Staats­an­walt spricht bei ge­tö­te­ter Frau von Eh­ren­mord

An­ge­klag­ter Ehe­mann be­strei­tet Mord­ab­sicht

Delmenhorster Kreisblatt - - GANDERKESEE · LANDKREIS - Von Ole Ro­sen­bohm

OL­DEN­BURG/WARDENBURG. Den Fall ei­ner durch die Hand ih­res Ehe­manns um­ge­kom­me­nen War­den­bur­ge­rin ver­han­del­te ges­tern das Land­ge­richt Ol­den­burg im drit­ten Pro­zess­tag. Die Tö­tung durch meh­re­re Mes­ser­sti­che hat­te der An­ge­klag­te zu­ge­ge­ben, die Mord­ab­sicht be­stritt er. Ein Streit sei es­ka­liert, an den Her­gang kön­ne er sich nicht er­in­nern. Für das Ge­richt geht es so um die Fra­ge, ob es den Fall als Tot­schlag oder Mord wer­tet.

Nach An­sicht der Staats­an­walt­schaft war es Mord, ein so­ge­nann­ter „Eh­ren­mord“. Grund sei die – be­reits ab­ge­schlos­se­ne – Be­zie­hung der Frau am frü­he­ren Wohn­ort Gel­sen­kir­chen zu ei­nem Bru­der des An­ge­klag­ten. Der An­walt des An­ge­klag­ten fin­det die­se Ar­gu­men­ta­ti­on „kon­stru­iert“, sieht die Tat eher als Kurz­schluss­re­ak­ti­on sei­nes Man­dan­ten, sieht al­so ei­nen Tot­schlag. Die Fa­mi­lie war vor et­wa zehn Jah­ren aus dem Irak ein­ge­wan­dert.

Laut An­kla­ge hat der Ehe­mann ge­gen 3 Uhr mor­gens drei­mal auf sei­ne schla­fen­de Ehe­frau ein­ge­sto­chen. Sie konn­te flie­hen, er er­wisch­te sie wie­der, stach wei­te­re sechs Mal zu. Dar­an starb sie wohl. Die fünf Kin­der be­fan­den sich noch im Haus, als der blut­ver­schmier­te Va­ter in der Nacht fest­ge­nom­men wur­de. Aus den Zeu­gen­aus­sa­gen kann zu­min­dest die Öf­fent­lich­keit kaum schlau wer­den: Die engs­ten Ver­wand­ten des An­ge­klag­ten ha­ben vom Recht auf Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung Ge­brauch ge­macht, die des Op­fers nur vor lee­ren Zu­schau­er­bän­ken im Ge­richts­saal ge­re­det.

Den Grund für den Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit hat­te dem Ge­richt ei­ne als Be­dro­hung ge­wer­te­te mehr­ma­li­ge Kon­takt­auf­nah­me durch die Fa­mi­lie des An­ge­klag­ten mit der Op­fer-Fa­mi­lie ge­lie­fert, um das Aus­sa­ge­ver­hal­ten zu be­ein­flus­sen. Man sol­le doch die „An­ge­le­gen­heit“lie­ber in­ner­halb der Fa­mi­li­en klä­ren, be­vor es schlim­mer wer­de, hat­te es laut Zeu­gen ge­hei­ßen. Das Ge­richt strich nach die­sen Aus­sa­gen die Be­suchs­rech­te des in­haf­tier­ten An­ge­klag­ten, nahm den Be­schluss aber un­ter Vor­be­halt wie­der zu­rück. Seit­dem sind Kon­takt­ver­su­che aus­ge­blie­ben.

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