Ide­en für ein „his­to­ri­sches Schätz­chen“

Nach Ver­kauf des Spar­kas­sen-Are­als: Werk­statt­ver­fah­ren soll zu­künf­ti­ge Nut­zung aus­lo­ten

Delmenhorster Kreisblatt - - REGION - Von Stef­fen Kol­ler

BRE­MEN. Das Spar­kas­senA­re­al Am Brill ist ver­kauft, jetzt müs­sen Ide­en für die Zu­kunft her. Ar­chi­tek­ten­teams, die Spar­kas­se Bre­men, Bau- und Wirt­schafts­res­sort so­wie Bür­ger ha­ben sich am Mon­tag­abend zum Auf­takt ei­nes so­ge­nann­ten Werk­statt­ver­fah­rens ge­trof­fen und öf­fent­lich Ent­wür­fe für den Stamm­sitz in der In­nen­stadt dis­ku­tiert. Sie sol­len als Grund­la­ge für die Auf­stel­lung ei­nes spä­te­ren Be­bau­ungs­plans die­nen.

Die Bre­mer In­nen­stadt sei von „Dy­na­mik und Auf­bruchs­stim­mung ge­prägt, wie seit Jah­ren nicht mehr“, sagt Bau­se­na­tor Joa­chim Loh­se (Grü­ne) und bringt im sel­ben Atem­zug das Spar­kas­sen-Are­al zur Spra­che. En­de Sep­tem­ber 2020 will das Fi­nanz­in­sti­tut sei­ne Kof­fer pa­cken und im Tech­no­lo­gie­park an der Uni­ver­si­tät sei­nen neu­en Sitz be­zie­hen. Sor­gen und Ängs­te, was künf­tig mit dem rund 11000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Ge­län­de pas­sie­re, sei­en laut Loh­se „ab­so­lut ver­ständ­lich“, doch be­inhal­te der Weg­zug auch „gro­ße Po­ten­zia­le“. Ge­nau um die geht es am Mon­tag­abend im obers­ten Stock des Stamm­sit­zes Am Brill.

An The­men­ti­schen dis­ku­tie­ren Bür­ger, Ver­tre­ter aus Po­li­tik und Wirt­schaft die zu­künf­ti­ge Gestal­tung des Ge­bäu­des mit der his­to­ri­schen und denk­mal­ge­schütz­ten Schal­ter­hal­le aus dem Jahr 1906. Zu­sam­men mit Ar­chi­tek­ten­teams aus Müns­ter (Bol­lens & Wil­son), Ber­lin (Ro­bert­neun Ar­chi­tek­ten) und Bre­men (West­phal Ar­chi­tek­ten) ge­hen sie die ver­schie­de­nen Be­rei­che „Nut­zung“, „Ar­chi­tek­tur“und „Öf­fent­li­cher Raum/Er­schlie­ßung“an, dis­ku­tie­ren Vor­schlä­ge, Ängs­te und Mach­bar­kei­ten ein­zel­ner Ide­en. „Ist ei­ne Nut­zung be­reits pro­gram­miert?“, „Wie sieht die zu­künf­ti­ge Park­si­tua­ti­on aus?“und „Wel­che Mi­schung aus Di­enst­leis­tung, Woh­nen, Bü­ro­flä­chen und Ein­zel­han­del bie­tet sich für die Stadt an?“stel­len da­bei nur ei­nen klei­nen Aus­schnitt der dis­ku­tier­ten Fra­gen dar.

Man müs­se an über­mor­gen den­ken, an An­bin­dun­gen für Rad- und Fuß­ver­kehr. Es wird über Un­ter­füh­run­gen und Brü­cken ge­spro­chen, über ei­nen Rück­bau der Bür­ger­meis­terS­midt-Stra­ße – und nicht zu­letzt über an­fal­len­de Kos­ten dis­ku­tiert.

Al­le Über­le­gun­gen wer­den nun ge­sam­melt und sol­len den ver­schie­de­nen Ar­chi­tek­ten­teams als Grund­la­ge für ih­re wei­te­ren Über­le­gun­gen die­nen, so der Plan. Bei ei­nem zwei­ten Fo­rum, vor­ge­se­hen für Ja­nu­ar 2018, wer­den die Ide­en in ei­ner öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tung prä­sen­tiert, heißt es da­zu. Wie die­se aus­se­hen könn­ten, ist bis­lang un­klar. Klar schei­nen sich aber al­le dar­über zu sein, dass es sich, so Se­nats­bau­di­rek­to­rin Iris Reu­ther, um „ein his­to­ri­sches Schätz­chen“han­de­le und die­ses nun „ein neu­es Ge­sicht“brau­che. Be­son­ders mit Blick auf die so­ge­nann­te „Schar­nier­funk­ti­on“sei das Are­al „ein ziem­lich ge­wich­ti­ges Stück Stadt“.

Joa­chim Döpp, Vor­stands­mit­glied der Spar­kas­se Bre­men, scheint in­des nicht son­der­lich be­trübt über den bal­di­gen Weg­zug. Man ha­be sich auch für ei­nen neu­en Stand­ort ent­schie­den, weil das Are­al, das nun an die in­ter­na­tio­na­le In­ves­to­ren­grup­pe um die Fa­mi­lie Sch­a­pi­ra geht, ei­nem „po­tem­kin­sches Dorf“äh­ne­le, al­so ei­nem Ort, der nach au­ßen at­trak­tiv wir­ke, im In­ne­ren aber ma­ro­de sei. „20 Pro­zent der Zeit ist hier nur Le­ben drin, für Fran­ken­stein Ju­ni­or ei­ne Hor­ror­vor­stel­lung – kein fri­sches Blut“, sagt Döpp. Bleibt zu hof­fen, dass sich das bald än­dert. Nicht nur Fran­ken­stein wür­de sich freu­en.

FO­TO: STEF­FEN KOL­LER

Brü­cken oder Tun­nel? Wohn­raum oder Bü­ro­flä­chen? Zu­sam­men mit Se­nats­bau­di­rek­to­rin Iris Reu­ther (vor­ne) dis­ku­tier­ten Bür­ger, Ver­tre­ter aus Po­li­tik und Wirt­schaft so­wie Ar­chi­tek­ten Ide­en zur künf­ti­gen Nut­zung des Spar­kas­sen-Are­als Am Brill.

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