Mil­lio­nen­aus­ga­ben für den Wolf

Um­welt­res­sort hält Kos­ten für an­ge­mes­sen – CDU: Agrar­mi­nis­ter soll für Raub­tier zu­stän­dig sein

Delmenhorster Kreisblatt - - NORDWEST - Von Dirk Fis­ser

Das nie­der­säch­si­sche Um­welt­mi­nis­te­ri­um hat jetzt die Rech­nung zum Wolf prä­sen­tiert: Seit der Rück­kehr des Raub­tiers sind dem­nach et­wa 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro für Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, DNA-Un­ter­su­chun­gen oder Per­so­nal aus­ge­ge­ben wor­den.

HAN­NO­VER. CDU-Po­li­ti­ker Ernst-Ingolf An­ger­mann sprach von „enor­men Kos­ten“und warn­te: „So­lan­ge sich die Po­pu­la­ti­on wei­ter un­ge­bremst ver­grö­ßert, wer­den auch die Aus­ga­ben für den Wolf wei­ter stei­gen.“Be­son­ders kri­tisch be­wer­te­te An­ger­mann die Aus­ga­ben für DNA-Un­ter­su­chun­gen bei ge­tö­te­ten Nutz­tie­ren. So soll fest­ge­stellt wer­den, ob der Wolf tat­säch­lich Ver­ur­sa­cher ist und den Tier­hal­tern ei­ne Ent­schä­di­gung zu­steht. Das Mi­nis­te­ri­um führt da­für Aus­ga­ben von knapp 200 000 Eu­ro seit 2013 an.

An­ger­mann for­der­te ei­ne Be­weis­last­um­kehr. „Die­se Kos­ten ste­hen in kei­nem Ver­hält­nis zum Nut­zen und wer­den bei der Ein­füh­rung der Be­weis­last­um­kehr über­flüs­sig.“Für be­trof­fe­ne Tier­hal­ter wä­re es dann leich­ter mög­lich, Ent­schä­di­gun­gen zu er­hal­ten. Bis jetzt hat der Wolf et­wa 670 Nutz­tie­re in Nie­der­sach­sen nach­weis­lich oder sehr wahr­schein­lich ge­tö­tet. Das geht aus ei­ner Auf­lis­tung der Lan­des­jä­ger­schaft her­vor, die der Ver­band im Auf­trag des Lan­des führt

Der Na­tur­schutz­bund Na­bu ver­tei­dig­te die Aus­ga­ben für den Wolf. Spre­cher Phi­lip Foth sag­te: „Die Ein­wan­de­rung des Wol­fes führt zu Ve­rän­de­run­gen, die zu­min­dest in den An­fän­gen fi­nan­zi­ell un­ter­stützt wer­den müs­sen, da ei­ne Ak­zep­tanz sonst nicht er­reicht wür­de.“Sei­ner Aus­sa­ge nach zah­len sich Prä­ven­ti­on und die Un­ter­stüt­zung der Wei­de­tier­hal­ter aus. Er ver­wies aus Zah­len in Sach­sen, wo­nach die Zahl der Über­grif­fe durch Wöl­fe im Ver­hält­nis zur Zahl der nach­ge­wie­se­nen Wolfs­re­vie­re rück­läu­fig ist. „Wir müs­sen von den Bun­des­län­dern mit län­ge­rer Wolfs­er­fah­rung ler­nen.“

Das Um­welt­mi­nis­te­ri­um be­tont, der Wolf sei ei­ne nach EU- und Bun­des­recht streng ge­schütz­te Art. „Die dar­aus re­sul­tie­ren­den Kos­ten zur Ge­währ­leis­tung ei­nes rechts­kon­for­men Um­gangs mit dem Wild­tier hal­ten wir für an­ge­mes­sen.“Das Mi­nis­te­ri­um weist dar­auf hin, dass bei­spiels­wei­se durch äsen­de Gän­se oder Wild­un­fäl­le deut­lich hö­he­re Schä­den ent­stün­den. „Im Üb­ri­gen hilft der Wolf, die Wild­ver­biss-Kos­ten im Wald zu re­du­zie­ren.“

Die CDU hin­ge­gen scheint we­ni­ger ge­dul­dig, was den Wolf an­geht und plant im Fal­le ei­nes Wahl­sie­ges im Ok­to­ber ei­ni­ge Än­de­run­gen. Schat­ten­agrar­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Ot­te-Ki­nast kri­ti­sier­te im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on die Lan­des­re­gie­rung. Agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Mey­er ha­be den Wolf nicht ernst ge­nom­men und die Ver­ant­wor­tung an das Um­welt­mi­nis­te­ri­um von Ste­fan Wen­zel (bei­de Grü­ne) ab­ge­scho­ben.

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