Me­di­zin: Ge­fähr­li­cher Teu­fels­kreis: Ma­gen­säu­reblo­cker!

Me­di­ka­men­te ge­gen Sod­bren­nen gibt es re­zept­frei in Apo­the­ken. War­um die Selbst­me­di­ka­ti­on ge­fähr­lich wer­den kann und Sie ärzt­li­chen Rat ein­ho­len soll­ten

Das Neue - - DIE­SE WO­CHE IN DAS NEUE -

Grum­melt oder drückt es kurz nach dem Es­sen im­mer wie­der im Ober­bauch, neh­men vie­le Men­schen sorg­los Me­di­ka­men­te ein. In Deutsch­land sind ver­schie­de­ne Ar­ten von Ma­gen­säu­reblo­ckern, so­ge­nann­te Pro­to­nen­pum­pen­hem­mer (PPI) auf dem Markt – die re­zept­frei in der Apo­the­ke ver­kauft wer­den. Ge­gen Be­schwer­den wie Ma­gen­ge­schwü­re und Sod­bren­nen wir­ken die Mit­tel sehr gut, da sie die Ma­gen­säu­re­bil­dung fast voll­stän­dig hem­men. Doch die lang­fris­ti­ge Ein­nah­me kann sich schäd­lich auf den Kör­per aus­wir­ken. DAS NEUE ver­rät, was Sie über Ma­gen­säu­reblo­cker wis­sen soll­ten.

Vie­le Ne­ben­wir­kun­gen

Ei­ne Ein­nah­me von Ma­gen­säu­reblo­ckern über Mo­na­te hin­weg er­höht das Ri­si­ko für Kno­chen­brü­che dras­tisch, fan­den jetzt Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tät Ham­burg her­aus. Denn nur mit­hil­fe von Ma­gen­säu­re kön­nen wir das kno­chen­stär­ken­de Mi­ne­ral Kal­zi­um über­haupt aus der Nah­rung frei­set­zen und nut­zen. Auch das le­bens­wich­ti- ge Spu­ren­ele­ment Ma­g­ne­si­um kann erst durch die Ma­gen­säu­re im Kör­per auf­ge­nom­men und ver­ar­bei­tet wer­den. Durch PPI ent­steht schnell ei­ne Un­ter­ver­sor­gung, die Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­chen, Taub­heits­ge­füh­le in den Glied­ma­ßen oder so­gar Herz­rhyth­mus-Stö­run­gen ver­ur­sa­chen kann. Ei­ne Aus­wer­tung der Da­ten von rund 74 000 AOK-Ver­si­cher­ten gibt eben­falls gro­ßen An­lass zur ­Sor­ge: Dem­nach er­hö­hen Säu­reblo­cker das De­menz­ri­si­ko um bis zu 60 Pro­zent. Vie­le Men­schen mit Ver­dau­ungs­be­schwer­den set­zen sich die­sen Ge­fah­ren so­gar un­nö­tig aus. So wer­den PPI oft auch bei Völ­le­ge­fühl, Auf­sto­ßen oder Reiz­ma­gen ein­ge­nom­men, ob­wohl sie da­ge­gen nicht wir­ken. Und das häu­fig so­gar über ei­nen Zei­t­raum von Mo­na­ten.

Schnel­le Ab­hän­gig­keit

Das Pro­blem: Wer Ma­gen­säu­reblo­cker län­ger als vier Wo­chen lang ein­nimmt, kommt nur schwer wie­der von ih­nen los. Es ist der so­ge­nann­te Re­bound-Ef­fekt, der ab­hän­gig macht: Wenn die Säu­re­aus­schüt­tung der Ma- gen­zel­len wo­chen­lang wei­test­ge­hend un­ter­drückt wird, schüt­ten sie, so­bald das Me­di­ka­ment aus­bleibt, be­son­ders viel Säu­re aus – und schon be­gin­nen die Be­schwer­den er­neut. Ein Teu­fels­kreis ent­steht.

Aus­schlei­chen, nicht so­fort ab­set­zen

Ma­gen­säu­reblo­cker soll­ten al­so nicht gleich kom­plett ab­ge­setzt wer­den. Nach ei­ner Ein­nah­me über Mo­na­te hin­weg ist ei­ne ste­ti­ge Ver­rin­ge­rung der Wirk­stoff­men­ge sinn­voll. So soll­te zu- nächst in der ers­ten Wo­che nur die Hälf­te der Do­sis ein­ge­nom­men wer­den, da­nach das Me­di­ka­ment nur noch jeden zwei­ten Tag zum Ein­satz kom­men. Ver­mei­den Sie wäh­rend des Ab­set­zens zu­sätz­li­che Be­las­tun­gen für die Ver­dau­ung. Stress schlägt eben­so auf den Ma­gen wie Kaf­fee, Al­ko­hol, Scho­ko­la­de oder Koh­len­säu­re. Die Nah­rung soll­te wäh­rend des Ab­set­zens der PPI im­mer gut ge­kaut wer­den, da­mit dem Ma­gen die Ar­beit bei der Ver­dau­ung er­leich­tert wird.

Ma­gen­säu­reblo­cker kön­nen Wech­sel­wir­kun­gen ein­ge­hen. Las­sen Sie sich ärzt­lich be­ra­ten.

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