Paar­fo­tos für mehr To­le­ranz

Hob­by­fo­to­gra­fin Kan­da Gra­zi­us fo­to­gra­fiert un­ge­wöhn­li­che Paa­re als Zei­chen ge­gen Hass

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Flo­ri­an Fa­boz­zi

Um Dis­kri­mi­nie­run­gen und Aus­gren­zun­gen ent­ge­gen­zu­tre­ten, plant die 23-jäh­ri­ge Del­men­horste­rin Kan­da Gra­zi­us ein Fo­to­pro­jekt. Das Mot­to: Lie­be ist viel­fäl­tig.

DEL­MEN­HORST. Erst zwei Mo­na­te ist es her, dass die Bun­des­re­gie­rung das Ge­setz zur Le­ga­li­sie­rung der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe ver­ab­schie­de­te und da­mit Mil­lio­nen von ho­mo­se­xu­el­len Paa­ren den Weg für ein voll­kom­me­nes Zu­sam­men­le­ben eb­ne­te. Dass es bis zur ge­sell­schaft­li­chen Gleich­stel­lung von ho­mo­se­xu­el­len Paa­ren al­ler­dings noch ein har­ter, stei­ni­ger Weg ist, be­kam Kan­da Gra­zi­us aus Del­men­horst erst kürz­lich zu spü­ren. Im Ju­ni be­glei­te­te die 23-jäh­ri­ge Kran­ken­schwes­ter ei­ni­ge ih­rer ho­mo­se­xu­el­len Freun­de zum Chris­to­pher Street Day nach Ol­den­burg und ern­te­te da­für Spott und Ver­ach­tung aus dem ei­ge­nen Be­kann­ten­kreis. Die­se of­fe­ne Ab­nei­gung ver­an­lass­te sie, Initia­ti­ve ge­gen Ho­mo­pho­bie und Dis­kri­mi­nie­rung zu er­grei­fen.

„Lo­ve is dif­fe­rent“ist der prä­gnan­te Ti­tel des Pro­jek­tes, das Kan­da Gra­zi­us ak­tu­ell in die We­ge lei­tet. Es han­delt sich um ein Fo­to­gra­fie­pro­jekt, zu des­sen Zweck sie au­ßer­ge­wöhn­li­che Paa­re tref­fen und ab­lich­ten möch­te. Da­bei liegt der Fo­kus nicht al­lein auf ho­mo­se­xu­el­len Paa­ren, son­dern auf all je­ne Paa­re, die von der „Norm“ab­wei­chen und die sich in der Ver­gan­gen­heit Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt sa­hen. Die Fo­tos sol­len zu mehr To­le­ranz er­mah­nen. Auch die Paa­re selbst dür­fen sich in ein paar Sät­zen zu Wort mel­den – mit ei­nem Ap­pell für Of­fen­heit und Viel­falt. Ver­öf­fent­licht wer­den die Fo­tos an­schlie­ßend auf der Face­book­sei­te „Can­dy Photography“.

Für das Pro­jekt macht sich Kan­da Gra­zi­us ihr fo­to­gra­fi­sches Know-how zu Nut­ze. Die ge­bür­ti­ge Thai­län­de­rin ist Hob­by­fo­to­gra­fin und legt Wert dar­auf, die Paa­re pas­send in Sze­ne zu set­zen. „Wich­tig ist, dass sie sich nicht ver­stel­len“, er­klärt sie. Da­her ver­sucht sie, die Paa­re in ty­pi­schen All­tags­sze­nen zu fo­to­gra­fie­ren.

Wie tief Vor­ur­tei­le und Hass in der Ge­sell­schaft ver­an­kert sind, er­lebt die 23Jäh­ri­ge täg­lich in so­zia­len Netz­wer­ken. „Die Kom­men­ta­re un­ter vie­len Posts kann man sich über­haupt nicht mehr durch­le­sen“, er­zählt sie be­trübt. Ge­ra­de Face­book müs­se ge­gen dis­kri­mi­nie­ren­de und het­ze­ri­sche Kom­men­ta­re ei­ne här­te­re Li­nie ver­fol­gen. Ih­rer An­sicht nach liegt die Wur­zel des Has­ses im El­tern­haus: „Vie­le ho­mo­pho­be Kom­men­ta­re kom­men von Leu­ten aus ei­nem kon­ser­va­ti­ven Fa­mi­li­en­um­feld.“

Die Le­ga­li­sie­rung der Ho­mo-Ehe auf Bun­des­ebe­ne sei si­cher mehr als nur ein Trop­fen auf dem hei­ßen St­ein – schließ­lich ha­ben vie­le Ak­ti­vis­ten jah­re­lang da­für ge­kämpft. Doch Po­li­tik al­lein kön­ne, so Kan­da Gra­zi­us, ge­sell­schaft­li­che Pro­ble­me nicht lö­sen und die Bar­rie­ren in den Köp­fen der Men­schen nicht auf­bre­chen.

Sie ist in­des op­ti­mis­tisch mit ih­rem Pro­jekt vie­le Men­schen er­rei­chen zu kön­nen und da­bei zu hel­fen, Res­sen­ti­ments zu be­sei­ti­gen. Das ers­te Feed­back sei po­si­tiv und be­reits sechs Paa­re ha­ben In­ter­es­se an ei­ner Teil­nah­me be­kun­det. „Es gibt kei­nen Grund zur Scheu. Je­de Be­zie­hung ist auf in­di­vi­du­el­le Art und Wei­se et­was Be­son­de­res“, er­zählt sie vol­ler In­brunst. Aus der Sicht ei­ner Fo­to­gra­fin er­freue es sie vor al­lem, die Paa­re mit schö­nen Bil­dern be­schen­ken zu kön­nen. Letzt­lich sieht sie in „Lo­ve is dif­fe­rent“auch die Er­fül­lung ei­ner ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung: „Ich kann die Welt zwar nicht ret­ten, aber je­mand muss doch den ers­ten Schritt ma­chen.“

FO­TO: ANDRE­AS WOHLERS FO­TO­GRA­FIE

En­ga­giert sich für mehr To­le­ranz in der Ge­sell­schaft: Kan­da Gra­zi­us.

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