Ein Fonds für Kin­der

Pro­jekt soll Ge­sund­heit von Mi­gran­ten för­dern – Ma­cher stüt­zen sich auf be­ste­hen­de Struk­tu­ren

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Fre­de­rik Gr­ab­be

tb­re DEL­MEN­HORST. Der Kin­der­schutz­bund Del­men­horst hat ei­nen Hilfs­fonds in­iti­iert, der Kin­der aus be­dürf­ti­gen Fa­mi­li­en un­ter­stüt­zen soll. Jetzt setzt der Vor­stand des Ver­eins auf fi­nan­zi­el­le Zu­wen­dun­gen aus Be­völ­ke­rung und Wirt­schaft, um ein gro­ßes Maß an Un­ter­stüt­zung bie­ten zu kön­nen.

Das Pro­jekt „Kon­text­check“soll die Ge­sund­heit von Mi­gran­ten för­dern. Wie kon­kret ge­hol­fen wird, soll noch er­mit­telt wer­den. Del­men­horst wur­de zur Mo­dell­kom­mu­ne er­nannt.

DEL­MEN­HORST. Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund sol­len in Del­men­horst bei der Ge­sund­heits­för­de­rung künf­tig mehr Hil­fe er­hal­ten. Grund hier­für ist, dass bei die­ser Be­völ­ke­rungs­grup­pe oft be­son­de­re Un­ter­stüt­zungs­be­dar­fe be­ste­hen. Das hat die Lan­des­ver­ei­ni­gung für Ge­sund­heit und Aka­de­mie für So­zi­al­me­di­zin (LVGAFS) Nie­der­sach­sen in Han­no­ver mit­ge­teilt. Dem­nach ge­hört Del­men­horst seit neu­es­tem zu sechs Mo­dell­kom­mu­nen, in de­nen das Pro­jekt „Kon­text­check aus­ge­führt“wer­den soll. Ziel ist es, un­ter Mi­gran­ten Krank­hei­ten zu ver­hin­dern und ih­re Ge­sund­heit zu för­dern.

Doch was ist un­ter dem Stich­wort Ge­sund­heits­för­de­rung für Mi­gran­ten zu ver­ste­hen? „In die­ser Be­völ­ke­rungs­grup­pe gibt es ei­ne Viel­zahl an Pro­blem­la­gen. Die­se fan­gen bei Sprach­kennt­nis­sen an und en­den bei tat­säch­li­chen me­di­zi­ni­schen Be­fun­den“, sagt Dr. Jo­hann Böh­mann, Chef der Kli­nik für Kin­der- und Ju­gend­me­di­zin am Jo­sef-Ho­s­pi­tal Del­men­horst und Ver­tre­ter der ört­li­chen Ge­sund­heits­re­gi­on, die beim neu­en Pro­jekt eben­falls ver­tre­ten ist. „Neh­men Sie das The­ma Ge­burt: Hat ei­ne schwan­ge­re Mi­gran­tin Pro­ble­me vor der Ent­bin­dung, kann sie die­se mög­li­cher­wei­se nur be­dingt mit­tei­len und in der Fol­ge wird vor­schnell ein Kai­ser­schnitt aus­ge­führt“, nennt der Me­di­zi­ner ein denk­ba­res Bei­spiel. Ein wei­te­res Feld bil­de­ten Pa­ti­en­ten aus Ost­eu­ro­pa, die im Hei­mat­land zwar be­han­delt wor­den sei­en, aber nicht die Un­ter­la­gen über ih­ren Krank­heits­ver­lauf vor­wei­sen ge­schwei­ge denn über die­sen Aus­kunft ge­ben könn­ten.

All die­se Pro­blem­la­gen ein­mal durch­zu­spie­len und ei­ne Über­sicht zu er­stel­len, wel­che Hilfs­an­ge­bo­te es ei­gent­lich schon gibt, soll Auf­ga­be von „Kon­text­check“sein. „Kom­mu­nen ha­ben in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit nicht zu­letzt durch die Ge­set­zes­la­ge ver­mehrt den Auf­trag zur Ge­sund­er­hal­tung er­hal­ten“, er­läu­tert LVGAFS-Re­fe­ren­tin Lea Oes­ter­le. „Oft­mals be­steht be­reits ei­ne Viel­zahl an An­ge­bo­ten, über die aber der Über­blick fehlt und bei de­nen die Ak­teu­re nichts über den an­de­ren wis­sen.“Und die­ses „Di­ckicht“gel­te es zu lich­ten. Hier setz­te das Pro­jekt be­reits ges­tern an, als im Nach­bar­schafts­zen­trum (NBZ) Wol­le­park ver­schie­de­ne Ak­teu­re zu­sam­men­ka­men. Ne­ben dem NBZ wa­ren et­wa die Dro­gen­be­ra­tungs­stel­le, die In­te­gra­ti­ons­lot­sen, die Stadt Del­men­horst oder ver­schie­de­ne Ar­beits- und Prä­ven­ti­ons­krei­se be­tei­ligt. Ne­ben ei­ner Be­stands­auf­nah­me über be­ste­hen­de An­ge­bo­te soll über wei­te­re Hil­fen nach­ge­dacht wer­den und dar­über, wie man die­ses Ge­samt­pa­ket auch an die Ziel­grup­pe bringt. Durch Be­fra­gun­gen soll sich die­se eben­falls ein­brin­gen dür­fen.

Wich­tig ist den Ak­teu­ren, den Be­griff Ge­sund­heit weit zu fas­sen, sagt Oes­ter­le. Der er­wähn­te Sprach­kurs tra­ge im wei­te­ren Sin­ne eben­so zur Ge­sund­heit bei, wie An­ge­bo­te zur Be­we­gung oder zur Ver­mei­dung von Über­ge­wicht, so die Re­fe­ren­tin. Oes­ter­le nennt ex­em­pla­risch die Fahr­rad­werk­statt des Nach­bar­schafts­zen­trums Wol­le­park als Bei­spiel.

Dass nun Del­men­horst nun aus­ge­wählt wur­de, lie­ge an dem ver­gleichs­wei­se ho­hen An­teil von Mi­gran­ten in der Ge­samt­be­völ­ke­rung. Die­se Grup­pe um­fasst für die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen glei­cher­ma­ßen Flücht­lin­ge, Spät­aus­sied­ler oder Zu­ge­wan­der­te in zwei­ter oder drit­ter Ge­ne­ra­ti­on.

Vor­teil­haft ist laut Oes­ter­le für Del­men­horst, dass man beim „Kon­text­check“auf vor­han­de­ne Struk­tu­ren auf­bau­en kön­ne: Del­men­horst ist seit Mai 2016 an­er­kann­te Ge­sund­heits­re­gi­on, ei­ne Ex­per­ten­grup­pe mit Be­tei­lig­ten aus ver­schie­de­nen Be­rei­chen er­ar­bei­tet dar­in zu­künf­tig re­le­van­te, ge­sund­heit­li­che Fra­ge­stel­lun­gen.

Von die­sen und an­de­ren Struk­tu­ren, wie sie et­wa auch die Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mi­gra­ti­on und Teil­ha­be der Stadt auf­ge­baut ha­be, pro­fi­tie­re der „Kon­text­check“. Oes­ter­le: „Wir müs­sen nicht von vor­ne an­fan­gen.“

SYM­BOL­FO­TO: WAL­TRAUD GRUBITZSCH/DPA

Be­darf ei­ner Ver­bes­se­rung: Wer­den­de El­tern ha­ben vor der Ent­bin­dung ei­nen er­höh­ten Be­ra­tungs­be­darf. Doch die­ser ist nicht im­mer ge­ge­ben, weil die Sprach­kennt­nis­se für den Aus­tausch mit dem Kran­ken­haus­per­so­nal nicht aus­rei­chen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.