Wohn- und Schlaf­vor­stadt statt Lan­didyll?

Delmenhorster Kreisblatt - - GANDERKESEE - Pe­ter Funk Gan­der­ke­see

Zum Ar­ti­kel „60 Häu­ser im neu­en Bau­ge­biet“, dk am 5. Au­gust 2017.

Ein Traum­haus im Grü­nen: Die­ser Wunsch treibt si­cher vie­le jun­ge Fa­mi­li­en an. Be­son­ders at­trak­tiv, wenn es mal wie­der heißt, dass in un­mit­tel­ba­rer Nä­he auch gleich ei­ne neue Ki­ta (Kin­der­ta­ges­stät­te) ge­baut wer­den soll.A m 5. Au­gust be­rich­te­te das dk über die Pla­nun­gen zu ei­nem wei­te­ren Wohn­ge­biet im Nor­den von Gan­der­ke­see.

Da­bei ist durch die vie­len Wohn­ge­bie­te, die die Ge­mein­de in den letz­ten Jahr­zehn­ten um den Kern­ort her­um ge­schaf­fen hat, der ehe­mals dörf­li­che Cha­rak­ter von Gan­der­ke­see nach und nach im­mer mehr ver­lo­ren ge­gan­gen.

Erst die­ses Früh­jahr be­rich­te­te das dk da­von, wie der He­ge­ring ver­sucht, die in­zwi­schen sel­ten ge­wor­de­nen Fa­sa­ne künst­lich wie­der aus­zu­wil­dern.

In dem Ge­biet, für das nun En­de Au­gust der kon­kre­te Wohn­be­bau­ungs­plan BP 245 vor­ge­stellt wer­den soll, ha­ben die­se Sai­son Fa­sa­ne ge­nis­tet. Abends kön­nen wir die fast aus­ge­wach­se­nen Jung­vö­gel auf dem Feld hin­ter un­se­rem Gar­ten be­ob­ach­ten. Nun je­doch soll in ab­seh­ba­rer Zu­kunft die­ser Le­bens­raum wohl auch noch zer­stört wer­den. Heut­zu­ta­ge fin­den wir Men­schen in un­se­ren Su­per­märk­ten zu je­der Jah­res­zeit preis­güns­ti­ge Nah­rung im Über­fluss: Früh­lings­zwie­beln aus Ägyp­ten ne­ben Oran­gen aus Ma­rok­ko. Aber wird dies bei wach­sen­der Welt­be­völ­ke­rung, Kli­ma­wan­del, Miss­ern­ten und da­durch ver­ur­sach­ten Bür­ger­krie­gen in den be­trof­fe­nen Län­dern auch in Zu­kunft so blei­ben?

Es ist nicht un­wahr­schein­lich, dass die Ge­ne­ra­ti­on un­se­rer Kin­der oder En­kel das frucht­ba­re Land vor un­se­rer Haus­tür, das heu­te dem Ge­winn­stre­ben und Sied­lungs­bau ge­op­fert wer­den soll, spä­ter bit­ter ver­mis­sen wer­den, falls die bil­li­gen Le­bens­mit­tel-Im­por­te von heu­te ir­gend­wann aus­blei­ben.

Es ist ver­ständ­lich, dass die Land­ei­gen­tü­mer jetzt, wo die Nach­fra­ge nach Bau­land durch güns­ti­ge Kre­di­te so im­mens be­feu­ert wird, ih­re Flä­chen lie­ber an In­ves­to­ren ver­kau­fen und be­bau­en las­sen wol­len, als sich mit kar­gen Pacht­ein­nah­men aus der Land­wirt­schaft zu­frie­den­zu­ge­ben. Ich be­zweif­le je­doch, dass das im In­ter­es­se al­ler Bür­ger von Gan­der­ke­see ist. Ei­ne ver­ant­wort­li­che lang­fris­tig auf die Zu­kunft aus­ge­rich­te­te Po­li­tik soll­te dem Flä­chen­ver­brauch durch stän­dig neue Woh­nund Ge­wer­be­ge­bie­te all­mäh­lich Ein­halt ge­bie­ten.

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