Rat bremst bei Park­haus

Pla­nungs­po­li­ti­ker ver­ta­gen Be­schluss – Ver­wal­tung warnt vor Ver­zö­ge­run­gen

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Micha­el Korn

Die Rats­po­li­tik ver­tagt ei­ne wich­ti­ge Ent­schei­dung zum Ci­ty-Park­haus. Der Haupt­grund: Die un­si­che­re La­ge beim Jo­sef-Ho­s­pi­tal.

DELMENHORST. Völ­lig über­ra­schend ge­riet die gest­ri­ge Sit­zung des Pla­nungs­aus­schus­ses zu ei­nem Mus­kel­spiel zwi­schen Po­li­tik und Ver­wal­tung: Ei­gent­lich soll­ten wich­ti­ge Be­schlüs­se für drän­gen­de Bau­vor­ha­ben wie al­len vor­an das Ci­ty-Park­haus ge­fasst wer­den. Doch fand sich je­weils ei­ne Rats­mehr­heit, die die Ent­schei­dun­gen we­gen Be­ra­tungs­be­darfs ver­tag­te. Be­trof­fen wa­ren ne­ben dem Park­haus ei­ne ge­plan­te Ki­ta im Wol­le­park so­wie das Kli­ni­kum-Ge­län­de an der Wil­des­hau­ser Stra­ße.

Die Ver­wal­tung mit Bau­rä­tin Bi­an­ca Ur­ban an der Spit­ze müh­te sich ver­geb­lich, auf den er­heb­li­chen zeit­li­chen Auf­schub der Pro­jek­te hin­zu­wei­sen, die ein aus­blei­ben­der po­si­ti­ver Be­schluss nach sich zie­hen wür­de. Vor al­lem beim Ci­ty-Park­haus warb Ur­ban mit En­gels­zun­gen für ein Vo­tum: „Der In­nen­stadt fehlt der­zeit ein Park­haus, es gibt den drin­gen­den Wunsch nach Park­plät­zen. En­de 2018 ist die Fer­tig­stel­lung vor­ge­se­hen. Ein Ab­set­zen wä­re fa­tal, weil jetzt die Bau­ge­neh­mi­gung er­teilt wer­den soll. Es dro­hen deut­li­che Ver­zö­ge­run­gen, auch we­gen der EU-wei­ten Aus­schrei­bung.“Das Haupt­ar­gu­ment der Auf­schub-Be­für­wor­ter mit An­trag­stel­ler Mu­rat Kal­mis (FDP) an der Spit­ze ist die un­si­che­re La­ge beim in­sol­venz­be­droh­ten Jo­sef-Ho­s­pi­tal (JHD). Es sei un­klar, ob die für den Kli­nik-Neu­bau vor­ge­se­he­nen 200 Park­plät­ze im Park­haus auch tat­säch­lich be­nö­tigt wer­den. In­so­fern kön­ne die Stadt zum jet­zi­gen Zeit­punkt kei­ne pla­nungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen.

Mit der un­si­che­ren JHDZu­kunft ar­gu­men­tier­te die Mehr­heit der Frak­tio­nen auch beim Kli­ni­kum-Ge­län­de in Deich­horst. Hier platz­te al­ler­dings Stadt­pla­ner Ul­rich Ihm kurz­zei­tig der Kra­gen: „Wir ma­chen uns die Ar­beit und dann wird von man­chem im Rat nicht ein­mal die Vor­la­ge gelesen.“Es ge­he schließ­lich le­dig­lich um die Er­mitt­lung von Grund­la­gen, die Ba­sis sein sol­len für künf­ti­ge Nut­zungs­über­le­gun­gen nach Um­zug des JHD 2022 in die In­nen­stadt. Im­mer­hin rang sich der Aus­schuss nach Sit­zungs­un­ter­bre­chung da­zu durch, dem über­ge­ord­ne­ten Ver­wal­tungs­aus­schuss die Emp­feh­lung aus­zu­spre­chen, die Ver­mes­sung des Kli­nik-Grund­stücks an der Wil­des­hau­ser Stra­ße zu­zu­las­sen.

Auf die Brem­se trat die Po­li­tik auch beim Vor­stoß der Ver­wal­tung, auf dem frei­ge­räum­ten Wol­le­par­kGe­län­de an der Ste­din­ger Stra­ße ei­ne Ki­ta zu bau­en. Auch hier trat Kal­mis als Ab­leh­ner her­vor. Die­ser Stand­ort an ei­ner stark be­fah­re­nen Stra­ße sei falsch. Au­ßer­dem ha­be es ei­nen Grund­satz­be­schluss für Woh­nen und Ge­wer­be ge­ge­ben. Rats­frau Eva Sas­sen (Bür­ger­fo­rum) sprang dem Li­be­ra­len bei, kri­ti­sier­te das Vor­pre­schen der Ver­wal­tung und be­kräf­tig­te, es feh­le ein Ge­samt­kon­zept.

Be­schlos­sen wur­de hin­ge­gen ein­stim­mig, dass ei­ne vor­mals für Sport vor­ge­se­he­ne Flä­che an der Schre­ber­stra­ße in An­nen­hei­de für den Bau ei­ner Kin­der­ta­ges­stät­te ge­nutzt wird.

Ab Au­gust nächs­ten Jah­res bie­tet die Stadt­bü­che­rei Delmenhorst ei­ne Aus­bil­dungs­stel­le als Fach­an­ge­stell­ter für Me­di­en und In­for­ma­ti­ons­diens­te (FAMI) an. Die Be­wer­bungs­pha­se läuft noch.

DELMENHORST. Die Stadt­bü­che­rei Delmenhorst möch­te An­ge­stell­te künf­tig sel­ber aus­bil­den. Die Aus­bil­dung zum Fach­an­ge­stell­ten soll sich über drei Jah­re er­stre­cken.

Zu­vor wur­den stets ex­tern aus­ge­bil­de­te An­ge­stell­te an­ge­wor­ben, da der Markt über ge­nü­gend Be­wer­ber ver­füg­te. „Heut­zu­ta­ge man­gelt es al­ler­dings an Be­wer­bern für die Stel­le als FAMI und der de­mo­gra­fi­sche Wan­del tut sein Üb­ri­ges“, er­klärt Aus­bil­dungs­lei­ter Jan Kru­se. Des­we­gen set­ze man nun auf in­ter­ne Aus­bil­dung.

Die Lei­te­rin der Stadt­bü­che­rei An­ni­ka Schmidt be­tont, dass die Be­rufs­be­zeich­nung des FAMI häu­fig falsch ver­stan­den wird: „Als FAMI ist man we­der In­for­ma­ti­ker noch Teil der Me­dien­bran­che.“Des­we­gen sei es wich­tig, das Be­rufs­feld kon­kret zu de­fi­nie­ren.

So steht das ers­te Aus­bil­dungs­jahr der FAMIs ganz im Zei­chen der Ver­wal­tung. Der FAMI über­wacht Aus­lei­hen und Rück­ga­ben der Me­di­en. Im zwei­ten Lehr­jahr wird der Auf­ga­ben­be­reich des FAMIs durch Kun­den­be­ra­tung und die Ka­ta­lo­gi­sie­rung von neu ein­tref­fen­den Me­di­en er­gänzt. Im letz­ten Lehr­jahr darf man sich als Lei­ter von Ver­an­stal­tun­gen er­pro­ben und über­nimmt oben­drein die Ver­ant­wor­tung für die Kin­der­buch­ab­tei­lung.

„Bü­cher­wür­mer sind gern ge­se­hen, doch die Lie­be zum Le­sen ist nur zweit­ran­gig“, er­klärt Schmidt. So­zia­le Kom­pe­tenz ste­he an ers­ter Stel­le, denn in ei­ner Bü­che­rei kommt man in Kon­takt mit Per­so­nen aus al­len Al­ters­grup­pen. Ne­ben ei­nem Re­al­schul­ab­schluss wer­den au­ßer­dem gu­te EDV- und grund­le­gen­de Ma­the­ma­tik­kennt­nis­se vor­aus­ge­setzt.

Ein Vor­zug der Stadt­bü­che­rei sei die gu­te Ver­net­zung. Die­se bie­tet den Aus­zu­bil­den­den ei­ne Viel­zahl an Prak­ti­ka in der Re­gi­on, un­ter an­de­rem in Kran­ken­haus­ar­chi­ven oder im Stadt­ar­chiv. Wer die Ar­beit in ei­ner grö­ße­ren Stadt­bi­blio­thek ken­nen­ler­nen möch­te, der kann sich für ein Prak­ti­kum bei der Bre­mer Stadt­bi­blio­thek be­wer­ben. „Von den Er­fah­run­gen, die Aus­zu­bil­den­de in den Prak­ti­ka sam­meln, kön­nen auch wir pro­fi­tie­ren“, un­ter­streicht Schmidt.

Noch bis zum 3. De­zem­ber läuft die Be­wer­bungs­pha­se. Zwei Ta­ge spä­ter, am 5. De­zem­ber, sol­len die Be­wer­ber in ei­nem schrift­li­chen Test ih­re Eig­nung un­ter Be­weis stel­len. Am 18. De­zem­ber be­gin­nen schließ­lich die Vor­stel­lungs­ge­sprä­che.

Bei Fra­gen zur Aus­bil­dung steht An­ni­ka Schmidt vor Ort als An­sprech­part­ne­rin zur Ver­fü­gung.

FO­TO: FA­BOZ­ZI

Ala­na Ge­rigk ist als FAMI in der Stadt­bü­che­rei tä­tig.

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