Ber­ti Vogts:

Auch mit 70 will er noch nicht in Fuß­ball-Ren­te

Das Neue - - DIESE WOCHE IN -

Auch wenn er mit sei­nen 1,68 Me­ter eher kurz ge­wach­sen ist, im Fuß­ball ist Hans-Hu­bert „Ber­ti“Vogts seit je­her ein Gro­ßer. Al­les hat er ge­won­nen. Er wur­de Welt­meis­ter als Spie­ler (1974) und Co-Trai­ner (1990), Eu­ro­pa­meis­ter als Chef­trai­ner (1996). Nur ei­nes ist ihm nie ge­lun­gen: Re­spekt zu be­kom­men für das, was er er­reicht hat.

Schon von Kin­des­bei­nen an wur­de ihm nichts ge­schenkt. Sei­ne Mut­ter starb an Leuk­ämie, sein Va­ter an Herz­ver­sa­gen. Da­mals war er ge­ra­de 12. Vier Jah­re spä- ter wur­de er von sei­nem Bru­der mit den Wor­ten ver­höhnt: „Die Prü­fung zum Werk­zeug­ma­cher­lehr­ling – das schaffst du nie.“Doch Ber­ti biss sich fest an der Idee, es schaf­fen zu kön­nen, ja, es pa­cken zu müs­sen. Es ge­lang ihm. Der „Ter­ri­er“war ge­bo­ren.

Der „Ter­ri­er“war auch sein Bei­na­me als Fuß­bal­ler. Franz Be­cken­bau­er (71) wur­de als Kai­ser be­ju­belt, Ru­di Völ­ler (56) als Fuß­ball-Gott. Ber­ti da­ge­gen war Wa­den­bei­ßer und Prü­gel­kna­be. Denn trotz sei­ner Er­fol­ge wur­de er mehr ver­spot­tet als ver­ehrt. Sei es eben da­mals vom ei­ge­nen Bru­der oder spä­ter von Ste­fan Ra­ab (50) und sei­nem „Böör­ti Böör­ti Vogts“-Lied.

Seit 2001 sucht der West­fa­le das Glück dar­um im Aus­land. Sein Sohn Jus­tin ging da­mals in Schott­land erst­mals lä­chelnd zur Schu­le. „Das hat er in Deutsch­land nie ge­macht“, klagt Ber­ti. Zur­zeit ar­bei­tet er als Be­ra­ter für die US-Na­tio­nal­mann­schaft. Und ob­wohl Ber­ti Vogts am 30. De­zem­ber 70 wird – „spielt“er im­mer wei­ter. Nein, vom Platz will er noch lan­ge nicht. Erst recht nicht dort, wo er ge­schätzt wird. Als Ex­per­te, als Mensch.

Sei­ne gu­te Lau­ne hat er trotz al­lem nie ver­lo­ren. Ber­tis Mot­to: „Nach vor­ne schau­en!“ ▲ Als Ver­tei­di­ger kick­te Ber­ti für zwei Ver­ei­ne: Bütt­gen (54–65) und Mön­chen­glad­bach (65–79). ▲ Ei­nen Platz, der sei­nen Na­men trägt! Gro­ße Eh­re im „Mi­ni­domm“in Ra­tin­gen. o Elf Jah­re war er als Nach­wuchs­trai­ner er­folg­reich, 1990 über­nahm er die Na­tio­nal­mann­schaft. ▲ Welt­meis­ter – sein größ­ter Er­folg. 20 Mal war er Ka­pi­tän. ▲ Das WM-Aus ge­gen Kroa­ti­en kos­te­te Ber­ti sei­nen Trai­ner­job.

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