Schul­ter, Knie, Hüf­te– neue Hil­fe bei Ge­lenk­be­schwer­den

Bei Schmer­zen ra­ten Me­di­zi­ner oft zu ei­ner Ope­ra­ti­on. Zu schnell und zu früh, war­nen Ex­per­ten. Wie wir uns schüt­zen kön­nen

Das Neue - - MEDIZIN -

Et­wa fünf Mil­lio­nen Deut­sche lei­den an ei­ner so­ge­nann­ten Ar­thro­se – dem Ver­schleiß des Knor­pels in den Ge­len­ken. Vie­le fürch­ten, ir­gend­wann auf ei­ne Pro­the­se an­ge­wie­sen zu sein. Doch das lässt sich in vie­len Fäl­len ver­mei­den – oder doch zu­min­dest für Jah­re hin­aus­zö­gern.

Was Schmer­zen über die Ge­len­ke ver­ra­ten

Ein recht­zei­ti­ger Arzt­be­such ist wich­tig, da noch aus­rei­chend Knor­pel vor­han­den sein muss, um ihn re­pa­rie­ren zu kön­nen. Das heißt, bei häu­fi­gen oder län­ger als zwei Wo­chen an­hal­ten­den Be­schwer­den, die wäh­rend oder un­mit­tel­bar nach ei­ner Be­las­tung wie bei­spiels­wei­se ei­nem Spa­zier­gang oder Trep­pen­stei­gen auf­tre­ten, soll­ten Sie ei­nen Or­tho­pä­den auf­su­chen.

Die in­ten­si­ven Schmer­zen kön­nen dann auf ei­ne ge­lenk­schä­di­gen­de aku­te Ent­zün­dung, ei­ne Ver­let­zung oder aber ei­nen fort­ge­schrit­te­nen Ver­schleiß hin­deu­ten. In die­sem Fall rei­ben die sen­si­blen Knor­pe­lober­flä­chen be­reits ge­gen­ein­an­der – am An­fang je­der Be­we­gung ent­steht da­durch ein Schmerz. Spä­ter kommt es zu Rei­zun­gen der Ner­ven im Kno­chen­ge­we­be, weil die Kno­chen an­ge­grif­fen wer­den. Wenn im Ge­lenk ein ent­zünd­li­cher Pro­zess ab­läuft, tritt der so­ge­nann­te Ru­he­schmerz auf.

Ei­gen­blut-The­ra­pie sorgt für Be­weg­lich­keit

Sind da­ge­gen ex­tre­me Ent­zün­dungs­pro­zes­se im Ge­lenk für das ra­san­te Vor­an­schrei­ten ei­ner Ar­thro­se ver­ant­wort­lich, hat sich ei­ne so­ge­nann­te Blut­plas­ma-Be­hand­lung be­währt. Da­bei wird aus dem Blut des Pa­ti­en­ten ein Me­di­ka­ment her­ge­stellt, das der Arzt dann di­rekt in das be­trof­fe­ne Ge­lenk spritzt. Dort la­gert es sich am Knor­pel an und ver­hin­dert, dass die ent­zün­dungs­aus­lö­sen­den Stof­fe wei­ter an­grei­fen kön­nen. Bei 70 bis 80 Pro­zent der Pa­ti­en­ten wird da­mit ei­ne deut­li­che Lin­de­rung der Schmer­zen und ei­ne ver­bes­ser­te Be­weg­lich­keit er­zielt.

Die The­ra­pie um­fasst sechs bis acht Sprit­zen (et­wa 100 Eu­ro pro Do­sis, IGeL-Leis­tung). Die Wir­kung kann dann bis zu zwei Jah­re an­hal­ten.

Ein Ma­gnet­feld regt den Knor­pel-Stoff­wech­sel an

Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit ist die so­ge­nann­te Kern­spin-Re­so­nan­zThe­ra­pie. Da­bei wird ein Ma­gnet­feld er­zeugt, das Ein­fluss auf die In­for­ma­ti­ons­pro­zes­se zwi­schen den Zel­len nimmt und so das Si­gnal gibt, den Stoff­wech­sel im Knor­pel zu op­ti­mie­ren. Kos­ten für den Pa­ti­en­ten: et­wa 80 bis 140 Eu­ro pro St­un­de, in der Re­gel sind sie­ben bis neu­en Sit­zun­gen not­wen­dig.

Dar­über hin­aus ha­ben sich zwei Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel als be­son­ders hilf­reich er­wie­sen: Chon­droi­tin, das die Wi­der­stands­fä­hig­keit des Knor­pels er­höht, und Glu­ko­sa­min, das ein wich­ti­ger Baustein des Ge­lenk­puf­fers ist. Üb­lich sind hier Ta­ges­do­sen zwi­schen 700 und 1200 mg. Las­sen Sie sich da­zu

vor der Ein­nah­me von Ih­rem Arzt be­ra­ten.

Wenn ei­ne Pro­the­se un­aus­weich­lich wird

In schwe­ren Fäl­len ist ein künst­li­cher Ge­len­ker­satz häu­fig der letz­te Aus­weg. Die so­ge­nann­ten Fall­zah­len ei­ner Kli­nik, die Aus­kunft dar­über ge­ben, wie oft ein Ein­griff dort durch­ge­führt wird, sind ei­ne hilf­rei­che Ori­en­tie­rung bei der Su­che nach ei­nem ge­eig­ne­ten Kran­ken­haus.

Ein gu­ter Ope­ra­teur hat je­doch nicht nur viel Er­fah­rung, son­dern kennt sich mit mo­der­nen wie be­währ­ten Me­tho­den glei­cher­ma­ßen aus. Denn Ge­len­ker­satz ist im­mer ei­ne sehr in­di­vi­du­el­le Ent­schei­dung, bei der im Vor­der­grund ste­hen soll­te, wel­che Le­bens­qua­li­tät der Pa­ti­ent nach dem Ein­griff an­strebt: Ob er ein­fach kei­ne Schmer­zen mehr ha­ben oder wei­ter­hin viel Sport trei­ben will. In ei­nem Be­ra­tungs­ge­spräch wird all das ge­nau mit Ih­nen be­spro­chen. Wich­tig: Im Zwei­fels­fall ha­ben Sie im­mer das Recht auf ei­ne zwei­te Mei­nung von ei­nem an­de­ren Arzt.

Be­vor Sie sich für ein künst­li­ches Ge­lenk ent­schei­den, soll­ten Sie Ih­ren Arzt fra­gen, ob al­le kon­ven­tio­nel­len The­ra­pi­en aus­ge­schöpft sind

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