Wenn die Bei­ne kei­ne Ru­he ge­ben

Beim Ent­span­nen ­schmer­zen Ih­re Fü­ße und Un­ter­schen­kel? So min­dern Sie die ­Be­schwer­den

Das Neue - - SAPHIR-JUBILÄUM -

Un­ru­hi­ge oder rast­lo­se Bei­ne – das klingt harm­los, ist aber oft sehr un­an­ge­nehm für die Be­trof­fe­nen. Rund acht Mil­lio­nen Deut­sche lei­den un­ter dem so­ge­nann­ten Rest­less-Legs­Syn­drom, kurz RLS. Frau­en sind dop­pelt so häu­fig wie Män­ner be­trof­fen. Das RLS macht sich durch ein Zie­hen, Rei­ßen oder auch Krib­beln in den Bei­nen be­merk­bar. Die­se Sym­pto­me kön­nen ein­sei­tig, beid­sei­tig oder auch ab­wech­selnd auf der ei­nen oder an­de­ren Seite auf­tre­ten. Bei ei­ni­gen sind die Be­schwer­den so stark, dass sie be­han­delt wer­den müs­sen.

Ur­sa­chen wer­den der­zeit noch er­forscht

Wie ge­nau die Er­kran­kung ent­steht, ist bis­lang un­klar und wird in­ten­siv er­forscht. Me­di­zi­ner ver­mu­ten, dass ein ge­stör­ter Do­pa­min-Stoff­wech­sel im Ner­ven­sys­tem ei­ne Haupt­rol­le spielt. Der Bo­ten­stoff ist da­für ver­ant­wort­lich, dass Ner­ven­si­gna­le

vom Ge­hirn rei­bungs­los in die Bei­ne über­tra­gen wer­den.

Ein Ta­ge­buch er­leich­tert die Dia­gno­se

Das RLS tritt meist abends oder nachts auf – wenn der Kör­per zur Ru­he kommt. Wer dann das drän­gen­de Ge­fühl hat: „Ich muss jetzt auf­ste­hen“, soll­te sich ge­nau­er be­ob­ach­ten. Ist der Grund ein star­kes oder so­gar schmerz­haft ste­chen­des Krib­beln in den Bei­nen? Oder sind es Zu­ckun­gen, Hit­ze­ge­füh­le? Ein ent­schei­den­der Hin­weis: Wer­den Ih­re Be­schwer­den bes­ser, wenn Sie hin- und her­ge­hen, deu­tet das auf das RLS hin. Be­trof­fe­ne soll­ten da­her über 2–3 Wo­chen auf­schrei­ben, wann wel­che Sym­pto­me auf­tre­ten. No­tie­ren Sie sich: Was ha­be ich vor­her ge­macht – z. B. lan­ge ge­ses­sen? Was ha­be ich ge­trun­ken und ge­ges­sen? Das Ta­ge­buch zeigt, was Ih­nen mög­li­cher­wei­se nicht gut­tut – las­sen Sie die ver­meint­li­chen Aus­lö­ser dann pro­be­hal­ber weg. Ih­re No­ti­zen hel­fen au­ßer­dem dem Haus­arzt bei der Dia­gno­se und Ent­schei­dung, ob er Sie zu ei­nem Neu­ro­lo­gen über­weist.

Das kön­nen Sie ge­gen das Krib­beln tun

Vor­beu­gend hilft Be­we­gung. Ge­hen Sie zum Bei­spiel Schwim­men, drei­mal wö­chent­lich für je 30 Mi­nu­ten. Auch ein Spa­zier­gang vor dem Zu­bett­ge­hen kann die Pro­ble­me beim Ein­schla­fen ver­hin­dern.

Wech­sel­du­schen hel­fen, die Durch­blu­tung an­zu­re­gen und das Krib­beln zu min­dern. Da­für die Bei­ne abends von un­ten nach oben je 20 Se­kun­den mit hei­ßem, dann mit kal­tem Was­ser ab­brau­sen. Ex­per­ten emp­feh­len zu­dem, dass RLS-Pa­ti­en­ten Kaf­fee, Al­ko­hol, Zi­ga­ret­ten und Koh­len­säu­re mei­den soll­ten. Denn die­se re­gen das Ner­ven­sys­tem an und kön­nen die Sym­pto­me ver­schlim­mern. Da auch ein Ei­sen­man­gel zu un­ru­hi­gen Bei­nen füh­ren kann, ist es zu­dem wich­tig, den täg­li­chen Be­darf von 10 mg zu de­cken. Das ge­lingt et­wa mit 50 g Ha­fer­flo­cken, 200 g ge­koch­tem Spinat und ei­nem Voll­korn­bröt­chen mit Son­nen­blu­men­ker­nen.

Arz­nei­en hel­fen ge­gen die Schmer­zen

Bei stär­ke­ren Be­schwer­den kön­nen Aku­punk­tur oder Me­di­ka­men­te die Sym­pto­me min­dern. So hilft et­wa die Ohr-Aku­punk­tur: Da­für wer­den kur­ze Tit­an­na­deln dau­er­haft in die Ohr­mu­schel ge­setzt. Klein wie ei­ne Steck­na­del­spit­ze, be­ru­hi­gen sie über Ner­ven­ver­bin­dun­gen die be­trof­fe­nen Ge­hirn­ge­bie­te. Al­ler­dings zah­len die Kas­sen die­se The­ra­pie (ab et­wa 1 000 Eu­ro) je­doch nicht. Um die Be­schwer­den ef­fek­tiv zu lin­dern, kom­men oft Ta­blet­ten zum Ein­satz, die das feh­len­de Do­pa­min er­set­zen. Ha­ben Be­trof­fe­ne auch tags­über RLS-Sym­pto­me, kön­nen Neu­ro­lo­gen ein Pflas­ter ver­schrei­ben, das auf den Bauch ge­klebt wird und den Wirk­stoff über 24 St­un­den ab­gibt. Stu­di­en ha­ben zu­dem ge­zeigt, dass auch der Ein­satz von Opi­oi­den bei vie­len Pa­ti­en­ten zur deut­li­chen Ver­bes­se­rung der Be­schwer­den führt (sie­he In­ter­view un­ten).

Ge­ra­de wenn der Be­trof­fe­ne Ru­he und Er­ho­lung sucht, stel­len sich bei RLS die oft sehr quä­len­den Be­schwer­den ein.

Auch Bürs­ten­mas­sa­gen oder täg­li­che Gym­nas­tik ver­rin­gern das Krib­beln in vie­len Fäl­len.

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