Ver­ein für Ta­len­te

Bur­den­ski mit Kiel­ce ge­gen Wer­der

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Da­ni­el Cot­tä­us

cot BRE­MEN. Vor et­wa vier Mo­na­ten hat Die­ter Bur­den­ski den Fuß­ball­club Ko­ro­na Kiel­ce ge­kauft. Der Eh­ren­spiel­füh­rer von Wer­der Bre­men will den pol­ni­schen Erst­li­gis­ten, an dem er 72 Pro­zent der An­tei­le hält, zu ei­nem Aus­bil­dungs­ver­ein für Ta­len­te ma­chen. Am Frei­tag emp­fängt der Bun­des­li­gist in Del­men­horst Kiel­ce zum Freund­schafts­spiel.

Gut vier Mo­na­te lang ist Die­ter Bur­den­ski nun schon Be­sit­zer ei­nes Fuß­ball­ver­eins. Sein Ziel: Er will den pol­ni­schen Erst­li­gis­ten Ko­ro­na Kiel­ce, an dem er 72 Pro­zent der An­tei­le hält, zu ei­nem Aus­bil­dungs­ver­ein für Ta­len­te ma­chen.

BRE­MEN. Im In­ter­view hat der 66-Jäh­ri­ge nun er­klärt, mit wel­chen Schwie­rig­kei­ten er bis­her in Po­len zu kämp­fen hat­te. Au­ßer­dem sprach Wer­ders Eh­ren­spiel­füh­rer über das Test­spiel am Frei­tag in Del­men­horst ge­gen sei­nen Ex-Ver­ein Wer­der und ver­riet, wes­halb auch die Bre­mer von sei­ner Ar­beit bei Ko­ro­na pro­fi­tie­ren könn­ten.

Herr Bur­den­ski, war­um ha­ben Sie sich für Ko­ro­na Kiel­ce ent­schie­den?

Ich ha­be mich be­stimmt drei Jah­re lang nach ei­nem Ver­ein um­ge­se­hen, bei dem al­les passt. Das gan­ze Pro­jekt ist ja ein Ge­schäfts­mo­dell und kein Hob­by. Mein Ziel war es, ei­nen Ver­ein zu fin­den, den ich so füh­ren kann, wie ich mir das vor­stel­le. Da so et­was in Deutsch­land we­gen der 50+1-Re­gel nicht geht, ha­be ich den Blick ins Aus­land ge­rich­tet. Spa­ni­en, Ös­ter­reich, Po­len, es gab meh­re­re Al­ter­na­ti­ven. Wich­tig war mir, dass die Vor­aus­set­zun­gen ver­nünf­tig sind. Ich woll­te kein Ha­ra­ki­ri ma­chen. In Kiel­ce hat das Ge­samt­pa­ket ge­passt.

Was genau ist denn Ihr Plan mit dem Ver­ein? Wie sieht Ihr Ge­schäfts­mo­dell aus?

Ich möch­te, dass der Ver­ein er­folg­reich wird, und zwar in al­len Be­rei­chen. Da­bei geht es um Din­ge wie Mar­ke­ting und Or­ga­ni­sa­ti­on, aber na­tür­lich auch um den sport­li­chen Be­reich. Das Ge­schäfts­mo­dell sieht vor, ta­len­tier­te Spie­ler bei uns un­ter gu­ten Be­din­gun­gen wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, um sie spä­ter an an­de­re Ver­ei­ne ver­kau­fen zu kön­nen. Das geht na­tür­lich nicht von heu­te auf mor­gen. Es ist sehr viel Ar­beit, und wir wer­den si­cher auch mal Feh­ler ma­chen.

Die Mann­schaft ist in der ver­gan­ge­nen Sai­son Fünf­ter in der Eks­tra­kla­sa ge­wor­den. Trotz­dem ha­ben Sie Trai­ner Ma­ciej Bar­to­szek ent­las­sen und ei­nen gro­ßen Um­bruch ein­ge­lei­tet. War­um?

Weil der fünf­te Platz Au­gen­wi­sche­rei war. Das Team war nicht so gut, wie es die Ab­schluss­ta­bel­le ver­mu­ten lässt. Ich woll­te in Kiel­ce Ve­rän­de­run­gen ein­lei­ten, sonst hät­te ich es ja gleich las­sen kön­nen. Der Trai­ner war na­tür­lich nicht glück­lich mit der Ent­schei­dung, aber wir ha­ben ei­ne kla­re Ziel­set­zung, die wir kon­se­quent ver­fol­gen.

Bar­to­szeks Nach­fol­ger heißt Gi­no Let­tie­ri, der zu­letzt beim FSV Frank­furt ge­ar­bei­tet hat. Nach sie­ben Sai­son­spie­len be­legt er mit der Mann­schaft Platz neun. Sind Sie zu­frie­den mit dem Start?

Wir hat­ten sehr vie­le ver­letz­te Spie­ler und kom­men ge­ra­de erst wie­der in Fahrt. Der Trai­ner ist ein sehr gu­ter Mann.

Sie ha­ben nicht nur ei­nen neu­en Trai­ner in­stal­liert, son­dern auch das Ge­sicht der Mann­schaft stark ver­än­dert. Zahl­rei­che neue Spie­ler sind ge­kom­men, vie­le al­te ge­gan­gen.

Ja, es hat sich viel ge­tan. Es gibt aber auch noch Spie­ler, die letz­tes Jahr schon da­bei wa­ren.

Bei all die­sen Ve­rän­de­run­gen – wie ha­ben die Ko­ro­na-Fans auf Ih­ren Ein­stieg re­agiert?

Am An­fang war es schon ei­ne ziem­lich ko­mi­sche Si­tua­ti­on. Es gibt im­mer Men­schen, die al­les in­fra­ge stel­len, wenn ei­ner et­was Neu­es ma­chen will. Ich muss­te vie­le Ar­gu­men­te lie­fern. Jetzt ist das aber kein The­ma mehr. Am En­de wol­len die Leu­te doch ein­fach nur, dass ihr Ver­ein Er­folg hat, und das will ich ja auch.

Was ist denn Ko­ro­nas Sai­son­ziel? Ist Platz fünf an­ge­sichts des gro­ßen Um­bruchs wie­der rea­lis­tisch?

Ja, die­se Re­gi­on ist wie­der un­ser Ziel. Wir müs­sen zwar erst mal schau­en, wie die nächs­ten Mo­na­te lau­fen, aber es ist schon klar zu er­ken­nen, dass die Mann­schaft gu­ten Fuß­ball spielt.

Ei­ner der ers­ten drei Plät­ze wür­de die Qua­li­fi­ka­ti­on für ei­nen eu­ro­päi­schen Wett­be­werb be­deu­ten. Ist das Ihr heim­li­cher Wunsch?

War­um soll­te es nicht klap­pen? Wenn al­les funk­tio­niert, kön­nen wir das schaf­fen. Im Grun­de ist es in Po­len ein­fa­cher, in den Eu­ro­pa­po­kal zu kom­men, als in Deutsch­land.

Ihr Ex-Ver­ein Wer­der ist dar­an in der Vor­sai­son knapp ge­schei­tert. Künf­tig wol­len Sie mit den Bre­mern ko­ope­rie­ren. Wie wird die Zu­sam­men­ar­beit aus­se­hen?

Ich ha­be nach wie vor ein sehr gu­tes Ver­hält­nis zu Wer­der. Wenn wir ei­nen in­ter­es­san­ten Spie­ler ha­ben, hat Wer­der im­mer den ers­ten Zu­griff dar­auf.

Gibt es denn schon mög­li­che Wech­sel­kan­di­da­ten?

Die­sen Som­mer wird sich nichts mehr tun, aber vi­el­leicht schon im Win­ter. Wir ha­ben ge­ra­de Elia So­ria­no aus Würz­burg ver­pflich­tet. Er ist ein Stür­mer, der die Qua­li­tät für die Bun­des­li­ga hät­te.

Bli­cken wir zum Ab­schluss noch kurz auf das Test­spiel am Frei­tag in Del­men­horst. Ist Kiel­ce stark ge­nug, um Wer­der zu schla­gen?

War­um nicht? Wir wol­len ge­win­nen.

FO­TO: WIT­TERS

Er­läu­tert sein Ge­schäfts­mo­dell: Wer­ders Eh­ren­spiel­füh­rer Die­ter Bur­den­ski.

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