Me­di­zin: Tin­ni­tus – wel­che The­ra­pi­en sind er­folg­reich?

Ohr­ge­räu­sche tre­ten meist plötz­lich auf – und blei­ben lan­ge. Was Sie tun kön­nen, wenn sie nicht wie­der ver­schwin­den

Das Neue - - DIESE WOCHE IN -

Von Knall­trau­ma, Dau­er­lärm und Stress bis zu Ver­span­nun­gen im Be­reich der Hals­wir­bel­säu­le und der Kie­fer­ge­len­ke: Ur­sa­chen für das läs­ti­ge Pfei­fen, Sum­men und Kna­cken gibt es vie­le. Eben­so zahl­reich sind die an­ge­bo­te­nen The­ra­pi­en. Aber wel­che von ih­nen sind wirk­lich sinn­voll? Das be­ant­wor­tet Prof. Dr. Ger­hard Hes­se, Lei­ter der Tin­ni­tus-Kli­nik Bad Arol­sen:

Me­di­ka­men­te und spe­zi­el­le Hör­ge­rä­te

Im Akut­fall wird Kor­ti­son an­ge­wen­det. An ei­nem neu­en Wirk­stoff zur Be­hand­lung des chro­ni­schen Tin­ni­tus (ab drei Mo­na­ten) wird ge­forscht, der­zeit ste­hen da­für je­doch noch

kei­ne Me­di­ka­men­te zur Ver­fü­gung. Statt­des­sen kom­men bei Pa­ti­en­ten mit ei­nem Hör­ver­lust nor­ma­le Hör­ge­rä­te, bei nor­mal­hö­ri­gen so­ge­nann­te „Noi­ser“zum Ein­satz. Sie er­zeu­gen ein Hin­ter­grund-Rau­schen, das vom Ohr­ge­räusch ab­lenkt, die­ses aber nicht über­tönt. Das Ge­hirn lernt so, den Tin­ni­tus mit der Zeit he­raus­zu­fil­tern und schlicht zu über­hö­ren. Die­se Ge­rä­te sind ins­be­son­de­re sinn­voll bei gleich­zei­ti­ger Über­emp­find­lich­keit (Hy­pera­ku­sis). Die Kos­ten für ein­fa­che­re Ge­rä­te wer­den von der Kas­se über­nom­men (max. 700 Eu­ro).

Ein Re­trai­ning oder Low- Le­vel- La­ser?

Die Kö­nigs­klas­se un­ter den The­ra­pi­en für chro­ni­sche Ohr­ge­räu­sche ist das so­ge­nann­te Re­trai­ning. Da­zu müs­sen Sie wis­sen: Tin­ni­tus be­ruht vor al­lem auf Wahr­neh­mung. Die Be­läs­ti­gung durch den Ton ent­steht im Kopf – nicht im Ohr. Das Re­trai­ning (Kas­sen­leis­tung auf An­trag) kom­bi­niert er­folg­reich Ent­span­nungs- und Psy­cho­the­ra­pie mit ei­nem spe­zi­el­len Hör­trai­ning so­wie ggf. Ge­rä­ten. Die Be­hand­lung hilft, sich an das Ge­räusch zu ge­wöh­nen, bzw. da­bei, es aus­zu­blen­den.

Au­ßer­dem wer­den La­ser („Low Le­vel“) an­ge­bo­ten, die von au­ßen di­rekt im In­nen­ohr wir­ken sol­len. Die­se ma­chen aus mei­ner Sicht kei­nen Sinn. Denn Stu­di­en zei­gen, dass das La­ser­licht den Wir­kort tief im Schä­del gar nicht er­reicht.

Piept’s? Beu­gen Sie Tin­ni­tus vor – durch Ge­hör­schutz in lau­ter Um­ge­bung und der Ver­mei­dung von Stress.

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