– Wie viel Ver­gess­lich­keit ist nor­mal?

Es muss nicht gleich De­menz sein: Un­ser Ex­per­te er­klärt, wann man zum Arzt ge­hen soll­te

Das Neue - - DIESE WOCHE IN DAS NEUE -

Der Arzt Dr. Hans-Ge­org Bre­dow ist in den Fach­ge­bie­ten Neu­ro­lo­gie und Psych­ia­trie tä­tig. Er klärt dar­über auf, wann Ver­gess­lich­keit an­fängt, kri­tisch zu wer­den.

Feh­len­des Trai­ning

Ent­schei­dend da­für, ob ei­ne De­menz vor­liegt, ist, ob ei­ne auf­fäl­li­ge Ve­rän­de­rung statt­ge­fun­den hat. Wenn ich mir schon im­mer Na­men schlecht mer­ken konn­te und dies tritt nun ver­stärkt auf, ist das nicht be­sorg­nis­er­re­gend. Es ist auch nor­mal, wenn z. B. ei­ne Se­kre­tä­rin, die ihr gan­zes Be­rufs­le­ben ein gu­tes Na­mens­ge­dächt­nis hat­te, zwei Jah­re nach der Pen­sio­nie­rung ei­ne Ver­schlech­te­rung fest­stellt – meist liegt es am man­geln­den Trai­nings­ef­fekt.

Ver­gess­lich durch Stress

Ein Fak­tor, der zu Ver­gess­lich­keit füh­ren kann, ist Stress. Hand­lun­gen, et­wa den Schlüs­sel ab­zu­le­gen, ge­sche­hen dann un­be­wusst – und spä­ter wird der Schlüs­sel des­halb nicht wie­der­ge­fun­den. Stress schränkt die Kon­zen­tra­ti­on ein, wir spei­chern man­ches schlech­ter ab. Sol­che Zu­sam­men­hän­ge ma­chen sich je­doch vie­le Pa­ti­en­ten nicht be­wusst. So er­le­be ich häu­fig ei­ne vor­weg­ge­nom­me­ne Angst vor ei­ner De­menz, ob­wohl tat­säch­lich al­lein die Le­bens­um­stän­de an der ver­min­der­ten Ge­dächt­nis­leis­tung schuld sind.

Plötz­li­che Be­schwer­den

Tre­ten auf­fäl­li­ge, nicht er­klär­ba­re Ve­rän­de­run­gen auf, soll­te ich je­doch zum Arzt ge­hen. Ein Bei­spiel: Ich ver­le­ge Din­ge im­mer häu­fi­ger, ob­wohl ich da­mit bis­her nie Pro­ble­me ge­habt ha­be. Oder ich be­grei­fe plötz­lich ein­fa­che Sach­ver­hal­te nicht mehr, ob­wohl ich im­mer ei­ne schnel­le Auf­fas­sungs­ga­be be­ses­sen ha­be. Dann sind spe­zi­el­le me­di­zi­ni­sche Tests not­wen­dig. Die Un­ter­su­chung der Hals­schlag­ader lässt z. B. er­ken­nen, ob die Ar­te­rie ver­kalkt ist und des­halb die Durch­blu­tung im Ge­hirn be­ein­träch­tigt sein könn­te. Auch muss ab­ge­klärt wer­den, ob vi­el­leicht ei­ne psy­chi­sche Er­kran­kung, wie et­wa ei­ne De­pres­si­on, die Ge­dächt­nis­stö­rung ver­ur­sacht. Ein Tipp: Auch durch die Er­näh­rung kann ich mei­ne Ge­dächt­nis­leis­tung be­ein­flus­sen. Ei­ne lang­fris­tig me­di­ter­ra­ne Er­näh­rungs­wei­se – al­so viel Oli­ven­öl, fri­sches Ge­mü­se, Fisch und an­de­re Mee­res­früch­te – wirkt sich po­si­tiv auf un­ser Ge­hirn aus.

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