„Ei­ne Ver­stop­fung soll­te man zeit­ge­mäß be­han­deln“

Das Neue - - MEDIZIN - Prof. Dr. Ste­fan Mül­ler-Liss­ner Chef­arzt der Ab­tei­lung für In­ne­re Me­di­zin, Park-Kli­nik Wei­ßen­see

Still­stand im Darm ist kör­per­lich und psy­chisch be­las­tend. Wird das un­ter­schätzt?

In der Tat sind Men­schen, die kei­ne Pro­ble­me da­mit ha­ben, ge­neigt, die Be­schwer­den zu un­ter­schät­zen, die durch Darm­träg­heit ent­ste­hen kön­nen. Da­bei steht für die Be­trof­fe­nen die Sel­ten­heit des Stuhl­gangs nicht im Vor­der­grund, son­dern das Völ­le­ge­fühl und die Schwie­rig­keit der Stuh­lent­lee­rung.

Wel­che My­then zum Thema Ver­stop­fung fin­den Sie am schlimms­ten?

Das sind vor al­lem zwei: Dass viel trin­ken die Ver­stop­fung bes­sert, und dass Ab­führ­mit­tel schäd­lich sei­en. Nie­mand soll durs­ten, aber ei­ne Stei­ge­rung der Trink­men­ge über die üb­li­chen 1,5 bis 2 Li­ter hin­aus wird die Ver­stop­fung nicht be­he­ben. Auch soll nie­mand Ab­führ­mit­tel nehmen, der sie nicht braucht. Aber die bei uns er­hält­li­chen Mit­tel sind auch bei lang­fris­ti­ger Ein­nah­me si­cher, so­weit sie in der rich­ti­gen Do­sis ge­nom­men wer­den, das heißt, so dass ein wei­cher, aber ge­form­ter Stuhl ent­steht.

Vie­le Men­schen zö­gern lan­ge, be­vor sie Ab­führ­mit­tel ein­neh­men. Sind die­se bes­ser als ihr Ruf?

Ein­deu­tig ja. Die bei uns er­hält­li­chen Mit­tel sind si­cher. Ihr schlech­ter Ruf wur­de mög­li­cher­wei­se durch die we­ni­gen Pa­ti­en­ten be­grün­det, die Ab­führ­mit­tel miss­brau­chen, in­dem sie die­se et­wa in der Hoffnung ein­set­zen, auf die­sem We­ge ihr Kör­per­ge­wicht zu re­du­zie­ren – was mit­nich­ten funk­tio­niert.

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