End­lich wie­der Ru­he im Bauch

Stress, Er­re­ger, fal­sches Es­sen: War­um un­ser Ver­dau­ungs­sys­tem auf vie­les emp­find­lich re­agiert – und wie wir die Be­schwer­den lin­dern kön­nen

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Blä­hun­gen, zie­hen­de oder ste­chen­de Schmer­zen, Krämp­fe, Ver­stop­fung – und dann plötz­lich wie­der Durch­fall. Be­schwer­den, die Mil­lio­nen Deut­schen den All­tag zur Höl­le ma­chen. Das gro­ße Pro­blem: Rund die Hälf­te der Pa­ti­en­ten, die we­gen sol­cher Be­schwer­den zum Arzt ge­hen, be­kom­men von ihm kei­ne sinn­vol­le Hil­fe. Denn mit den Mit­teln

der kli­ni­schen Rou­ti­ne-Dia­gnos­tik kom­men die Me­di­zi­ner hier nicht wei­ter: Der Arzt kann nichts mes­sen, nichts er­tas­ten, und auf dem Rönt­gen­bild zei­gen sich kei­ner­lei Auf­fäl­lig­kei­ten. Al­so al­les nur Hy­po­chon­der? Nein, sa­gen Gas­tro­en­te­ro­lo­gen, die mas­si­ven Be­schwer­den sind kei­nes­falls Ein­bil­dung. Es liegt ei­ne or­ga­ni­sche Funk­ti­ons­stö­rung vor, die man aber selbst mit High­tech-Ver­fah­ren nicht nach­wei­sen kann. Der Darm hat ei­ne Art De­pres­si­on, Ex­per­ten spre­chen von „funk­tio­nel­len Stö­run­gen“, in die­sem Fall vom so­ge­nann­ten Reiz­darm-Syn­drom. Aber was steckt da­hin­ter?

Un­ser zwei­tes Ge­hirn

Neu­es­te Er­kennt­nis­se aus der Neu­roGas­tro­en­te­ro­lo­gie zei­gen jetzt die wah­ren Zu­sam­men­hän­ge auf: Un­ser ge­sam­ter Ma­gen-Darm-Be­reich ist von ei­nem dich­ten Ge­flecht an Ner­ven­strän­gen um­ge­ben. Es um­fasst über 100 Mil­lio­nen Ner­ven­zel­len – sa­lopp kön­nen wir von ei­nem „Bauch­hirn“spre­chen. Es ko­or­di­niert Darm­be­we­gun­gen, ver­an­lasst die Aus­schüt­tung der Ver­dau­ungs­säf­te. Eben­so nimmt es In­for­ma­tio­nen und Ein­drü­cke aus der Um­welt äu­ßerst sen­si­bel wahr, ver­ar­bei­tet die­se und sen­det sie ans Ge­hirn. Dort kommt die Bot­schaft „Ich füh­le mich wohl“oder auch „Mir geht es schlecht“an. Das ist nur mög­lich, da zwi­schen die­ser Kom­man­do­zen­tra­le in un­se­rer Kör­per­mit­te und dem Ge­hirn per­ma­nent Si­gna­le aus­ge­tauscht wer­den. Um­ge­kehrt sen­det das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem auch Nach­rich­ten an das „Ge­hirn im Un­ter­ge­schoss“. Vor al­lem dann, wenn wir un­ter dau­er­haf­ter An­span­nung und Stress ste­hen.

Der Bauch fühlt mit

War­um je­de see­li­sche Si­tua­ti­on auch im Darm „ver­stan­den“wer­den kann? Die Er­klä­rung lie­fern ak­tu­el­le Stu­di­en. For­scher fan­den her­aus, dass die Bo­ten­stof­fe, die Ner­ven­zel­len in Ge­hirn und Darm nut­zen, na­he­zu iden­tisch sind. So fühlt der Darm ge­wis­ser­ma­ßen mit. Des­halb über­re­agiert er auch häu­fig, wenn wir stän­dig un­ter Stress und An­span­nung ste­hen. Das führt zu Blä­hun­gen, Völ­le­ge­fühl und Schmer­zen. Spä­tes­tens dann, wenn die­se Sym­pto­me meh­re­re Ta­ge an­hal­ten, soll­ten wir ent­ge­gen­wir­ken. Denn wenn wir die Ma­gen-Darm-Be­schwer­den ein­fach igno­rie­ren, kann schnell ein Teu­fels­kreis ent­ste­hen: Durch die Darm­pro­ble­me wer­den wir zu­sätz­lich ge­stresst, und da­durch wie­der­um ver­stär­ken sich Ver­stop­fung, Blä­hun­gen & Co.

Al­les Gu­te für die See­le

Ex­per­ten emp­feh­len Be­trof­fe­nen, ein Er­näh­rungs­ta­ge­buch zu füh­ren. Da­mit kön­nen wir mög­li­che Aus­lö­ser auf­spü­ren und die­se mei­den. Da Wis­sen­schaft­ler Stress als ei­nen der Haupt­fak­to­ren für das Reiz­darm­syn­drom iden­ti­fi­ziert ha­ben, soll­ten Be­trof­fe­ne be­wusst auf Ent­span­nungs­pha­sen ach­ten. Al­les, was ent­stresst, hilft auch dem Darm: ob Yo­ga, Atem­übun­gen oder fünf­mi­nü­ti­ge Pau­sen im Ar­beits­all­tag.

Pflan­zen­kraft für den Darm

Bei der me­di­ka­men­tö­sen The­ra­pie ten­die­ren Ex­per­ten ganz klar Rich­tung Na­tur. Denn pflanz­li­che Mit­tel be­kämp­fen nicht nur die Sym­pto­me. Sie hel­fen auch dem ge­reiz­ten Ma­gen-Darm-Trakt, wie­der ins Gleich­ge­wicht zu kom­men. Be­son­ders ge­eig­net hier­für ist ein Mix aus hoch­do­sier­tem Pfef­fer­minz- und Küm­mel­öl (z. B. in Car­ment­hin Kap­seln, re­zept­frei in der Apo­the­ke). Bei­de Öle ent­hal­ten Pflan­zen­wirk­stof­fe in hoch kon­zen­trier­ter Form: Pfef­fer­min­ze sorgt für ei­nen küh­len­den Ef­fekt, der Schmer­zen lin­dert und Krämp­fe löst. Küm­mel be­ru­higt nach­weis­lich die Ner­ven des Bauch­hirns und re­du­ziert Blä­hun­gen. Wie Stu­di­en zei­gen, kom­men durch die­sen Sy­ner­gie-Ef­fekt der bei­den Wirk­stof­fe Ma­gen-Darm-Funk­tio­nen wie­der ins Gleich­ge­wicht.

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