„Jetzt ha­ben mein Mann und ich wie­der Zeit für uns“

Bald zieht auch das letz­te von sie­ben Kin­dern aus

Das Neue - - OFFENE WORTE -

Die­se Frau hat Po­wer: Ur­su­la von der Ley­en (58) ist als Ver­tei­di­gungs­mi­nis-te­rin nicht nur Be­fehls­ha­be­rin von ca. 170 000 deut­schen Sol-da­ten, son­dern auch Ärz­tin, Ehe­frau und sie­ben­fa­che Mut-ter. Sechs Kin­der sind be­reits aus dein Haus — bald zieht auch die Jüngs­te aus. „Jetzt ha­ben mein Mann und ich wie-der Zeit für uns", er­zählt sie im Ge­spräch mit „das neue".

Kön­nen Sie Ih­re Kin­der gut los­las­sen?

Nach wie vor schwingt ein biss­chen Weh­mut mit, wenn ein Kind in die wei­te Welt hin­aus-geht. In­zwi­schen ha­be ich die gu­te Er­fah­rung ge­macht, dass sie im­mer wie­der nach Hau­se kom­men. Wenn un­se­re Toch­ter im Ju­ni aus­zieht, dann ha­ben mein Mann und ich das ers­te Mal nach 30 Jah­ren kein Kind mehr im Haus. Wir müs­sen nicht mehr nach­den­ken, wer sich um sie küm­mert. Man hat als Paar ganz neue Mög­lich­kei­ten, auch et­was zu zweit zu ma­chen. Wir ma­chen ge­ra­de die Er­fah­rung, wie es ist, wenn wir sa­gen kön­nen, wir fah-ren jetzt ein Wo­che­n­en­de weg. Das ist fan­tas­tisch.

Ma­chen Sie Pro­ble­me mit sich selbst aus?

Nein, ich brau­che dann Men-schen, die mich un­ter­stüt­zen. Der al­ler­wich­tigs­te ist mein Mann, der im­mer ge­nau weiß, wie es mir geht und im­mer für mich da ist. Und auch im Mi­nis-te­ri­um ha­be ich ei­ne en­ge Grup-pe Men­schen um mich her­um, die mit mir durch al­le tie­fen Tä­ler ge­gan­gen sind. So ein ver­läss­li-ches Team brau­che ich bei mei-ner Ar­beit aber auch. Der Druck ist zu hoch, als dass man sich in sich selbst zu­rück­zie­hen kann.

Wo se­hen Sie sich pri­vat in fünf Jah­ren? Ich möch­te da blei-ben, wo ich jetzt le­be — auf dem An­we­sen mei­ner ver­stor­be­nen El­tern. Mit den zwei al­ten Zie­gen und den Po­nys, auf de­nen schon un­se­re Kin­der rei­ten ge­lernt ha­ben. Hier möch­te ich mit mei­nem Mann das Al­ter ver­brin­gen. Wenn ich mal wie­der dau­er­haft zu Hau­se bin, dann schaf­fe ich mir so­fort wie­der Hüh­ner und ei­nen Hund an. Da freue ich mich drauf! Ha­ben Sie ein Le­bens­mot­to?

Kei­nen kon­kre­ten Spruch. Aber wenn ich das Ge­fühl ha­be, mir wird al­les zu viel, dann schaue ich im­mer, wie es an­de­ren Men­schen geht: Ich bin oft in Län­dern, in de­nen Frau­en er­nied­rigt wer­den, in schreck­li­chen Um­stän­den le­ben und kei­ner­lei Per­spek­ti­ve ha­ben – wenn ich die­se Frau­en se­he, dann weiß ich, was für ein Ge­schenk es ist, in die­sem Teil der Er­de auf­ge­wach­sen zu sein und le­ben zu dür­fen. Das rückt ­ei­nem den Kopf ge­ra­de.

Sind Sie gläu­big?

Ich bin ei­ne über­zeug­te Chris­tin

Wich­ti­ges Ri­tu­al: Je­den Mor­gen liest sie in ih­rem Bü­ro im Ber­li­ner Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ver­schie­de­ne Ta­ges­zei­tun­gen.

Ur­su­la von Seit über 30 Jah­ren ver­hei­ra­tet: Ehe­mann, dem der Ley­en mit ih­rem von der Ley­en. Me­di­zin-Pro­fes­sor Hei­ko

Jetzt kann der Tag be­gin­nen: Die Mi­nis­te­rin be­rei­tet sich ei­nen Milch­kaf­fee. „Oh­ne den geht gar nichts.“

Ei­ne Frau, die an­packt und weiß, was sie möch­te: Ur­su­la von der Ley­en bei ei­nem Trup­pen­be­such.

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