun­sys­tem, Herz und Rü­cken stärkt, er­klärt der Me­di­zi­ner und Au­tor Dr. Wer­ner Bar­tens

Das Neue - - DIESE WOCHE IN -

Es­sens­aus­ga­be bei ei­ner Ta­fel in Deutsch­land, die Or­ga­ni­sa­ti­on von Se­nio­ren­aus­flü­gen oder Nachhilfe der Nach­bars­kin­dern: 23 Mil­lio­nen Deut­sche en­ga­gie­ren sich eh­ren­amt­lich. Was vie­le nicht wis­sen: Mit der Tä­tig­keit tut man nicht nur den Mit­men­schen et­was Gu­tes, son­dern auch die Hel­fer selbst pro­fi­tie­ren da­von.

Po­si­ti­ve Ef­fek­te sind ob­jek­tiv mess­bar

Es ist das Mit­ge­fühl, das uns glück­lich macht, und ge­sund. Da­durch ent­ste­hen Nä­he und Bin­dung – wich­ti­ge Fak­to­ren in der Evo­lu­ti­on des Men­schen. „Heu­te sind die di­rek­ten Ef­fek­te von Em­pa­thie so­gar im Blut mess­bar“, er­klärt Dr. Wer­ner Bar­tens, Me­di­zi­ner und Best­sel­ler­au­tor.

Mit­ge­fühl stärkt das Im­mun­sys­tem

Ein Mensch, der mit an­de­ren mit­fühlt, hat ei­ne stär­ke­re Ab­wehr. Der Grund: Wie Wis­sen­schaft­ler be­ob­ach­tet ha­ben, ist die Kon­zen­tra­ti­on je­ner Bo­ten­stof­fe im Kör­per hö­her, die das Im­mun­sys­tem re­gu­lie­ren. „Meh­re­re Stu­di­en zei­gen, dass ein­fühl­sa­me Men­schen sel­te­ner an ba­na­len und auch schwe­ren In­fek­ten lei­den“, sagt Dr. Bar­tens. Über­ra­schend: Ei­ne Er­käl­tung dau­ert durch­schnitt­lich ei­nen Tag kür­zer, wenn der be­han­deln­de Arzt em­pa­thisch ist. „Des­halb ist es bei der Arzt­wahl be­son­ders wich­tig, dass er mei­ne Be­dürf­nis­se ver­steht und auch er­kennt.“

Die Schmer­zen wer­den ab­ge­mil­dert

Rü­cken-, Kopf- oder Knie­Schmer­zen: Mehr als zwölf Mil­lio­nen Deut­sche sind von über Ta­ge oder Wo­chen an­hal­ten­den Be­schwer­den ge­plagt. Auch hier macht es ei­nen Un­ter­schied, ob et­was Gu­tes für un­se­re Um­welt tun. Denn da­durch wird die Schmerz­wahr­neh­mung ge­senkt. „Be­geg­nen wir Men­schen mit­füh­lend, wird un­ser kör­per­ei­ge­nes Schmerz­mit­tel ak­ti­viert. Die­se En­dor­phi­ne – kör­per­ei­ge­ne Opia­te – ver­än­dern un­se­re Schmerz­schwel­le“, sagt der Ex­per­te. Für Rü­cken­pa­ti­en­ten gibt es die ein­drucks­volls­ten Be­ob­ach­tun­gen: Es sind meist nicht Ve­rän­de­run­gen, die auf dem Rönt­gen­bild er­kenn­bar sind, son­dern Stress und we­nig so­zia­le Wär­me, die zu Rü­cken­pro­ble­men füh­ren. Über­ra­schend: Un­zu­frie­de­ne, ge­stress­te Men­schen kla­gen über bis zu sie­ben­fach stär­ke­re Schmer­zen als aus­ge­gli­che­ne und so­zi­al ein­ge­bet­te­te.

Ein per­fek­tes An­tiS­t­ress-Me­di­ka­ment

Ei­ne Stu­die der Ore­gon-Sta­teU­ni­ver­si­tät in den USA zeigt, dass be­son­ders Mit­füh­len­de bes­ser mit Stress um­ge­hen kön­nen. Um­ge­kehrt ge­lingt es ge­stress­ten Men­schen nur sel­ten, auf die Be­dürf­nis­se ih­res Ge­gen­übers ein­zu­ge­hen.

Eh­ren­amt bringt mehr Le­bens­jah­re

Wis­sen­schaft­ler er­brach­ten auch den Be­weis, dass em­pa­thi­sche Men­schen län­ger le­ben. Der Grund: „Das Herz pro­fi­tiert von Nä­he und Ein­füh­lung. Herz­kranz­ge­fä­ße ver­stop­fen nicht so schnell.“Stu­di­en zei­gen, dass bei so­zi­al En­ga­gier­ten zahl­rei­che schwe­re Er­kran­kun­gen deut­lich sel­te­ner auf­tre­ten. Da­zu zäh­len Herz­in­fark­te, Schlag­an­fäl­le und Herz­rhyth­mus­stö­run­gen.

Der rich­ti­ge Um­gang mit Mit­men­schen

Doch für die­se po­si­ti­ven Ef­fek­te muss es nicht im­mer so­zia­les En­ga­ge­ment sein. Es macht auch ei­nen Un­ter­schied, wie man vom Part­ner oder den Kin­dern zu Hau­se emp­fan­gen wird. „Ei­ne auf­merk­sa­me Be­grü­ßung mit ei­ner Umar­mung ver­lang­samt bei­spiels­wei­se den Herz­schlag nach­weis­lich“, sagt Dr. Wer­ner Bar­tens. Das ist auch die bes­te Vor­be­rei­tung für stres­si­ge Si­tua­tio­nen. Denn wenn wir mit­ein­an­der strei­ten oder uns auf­re­gen, er­höht sich der Cor­ti­sol- und Ad­re­na­lin­spie­gel im Kör­per schnell. Der Blut­druck wird hö­her, eben­so die Atem­fre­quenz. Wer an­sons­ten ei­nen lie­be­vol­len Um­gang pflegt, er­holt sich leich­ter da­von – die Kon­zen­tra­ti­on der Stress­hor­mo­ne im Blut sinkt in deut­lich kür­ze­rer Zeit. „Bei Men­schen, die eher är­ger­lich, gars­tig oder so­gar feind­lich mit­ein­an­der um­ge­hen, sind die Stress­hor­mo­ne so­gar noch ei­nen Tag nach ei­nem Streit im Blut mess­bar“, er­klärt Dr. Bar­tens.

Vom ge­mein­sa­men Spiel im Al­ten­heim pro­fi­tie­ren bei­de Be­tei­lig­ten.

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