Un­ge­recht – Frau­en zah­len mehr!

Schluss da­mit: Wie Her­stel­ler weib­li­che Zah­lungs­be­reit­schaft scham­los aus­nut­zen

Das Neue - - RATGEBER -

Glei­che Di­enst­leis­tung, an­de­rer Preis: Fast je­de zwei­te Frau denkt, dass sie in der Au­to­werk­statt über den Tisch ge­zo­gen wird, nur weil sie weib­lich ist. Lei­der ist dies auch oft der Fall. In ei­ner Stich­pro­be der Sen­dung „was!“des rbb (Rund­funk Berlin-Bran­den­burg) zahl­ten Frau­en für Rei­fen­wech­sel, Re­pa­ra­tur ei­nes Schein­wer­fers und Öl­wech­sel tat­säch­lich rund 20 Pro­zent mehr als die Män­ner. Doch wie ist das denn über­haupt mög­lich?

Ex­per­ten sa­gen: Häu­fig wird schlicht­weg die Un­wis­sen­heit der Kun­din­nen aus­ge­nutzt. Wenn ich mich nicht aus­ken­ne, weiß ich auch nicht, wel­cher Preis an­ge­mes­sen ist. Laut ei­ner Stu­die des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts TNS Em­nid im Auf­trag der Fir­ma „Carglass“ist der Be­such in der Au­to­werk­statt für Frau­en ei­ne un­be­lieb­te An­ge­le­gen­heit. 25 Pro­zent der be­frag­ten Au­to­fah­re­rin­nen ver­bin­den da­mit un­an­ge­neh­me Er­fah­run­gen. Et­wa ein Vier­tel sei so­gar ab und zu her­ab­las­send be­han- delt wor­den. Da­bei wün­schen sich vie­le Frau­en ei­ne ver­ständ­li­che und aus­führ­li­che Be­ra­tung. Und vor al­lem die Trans­pa­renz bei den Kos­ten ist für 91 Pro­zent mit am wich­tigs­ten. Das weiß auch Ca­ro­lin Gah­se (24) aus Gro­ßen­hain (bei Dres­den). Sie er­kann­te die Markt­lü­cke und grün­de­te vor ei­nem Jahr ei­ne Au­to­werk­statt („Au­to­werk- statt Gah­se“) in Pink – von Frau­en für Frau­en. „Vie­le Kun­din­nen be­rich­ten mir von schlech­ten Er­fah­run­gen. Ich hat­te schon Fäl­le, bei de­nen an­geb­lich neue Tei­le im Au­to ein­ge­baut wor­den sind, die dann aber gar nicht da wa­ren, oder bei de­nen Frau­en für ei­nen ein­fa­chen Rei­fen­wech­sel to­tal über­höh­te Prei­se zah­len soll­ten“, er­zählt sie.

Doch nicht nur in Au­to­werk­stät­ten fin­det die­se Ge­schlech­ter­dis­kri­mi­nie­rung statt. Für Dro­ge­rie­pro­duk­te und an­de­re Di­enst­leis­tun­gen müs­sen Frau­en eben­falls tie­fer in die Ta­sche grei­fen. Ja so­gar in der Rei­ni­gung gibt es ei­ne kla­re Ge­schlech­ter­tren­nung in der Preis­po­li­tik. So kos­tet ein Her­ren­hemd durch­schnitt­lich 1,80 Eu­ro, ei­ne ver­gleich­ba­re Da­men­blu­se 3,30 Eu­ro. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le nennt noch ein­deu­ti­ge­re Bei­spie­le: Bei ei­ner Pa­ckung Ein­mal­ra­sie­rer zah­len die Da­men 33 Pro­zent mehr, ob­wohl die Ra­sie­rer bis auf die Far­be iden­tisch sind. Auch beim Ra­sier­schaum: 100 ml kos­ten in der Män­ner­ver­si­on 0,36 Eu­ro, das Frau­en­pro­dukt 0,66 Eu­ro. Beim Fri­seur ein ähn­li­ches Bild. Ein Haar­schnitt kos­tet für Frau­en 31 Eu­ro, für Män­ner 22 Eu­ro. Oft zah­len Frau­en so­gar dann mehr, wenn sie ei­nen Kurz­haar­schnitt tra­gen.

Ver­brau­cher­schüt­zern ist das Pro­blem schon län­ger be­kannt: „Her­stel­ler nut­zen scham­los aus, dass Frau­en be­reit sind, für be­stimm­te Pro­duk­te mehr Geld zu zah­len. Da­für fehlt uns jeg­li­ches Ver­ständ­nis“, sagt Ar­min Va­let von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Hamburg. Auf den ers­ten Blick be­mer­ken Frau­en den Un­ter­schied oft nicht.

Ver­brau­cher­schüt­zer ge­gen Dis­kri­mi­nie­rung

In an­de­ren Be­rei­chen zahlt Frau auch drauf

„Her­stel­ler ka­schie­ren dies gut. Bei­spiels­wei­se durch die Men­gen­an­ga­be“, so Va­let. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le hat die ent­spre­chen­den Fir­men auf­ge­for­dert, die Preis­dis­kri­mi­nie­rung zu un­ter­las­sen, bis­her oh­ne Er­folg. Aber: „Auf­grund un­se­rer Re­cher­chen hat die An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le des Bun­des ent­spre­chen­de Un­ter­su­chun­gen ein­ge­lei­tet“, so Va­let. „Wir hof­fen, dass das Kon­se­quen­zen nach sich zieht. Frau­en sind hier dop­pelt ge­straft, da sie meist we­ni­ger ver­die­nen als die Män­ner.“

Las­sen Sie sich al­les ge­nau er­klä­ren, be­vor Sie z. B. den Auf­trag zur Re­pa­ra­tur er­tei­len.

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