Wenn­derArzt­nichts­fin­det

Manch­mal müs­sen Pa­ti­en­ten Jah­re war­ten, bis die rich­ti­ge Dia­gno­se steht. Woran das liegt und was dann hel­fen kann

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An­fangs schmer­zen Ma­ria Vo­ght (67) die Mus­keln, wie bei ei­nem hef­ti­gen Mus­kel­ka­ter. Kurz dar­auf schwel­len die Ge­len­ke an, sie fühlt sich über Wo­chen schwin­de­lig und hat Au­gen­flim­mern. Die Ärz­te be­han­deln zu­nächst ei­ne an­ge­nom­me­ne Rheu­ma-Er­kran­kung. Doch die Be­schwer­den blei­ben. Drei Jah­re lang irrt sie von Arzt zu Arzt, oh­ne Hil­fe zu be­kom­men. Erst ein Blut­test ver­rät, wo­her die Be­schwer­den stam­men: Bor­re­lio­se. Die Krank­heit wird in der Re­gel durch ei­nen Ze­cken­biss über­tra­gen. Nach ei­ner zwei­wö­chi­gen An­ti­bio­ti­kaKur klin­gen die Sym­pto­me meist wie­der ab. Doch weil die Dia­gno­se erst spät ge­stellt wur­de lei­det sie bis heu­te un­ter schmer­zen­den Ge­len­ken.

Als Hy­po­chon­der ab­ge­stem­pelt?

Pa­ti­en­ten wie Ma­ria Vo­ght ha­ben oft ei­ne Odys­see durch Arzt­pra­xen hin­ter sich. Sie neh­men Ta­blet­ten und be­kom­men Sprit­zen – die nicht un­be­dingt hel­fen, aber we­gen ih­rer Ne­ben­wir­kun­gen zu­sätz­lich be­las­ten. Hin­zu kommt das Ge­fühl, nicht ernst ge­nom­men oder für ei­nen Hy­po­chon­der ge­hal­ten zu wer­den. Noch schwe­rer wiegt die Un­si­cher­heit, nicht zu wis­sen, woran man lei­det – und wie schlimm die Krank­heit wirk­lich ist.

Ärz­ten fehlt oft die Zeit

War­um fin­den Ärz­te so oft nicht, woran ih­re Pa­ti­en­ten wirk­lich lei­den? Ei­ner­seits zie­hen Me­di­zi­ner bei der Dia­gno­se in der Re­gel be­son­ders ge­läu­fi­ge Krank­hei­ten in Be­tracht. Auf der an­de­ren Sei­te fehlt ih­nen oft die Zeit, in­ten­siv mit den Pa­ti­en­ten zu re­den und sie zu un­ter­su­chen. Da­durch le­gen sie sich mit­un­ter vor­schnell auf ei­ne Dia­gno­se fest.

Kann Stress wirk­lich krank ma­chen?

Wenn kei­ne kör­per­li­che Ur­sa­che ge­fun­den wird, lau­tet die Dia­gno­se oft „so­ma­to­for­me Stö­rung“. Das ist bei et­wa je­dem fünf­ten Pa­ti­ent der Fall, der ei­nen Haus­arzt auf­sucht. Stän­di- ger Stress – ob bei der Ar­beit oder pri­vat – über­for­dert un­se­ren Kör­per. Der re­agiert mit Be­schwer­den wie Herz­ra­sen, Atem­not oder Bauch­schmer­zen. Wich­tig: Die Be­schwer­den sind nicht ein­ge­bil­det, son­dern sind tat­säch­lich vor­han­den!

Doch Kri­ti­ker be­män­geln: Die Dia­gno­se wird zu schnell und oft zu un­recht ge­stellt. Da­her gilt: Hel­fen stress­lö­sen­de Me­di­ka­men­te und psy­cho­lo­gi­sche The­ra­pie­ver­fah­ren nicht, ha­ben die Be­schwer­den wahr­schein­lich ei­ne an­de­re Ur­sa­che.

Rät­sel­haf­te Krank­hei­ten

Manch­mal sind Sym­pto­me so un­ty­pisch, dass Me­di­zi­ner sie nicht rich­tig zu­ord­nen kön­nen. Zu­dem gibt es Krank­hei­ten, die selbst er­fah­re­ne Ärz­te nicht ken­nen. Et­wa 4 Mil­lio­nen Deut­sche le­ben mit ei­ner der rund 8000 so­ge­nann­ten sel­te­nen Er­kran­kun­gen. Solch ein Lei­den ist so au­ßer­ge­wöhn­lich, dass es in der Pra­xis ei­nes Haus­arz­tes in der Re­gel höchs­tens ein­mal pro Jahr vor­kom­men.

Was bei der rich­ti­gen Dia­gno­se hilft

Ex­per­ten ra­ten, sich ei­nen All­ge­mein­me­di­zi­ner zu su­chen, der sich vor al­lem Zeit für sei­ne Pa­ti­en­ten nimmt. In 90 Pro­zent der Fäl­le wird die rich­ti­ge Dia­gno­se ge­stellt, wenn der Arzt den Kran­ken ein­ge­hend kör­per­lich un­ter­sucht und au­ßer­dem sei­ne Kran­ken­ge­schich­te kennt. Wei­te­re Hil­fe fin­den Be­trof­fe­ne in Kli­ni­ken, die sich auf die Dia­gno­se schwie­ri­ger Fäl­le spe­zia­li­siert ha­ben.

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