Bre­men darf Ge­fähr­der ab­schie­ben

Eu­ro­päi­scher Ge­richts­hof hebt Ab­schie­be­stopp auf

Delmenhorster Kreisblatt - - REGION -

BRE­MEN/STRASSBURG. Deutsch­land darf ei­nen 18-jäh­ri­gen is­la­mis­ti­schen Ge­fähr­der nun doch aus Bre­men nach Russ­land ab­schie­ben. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te hob den vor­läu­fi­gen Stopp der Ab­schie­bung auf, wie am Di­ens­tag­abend in Straß­burg mit­ge­teilt wur­de.

Dem rus­si­schen Staats­bür­ger, der in Da­ges­tan ge­bo­ren wur­de und in Deutsch­land auf­ge­wach­sen ist, wird ein Ter­ror­an­schlag zu­ge­traut. Er soll mit der Ter­ror­mi­liz IS sym­pa­thi­sie­ren und sich in ei­nem Chat mit ei­nem Is­la­mis­ten aus Es­sen be­reit er­klärt ha­ben, ei­nen An­schlag auf Zi­vi­lis­ten zu ver­üben, sagt das Bre­mer In­nen­res­sort.

Die deut­schen Be­hör­den wol­len den jun­gen Mann des­halb ab­schie­ben. Der 18-Jäh­ri­ge sitzt seit Mit­te März in Bre­men in Si­che­rungs­haft, die zu­letzt bis zum 4. Sep­tem­ber ver­län­gert wor­den ist.

En­de Ju­li hat­te der Men­schen­rechts­ge­richts­hof die Ab­schie­bung vor­läu­fig ver­hin­dert. In letz­ter Mi­nu­te. Der 18-Jäh­ri­ge saß be­reits mit Po­li­zei-Es­kor­te im Au­to zum Frank­fur­ter Flug­ha­fen. Doch dann muss­te der Wa­gen wie­der um­dre­hen, die Ver­län­ge­rung der ab­ge­lau­fe­nen Ab­schie­be­haft beim Amts­ge­richt be­an­tragt wer­den.

End­gül­ti­ge Ent­schei­dung steht wei­ter aus

Ei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung dar­über, ob die Ab­schie­bung mit der Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­ein­bar ist, steht wei­ter aus. Der 18-Jäh­ri­ge ist der An­sicht, dass ihm in sei­nem Ge­burts­land Fol­ter, Über­wa­chung oder Ver­haf­tung dro­hen wür­den. Er be­fürch­tet auch, dass man ihn dort „ver­schwin­den“las­sen könn­te. (Be­schwer­de-Nr. 54646/17)

Die Ab­schie­bung wer­de nun für die nächs­ten Ta­ge vor­be­rei­tet, teil­te das Bre­mer In­nen­res­sort mit. Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um stützt die Ent­schei­dung. In­nen­se­na­tor Ul­rich Mäu­rer (SPD) sieht sich durch die Ent­schei­dung des Men­schen­rechts­ge­richts­hofs in sei­ner Rechts­auf­fas­sung be­stä­tigt. „Es wird nicht der letz­te Ge­fähr­der sein, den wir ab­schie­ben. Wei­te­re Ver­fah­ren sind in Vor­be­rei­tung.“

In Deutsch­land hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken ge­gen die Ab­schie­bung ge­habt. Das Auf­ent­halts­ge­setz (Pa­ra­graf 58a) er­laubt, Men­schen oh­ne deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit „zur Ab­wehr ei­ner be­son­de­ren Ge­fahr für die Si­cher­heit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land oder ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ge­fahr“in ei­nem be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren ab­zu­schie­ben. Die Re­ge­lung gibt es schon län­ger. Ver­stärkt Ge­brauch da­von ge­macht wird aber erst seit dem At­ten­tat vom Ber­li­ner Breit­scheid­platz kurz vor Weih­nach­ten 2016.

Bre­men steht bei den Ab­schie­bun­gen bis­lang mit gro­ßem Ab­stand an letz­ter Stel­le und bei den Dul­dun­gen ganz vorn. 2016 schob Bre­men 61 Per­so­nen ab, bis En­de Ju­ni die­ses Jah­res 33.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.