„So ha­be ich die Le­bens­freu­de wie­der­ge­fun­den“

Manch­mal zwingt uns der Kör­per da­zu, uns mit sei­nen Be­dürf­nis­sen aus­ein­an­der­zu­set­zen – zum Bei­spiel bei ei­ner Ver­stop­fung. Wie die­ses Pro­blem den All­tag be­ein­flusst, er­zählt uns Pau­la W.

Das Neue - - MEDIZIN -

Nie­mals hät­te ich ge­dacht, dass ich ei­nes Ta­ges of­fen von ei­nem Pro­blem er­zäh­len wür­de, das mich seit Jahr­zehn­ten be­las­tet hat – und zwar im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Doch in­zwi­schen weiß ich, dass rund je­der fünf­te Deut­sche un­ter Ver­stop­fung lei­det. Und im­mer mehr Men­schen be­ken­nen sich zu ih­rem trä­gen Darm. Ist ja auch im Grunde nicht pein­lich. Aber wer da­von be­trof­fen ist, weiß, wie sehr es die Le­bens­qua­li­tät ein­schränkt, wenn man nicht kann. Die­ses „Nicht-Kön­nen“hat mich zeit­wei­se iso­liert und so­mit fast in die De­pres­si­on ge­trie­ben, denn vie­le Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen ma­chen mit ei­ner Ver­stop­fung ein­fach kei­nen Spaß.

Ur­sa­chen­for­schung

Mei­ne Ver­dau­ung war nie be­son­ders mun­ter, aber wäh­rend der Prü­fun­gen im Stu­di­um schien sie zu schla­fen. „Kind, stell dich nicht so an, dein Darm muss ja auch was zu tun ha­ben“, sag­te mei­ne Mut­ter beim sonn­täg­li­chen Fa­mi­li­en­es­sen. Aber mein Darm woll­te nichts zu tun ha­ben. Er war lust­los bis faul. Das heißt, ich konn­te manch­mal nur al­le drei Ta­ge ei­nen Er­folg auf dem stil­len Ört­chen ver­mel­den. Mei­ne Lau­ne und mein kör­per­li­ches Wohl­be­fin­den wur­den zu­neh­mend schlech­ter. Wer eben­falls un­ter ei­nem trä­gen Stuhl­gang lei­det, weiß, wie un­an­ge­nehm sich das an­fühlt. Ich hat­te buch­stäb­lich ei­ne Last zu tra­gen, ging nicht mehr zum Sport und auch nicht mehr mit Freun­den zum Es­sen. In Zeit­schrif­ten war ich stän­dig auf der Su­che nach ver­dau­ungs­an­re­gen­den Tipps. Au­ßer­dem stell­te ich mir im­mer wie­der die Fra­ge, wel­che Ur­sa­chen die Ver­stop­fung ha­ben könn­te. Mei­ne Le­bens­freu­de nahm ste­tig ab. Es muss­te et­was pas­sie­ren. Schließ­lich kon­sul­tier­te ich mei­nen Haus­arzt. Er riet mir, reich­lich Bal­last­stof­fe auf den Spei­se­plan zu set­zen.

Kein Ein­zel­schick­sal

Auf die Fra­ge, wie viel Bal­last­stof­fe, ant­wor­te­te er: „Die Deut­sche Ge- sell­schaft für Er­näh­rung emp­fiehlt, täg­lich min­des­tens 30 Gramm Bal­last­stof­fe zu sich zu nehmen und par­al­lel auf ei­ne aus­rei­chen­de Flüs­sig­keits­zu­fuhr zu ach­ten.“Die­se Men­ge ent­spricht et­wa 30 Ess­löf­feln Früch­te­müs­li. Aber so war das na­tür­lich nicht ge­meint. Bal­last­stof­fe ste­cken in Müs­li, Voll­korn­brot und -pro­duk­ten, Hül­sen­früch­ten und an­de­ren Ge­mü­se­sor­ten. Al­so ha­be ich mei­ne Er­näh­rung nach und nach um­ge­stellt. An­fangs hat­te ich un­ter hef­ti­gen Blä­hun­gen zu leiden, mit de­nen ich lie­ber al­lein zu Hau­se blieb, aber das hat sich mit der Zeit ge­legt. In den Wo­chen der Er­näh­rungs­um­stel­lung frag­te mich ei­ne gu­te Freun­din, ob ir­gend­was mit mir nicht okay wäre. Und dann tat ich et­was, was ich schon lan­ge hät­te tun sol­len: Ich er­zähl­te ihr von mei­nen Ver­dau­ungs­pro­ble­men. „Ich ken­ne das nur zu gut“, sag­te sie. „Dar­un­ter lei­de ich schon seit Jah­ren.“Da war das Eis ge­bro­chen. Heu­te spre­chen wir im Freun­des­kreis of­fen und ehr­lich über un­se­re Ver­dau­ungs­pro­ble­me – oh­ne dass es pein­lich ist. Das al­lein ist schon ei­ne gro­ße Er­leich­te­rung. In­zwi­schen ha­be ich, auch durch die Ge­sprä­che mit an­de­ren Frau­en, her­aus­ge­fun­den, dass mein Darm auf überm..igen Stress mit Ver­stop­fung re­agiert. Un­ser Ver­dau­ungs­sys­tem ist mit ei­nem Netz aus fein ver­zweig­ten Ner­ven­zel­len durch­zo­gen – dem so­ge­nann­ten Bauch­hirn –, mit ei­ner engen Ver­bin­dung zum Ge­hirn. Ge­fühls­la­gen kön­nen sich des­we­gen di­rekt auf den Ma­genDarm-Trakt aus­wir­ken. Man­che Men­schen re­agie­ren dann wie ich mit Ver­stop­fung. Aus die­sem Grund ha­be ich au­to­ge­nes Trai­ning an der Volks­hoch­schu­le ge­lernt. Die Übun­gen prak­ti­zie­re ich je­den Tag. So kann ich Stress schon im Vor­we­ge deut­lich bes­ser aus­brem­sen. Au­ßer­dem ach­te ich mehr auf die po­si­ti­ven Din­ge, die um mich her­um ge­sche­hen, und ver­su­che, re­gel­mä­ßig klei­ne Pau­sen in mei­nen All­tag ein­zu­bau­en. Mit die­ser Ein­stel­lung konn­te ich mei­ne Le­bens­freu­de zu­rück­ge­win­nen.

End­lich wie­der mit Schwung den All­tag ge­nie­ßen – un­be­schwert und fröh­lich

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