Me­di­zin: Can­na­bis als mo­der­ne The­ra­pie

Hanf ist für ei­ni­ge Pa­ti­en­ten die ein­zi­ge Mög­lich­keit, ih­re Be­schwer­den in den Griff zu be­kom­men. Wor­auf es an­kommt

Das Neue - - FAMILIENGLÜCK -

Schon vor Jahr­tau­sen­den nutz­ten Men­schen in Chi­na Hanf­pflan­zen (Can­na­bis) als Grund­la­ge für Arz­nei­mit­tel. Heu­te brin­gen vie­le von uns Can­na­bis vor al­lem mit Hasch-Zi­ga­ret­ten rau­chen­den Her­an­wach­sen­den in Ver­bin­dung, die sich le­dig­lich be­rau­schen möch­ten. Doch zu Un­recht! Denn Hanf ist für vie­le chro­nisch Er­krank­te die letz­te Hoff­nung, Schmer­zen er­träg­li­cher wer­den zu las­sen. Ver­ant­wort­lich da­für ist der aus ihm ge­won­ne­ne Stoff Te­tra­hy­dro­can­na­bi­nol (THC).

Bei MS be­reits zu­ge­las­sen

Ein Bei­spiel: Spas­ti­ken bei Pa­ti­en­ten mit Mul­ti­pler Sk­le­ro­se (MS) schrän­ken nicht nur die Be­weg­lich­keit ein, son­dern ru­fen meist auch un­er­träg­li­che Schmer­zen her­vor. Brin­gen kon­ser­va­ti­ve Maß­nah­men wie Phy­sio­the­ra­pie in Kom­bi­na­ti­on mit her­kömm­li­chen Me­di­ka­men­ten kei­ne zu­frie­den­stel­len­de Lin­de­rung, dür­fen Ärz­te ein Can­na­bi­no­id ver­schrei­ben. Das bis­lang ein­zi­ge in Deutsch­land zu­ge­las­se­ne Spray wird bei MS von der Kran­ken­kas­se be­zahlt.

Wie ein Spray für Lin­de­rung sorgt

Wie vie­le Sprüh­stö­ße die Pa­ti­en­ten be­nö­ti­gen, muss in­di­vi­du­ell ge­tes­tet wer­den (max. zwölf pro Tag). Di­rekt in den Mund ge­sprüht, ge­langt der Wirk­stoff über die Schleim­haut in den Blut­kreis­lauf – in­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten tritt ei­ne Lin­de­rung ein. Wie Can­na­bis genau wirkt, ist noch nicht voll­stän­dig ge­klärt. For­scher fan­den aber her­aus, dass THC an spe­zi­el­le Re­zep­to­ren im Kör­per an­dockt und dort sei­ne Wir­kung ent­fal­tet, die meh­re­re St­un­den lang an­hält. Ein ent­schei­den­der Vor­teil von Hanf: An­ders als et­wa Opia­te wie Mor­phi­um hat Can­na­bis nur ein ge­rin­ges Ab­hän­gig­keits­po­ten­zi­al und ver­ur­sacht meist kei­ne star­ken Ne­ben­wir­kun­gen.

Viel­fäl­ti­ge Ein­satz­ge­bie­te

Zahl­rei­che wei­te­re chro­nisch Er­krank­te kön­nen von THC pro­fi­tie­ren: Pa­ti­en­ten mit Schmer­zen (z. B. Mi­grä­ne und Ner­ven­schmer­zen), ent­zünd­li­chen Er- kran­kun­gen (Mor­bus Crohn, Rheu­ma), neu­ro­lo­gi­schen Krank­hei­ten (z. B. Epi­lep­sie) und psych­ia­tri­schen Pro­ble­men (De­pres­sio­nen, ADHS). Stu­di­en zei­gen zu­dem, dass Hanf-Prä­pa­ra­te Übel­keit und Ap­pe­tit­lo­sig­keit wäh­rend ei­ner Krebs­be­hand­lung lin­dern kön­nen.

Wie Pa­ti­en­ten an Prä­pa­ra­te kom­men

Je­der Arzt kann das Spray so­wie ein Öl ver­schrei­ben. Soll­te ein Pa­ti­ent die­se Prä­pa­ra­te nicht ver­tra­gen, kön­nen nach spe­zi­el­ler Ge­neh­mi­gung auch die Can­na­bis-Blü­ten in un­ver­ar­bei­te­ter Form le­gal er­wor­ben wer­den. Das Pro­blem: Ab­ge­se­hen von MS-Pa­ti­en­ten müs­sen Be­trof­fe­ne die The­ra­pie-Kos­ten (300–600 Eu­ro/Mo­nat) selbst tra­gen. Aus­nah­me: Wer als „aus-the­ra­piert“gilt, kann bei der Kas­se ei­nen An­trag stel­len. Da­für soll­ten sich Be­trof­fe­ne Hil­fe von ei­nem Fach­arzt ho­len.

In­fos: Selbst­hil­fe­netz­werk Can­na­bis-Me­di­zin www.selbst­hil­fe­netz­werk­can­na­bis-me­di­zin.de

Kas­sen zah­len aus­schließ­lich bei Be­hand­lung von Mul­ti­pler Sk­le­ro­se.

Lin­den­stra­ßen-Cha­rak­ter Hans Bei­mer nutzt Hanf ge­gen Par­kin­son.

Die Hanf­pflan­ze stammt ver­mut­lich aus Zen­tral­asi­en.

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