Der Fall Brandt

Das Neue - - VERBLÜFFENDE PARALLELEN -

Po­li­ti­sche Macht zu ha­ben, ist die ei­ne Sei­te. Sich zu Hau­se der ei­ge­nen Frau ent­ge­gen­zu­stel­len, ist ei­ne ganz an­de­re. Wil­ly Brandt († 78) war un­um­strit­ten ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Po­li­ti­ker des Lan­des. Dem Wil­len sei­ner drit­ten Ehe­frau Bri­git­te See­ba­cher (70) konn­te sich der SPD-Kanz­ler aber zeit­le­bens nie wi­der­set­zen.

Al­le Ent­schei­dun­gen, so kri­ti­sier­ten vie­le Weg­be­glei­ter, wur­den in Wil­ly Brandts letz­ten Jah­ren nur noch von Bri­git­te ge­trof­fen. Ver­bin­dun­gen nach au­ßen, zu Freun­den und Ver­wand­ten, wur­den ge­kappt. Ri­go­ros, oh­ne Rück­sicht und mit Kal­kül. So ver­merk­te der Schrift­stel­ler Fritz J. Rad­datz († 83) nach ei­nem Abend­es­sen 1987 mit dem Paar in sei­nem Ta­ge­buch: „Ei­ne grau­en­haf­te jun­ge Frau. Bes­ser­wis­se­risch, ober­leh­rer­haft, ihm (und an­de­ren) über den Mund fah­rend.“

Das trau­rigs­te Ka­pi­tel spiel­te sich aber nach dem Tod von Wil­ly Brandt ab. Bri­git­te hin­der­te sei­ne zwei­te Ehe­frau Rut († 86), zur Be­er­di­gung zu kom­men. „Mei­ne Mut­ter aus­zu­la­den und sich mit Hel­mut Kohl hin­ter den Sarg zu stel­len, da­zu sind schlicht un­ge­heu­re Spe­zi­al-Tu­gen­den er­for­der­lich“, kri­ti­sier­te Sohn Mat­thi­as Brandt (55).

Än­dern konn­te er es nicht. Die Macht war da schon lan­ge nicht mehr in der Hand der Brandt-Män­ner.

Neun Jah­re bis zu sei­nem Tod 1992 war Bri­git­te See­ba­cher die Ehe­frau von Wil­ly Brandt. Ne­ben Mat­thi­as (M.) hat­te der Kanz­ler mit Rut noch zwei wei­te­re Söh­ne.

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