Me­di­zin:

Ist der Zahn­nerv ent­zün­det, muss er meis­tens ent­fernt wer­den, um den Zahn noch zu ret­ten. Die­ser Ein­griff ist bei Pa­ti­en­ten ge­fürch­tet – zu Un­recht

Das Neue - - DIESE WOCHE IN DAS NEUE -

5 My­then über Wur­zel-Be­hand­lung

Wur­zel­be­hand­lun­gen sind gar nicht so sel­ten, ab 40 muss je­der Vier­te da­mit rech­nen. Jähr­lich füh­ren Zahn­ärz­te mehr als sie­ben Mil­lio­nen Be­hand­lun­gen die­ser Art durch. Grund für die The­ra­pie: ei­ne Wur­zel­ent­zün­dung.

„Zu den Aus­lö­sern zäh­len Ka­ries­bak­te­ri­en. Durch das ty­pi­sche Loch im Zahn drin­gen Mi­kro­or­ga­nis­men ins In­ne­re vor und grei­fen das Zahn­mark an“, er­klärt Dr. Sli­wow­ski, Za­n­arzt aus Düs­sel­dorf. „Dann ent­zün­det sich der Be­reich schmerz­haft. Es dro­hen Zahn­ver­lust und Aus­brei­tung der Bak­te­ri­en in den Kie­fer­kno­chen.“Aber über die Be­hand­lung gibt es hart­nä­cki­ge My­then. Was stimmt?

1 Dann fällt der Zahn so­wie­so ­ir­gend­wann aus

„Ist der Zahn zu stark zer­stört, sind auch heu­ti­ge Me­tho­den nicht in der La­ge, den Ver­lust zu ver­hin­dern. Al­ler­dings kön­nen Zahn­ärz­te mit mo­der­nen Mit­teln wie ­Mi­kro­skop und La­ser selbst feins­te Ka­nä­le be­han­deln.“Me­di­zi­nisch kor­rekt heißt das Wur­zel­ka­nal­be­hand­lung. „So las­sen sich vie­le Zäh­ne le­bens­lang er­ hal­ten, die noch vor ei­ni­gen Jah­ren un­rett­bar wa­ren. Ein recht­zei­ti­ger The­ra­pie­be­ginn ist aber ­wich­tig, auch gründ­li­che Pfle­ge und re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­len durch den Zahn­arzt.“

2 Der Zahn ist nach der Be­hand­lung hohl

Das war frü­her so. Heu­te kann man die Ent­zün­dung auch oh­ne die­se „Ne­ben­wir­kung“be­sei­ti­gen. Auch muss der Nerv nicht zwin­gend ent­fernt wer­den. Dr. ­Sli­wow­ski: „Vor der Be­hand­lung iso­liert der Arzt den Zahn mit ei­nem so­ge­nann­ten Kof­fer­dam, um ihn vor Ve­r­un­rei­ni­gun­gen zu schüt­zen. Für prä­zi­ses Ar­bei­ten bie­tet ein Mi­kro­skop

stark ver­grö­ßer­te Sicht. So las­sen sich Ner­ven und Blut­ge­fä­ße scho­nen.“Da­mit die Wur­zel nach dem so­ge­nann­ten Aus­fei­len keim­frei bleibt, wer­den die Hohl­räu­me un­ter Rönt­gen­kon­trol­le ge­füllt.

3 Der Ein­griff ist äu­ßerst schmerz­haft

Heu­ti­ge Be­täu­bungs­mit­tel zum Sprit­zen las­sen sich sehr gut do­sie­ren. Nie­mand muss mehr Schmer­zen ha­ben. Zu­dem gibt es die Mög­lich­keit der – dann meist selbst be­zahl­ten – leich­ten oder Voll­nar­ko­se.

4 Gleich zie­hen ist bes­ser

„Das gilt es zu ver­mei­den,“so Dr. Sli­wow­ski. Es wür­de ei­ne Lü­cke in der Zahn­rei­he ents­te­ hen, so­wie auch im Kie­fer­kno­chen. Der kann sich dort zu­rück­bil­den, weil er an der Stel­le beim Kau­en nicht mehr be­an­sprucht wird.

5 Das be­zahlt die Kas­se nicht

Die Er­folgs­quo­te ei­ner sorg­fäl­ti­gen Be­hand­lung liegt bei gut 80 Pro­zent. Ge­setz­li­che Kran­ken­kas­sen zah­len, wenn der Zahn als er­hal­tungs­wür­dig ein­ge­stuft wird. Die Re­geln bei hin­te­ren Ba­cken­zäh­nen lau­ten: Der Zahn steht in ei­ner voll­stän­di­gen Zahn­rei­he oh­ne Lü­cke. Durch die Be­hand­lung wird ver­hin­dert, dass die Rei­he ein­sei­tig nach hin­ten ver­kürzt wird. Durch die The­ra­pie kann vor­han­de­ner Zahn­er­satz er­hal­ten wer­den.

Las­sen Sie­sich vor dem Ein­griff al­les ge­nau er­klä­ren, das nimmt Ängs­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.