Ban­gen um JHD-Hil­fe der Kir­che

Ap­pell des Stadt­rats – Droht In­sol­venz?

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Micha­el Korn

Im Rin­gen um die Ret­tung des fi­nan­zi­ell an­ge­schla­ge­nen Jo­sef-Ho­s­pi­tals hängt al­les von ei­ner Mil­lio­nen­hil­fe durch die Kir­che als Mehr­heits­eig­ne­rin ab. Der Stadt­rat hat mit ei­nem Zu­schuss von 300 000 Eu­ro vor­ge­legt — der fi­nan­zi­el­le Se­gen der Kir­che fehlt.

DEL­MEN­HORST. Dem fi­nan­zi­ell schwer an­ge­schla­ge­nen Jo­sef-Ho­s­pi­tal Del­men­horst (JHD) droht of­fen­bar die In­sol­venz. Dies wä­re dem Ver­neh­men nach der Fall, wenn die ka­tho­li­sche Kir­che als Mehr­heits­eig­ne­rin nicht be­reit ist, den Lö­wen­an­teil der Li­qui­di­täts­lü­cke von drei Mil­lio­nen Eu­ro zu schul­tern. Und es gibt in Rats­krei­sen eben die­se Si­gna­le, dass die Kir­che die fäl­li­gen 2,7 Mil­lio­nen Eu­ro nicht oder nicht in die­ser Hö­he über­neh­men will. Die Stadt als Ju­ni­or­part­ner hat­te da­ge­gen ges­tern Mit­tag per Eil­be­schluss des Ra­tes ih­ren An­teil von 300 000 Eu­ro mit gro­ßer Mehr­heit bei drei Ge­gen­stim­men be­wil­ligt – al­ler­dings mit der Be­sorg­nis, dass der Fehl­be­trag in nächs­ter Zeit noch hö­her aus­fal­len könn­te.

Die Kir­che be­zie­hungs­wei­se der Lan­des­ca­ri­tas­ver­band lehn­te ges­tern auf dk-An­fra­ge jeg­li­che Zu­stän­dig­keit und Stel­lung­nah­me ab und ver­wies auf JHDGe­schäfts­füh­rer Ralf Del­ker, der die De­ckung der Drei-Mil­lio­nen-Lü­cke be­an­tragt hat­te und zu­dem ei­nen Per­so­nal­ab­bau an­kün­dig­te. Of­fen­bar war die Kir­che da­von aus­ge­gan­gen, dass die Stadt den durch man­geln­de Bet­ten­aus­las­tung ver­ur­sach­ten Fehl­be­trag voll­stän­dig oder größ­ten­teils trägt. Del­ker war bis Re­dak­ti­ons­schluss eben­so wie Ober­bür­ger­meis­ter Axel Jahnz als füh­ren­der städ­ti­scher Ver­tre­ter in Auf­sichts­rat und Ge­sel­lJHD für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht zu er­rei­chen. Teil­neh­mer der ver­trau­li­chen Sit­zun­gen be­rich­te­ten da­von, dass man sich auf den Ober­bür­ger­meis­ter als Aus­kunfts­be­rech­tig­ten ver­stän­digt ha­be.

In der Rats­sit­zung gab es zu­vor denn auch mehr­fach Ap­pel­le an die Kir­che, Mit­ver­ant­wor­tung für die Ret­tung des JHD zu über­neh­men. SPD-Frak­ti­ons­che­fin Bet­ti­na Oes­ter­mann er­klär­te für die Al­li­anz aus SPD, CDU, FDP, Grü­nen, Lin­ken und Pi­ra­ten, die den Dring­lich­keits­an­trag für die Ge­wäh­rung der städ­ti­schen Fi­nanz­hil­fe be­an­tragt hat­te: „Nun muss die Kir­che zei­gen, dass sie stark ge­nug ist, ih­ren An­teil zu leis­ten.“Auch Frau­ke Wöh­ler (CDU) hofft, „dass die Kir­che mit­zieht“. Bei ei­ner In­sol­venz ste­he zu be­fürch­ten, dass es kei­ne 70-Mio.-För­de­rung für ei­nen Neu­bau mehr gibt und da­mit auch kein Kran­ken­haus mehr in Del­men­horst. Oes­ter­mann be­kräf­tig­te zu­dem, dass die ge­gen­wär­ti­ge Si­tua­ti­on jetzt die Ge­le­gen­heit bie­te, den städ­ti­schen Ge­sell­schafts­an­teil von 10 auf 51 Pro­zent an­zu­he­ben.

Na­he­zu al­le Frak­tio­nen stell­ten sich aus­drück­lich hin­ter das JHD und vor al­lem den Er­halt der 1000 Ar­beits­plät­ze. Ober­bür­ger­meis­ter Jahnz sprach von ei­nem wich­ti­gen Si­gnal, dass von dem 300 000-Eu­ro-Zu­schuss für die Stadt, die Ge­sund­heits­ver­sor­gung und das JHD aus­ge­he. Gleich­wohl ge­be es vie­le of­fe­ne Fra­gen, die von der Kran­ken­haus-Lei­tung noch be­ant­wor­tet wer­den müs­sen. Uwe Däh­ne (Un­ab­hän­gi­ge) hin­ge­gen kri­ti­sier­te den Zu­schuss-An­trag als „völ­lig un­zu­rei­chend“. Es fehl­ten ein Sa­nie­rungs­kon­zept und Aus­sa­gen der Kir­che zur Mit­fi­nan­zie­rung der Li­qui­di­täts­lü­cke. Däh­ne: „So ist das JHD nicht zu ret­ten.“Eva Sas­sen (Bür­ger­fo­rum) und Pe­ter Stemm­ler (UAD) stimm­ten

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