Wald­brän­de wü­ten in Süd­ka­li­for­ni­en

Busch­feu­er ver­trei­ben Zehn­tau­sen­de Ka­li­for­ni­er aus ih­ren Häu­sern – auch Pro­mis

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE -

dpa BEL AIR. Die ver­hee­ren­den Wald­brän­de in Süd­ka­li­for­ni­en be­dro­hen jetzt auch das welt­be­kann­te Rei­chen­vier­tel Bel Air in Los An­ge­les. Die Hü­gel des Stadt­teils sind in dich­ten Rauch ge­hüllt, Fla­men frä­sen sich durch die Land­schaft.

Ei­ne Feu­er­wal­ze zieht durch Süd­ka­li­for­ni­en. Sie be­droht länd­li­che Ge­bie­te und Pro­mi-Vier­tel am Rand von Los An­ge­les. Tro­cken­heit, Wär­me und hef­ti­ge Win­de ver­schär­fen die La­ge.

dpa BEL AIR. Dich­ter Rauch hängt über den Strän­den, Land­stri­che sind ver­kohlt, die Hü­gel um Lu­xus­vil­len ste­hen in Flam­men. Schon wie­der er­lebt das ka­li­for­ni­sche Pa­ra­dies ein Schre­ckens­sze­na­rio. Erst im Ok­to­ber tob­te in den ma­le­ri­schen Wein­re­gio­nen um So­no­ma und Na­pa ein Flam­men­in­fer­no – 44 Men­schen star­ben, zeit­wei­se wa­ren 100 000 An­woh­ner vor den Flam­men auf der Flucht. Nun trifft es den Sü­den des Bun­des­staa­tes.

Die be­rüch­tig­ten San­taA­na-Win­de trei­ben hef­ti­ge Busch­feu­er an und da­mit Zehn­tau­sen­de Men­schen aus ih­ren Häu­sern. Auch vor teu­ren Vil­len in den durch ho­he Mau­ern ge­schütz­ten „Ga­ted Com­mu­nities“ma­chen die Flam­men nicht halt. Im No­bel­vier­tel Bel Air im Wes­ten von Los An­ge­les sit­zen Pro­mis auf ge­pack­ten Kof­fern. „Ich ha­be wich­ti­ge Un­ter­la­gen, zwei Ge­mäl­de mei­ner Frau und ih­re Ur­ne ins Au­to ge­packt“, sag­te Prinz Fre­de­ric von An­halt. Nach dem Tod sei­ner Frau Zsa Zsa Ga­bor vor ei­nem Jahr lebt der ge­bür­ti­ge Deut­sche wei­ter in der Vil­la in Bel Air. Früh­mor­gens ha­be die Feu­er­wehr mit An­ru­fen und über Laut­spre­cher in den Stra­ßen die An­woh­ner aus dem Schlaf ge­ris­sen, er­zählt von An­halt. Sie soll­ten in ih­ren Häu­sern die La­ge ab­war­ten und für den Not­fall pa­cken. Von sei­ner Ter­ras­se aus kön­ne er den Rauch im Wes­ten se­hen. „Ich ste­he pa­rat“, sagt der 74-Jäh­ri­ge.

An­de­re ha­ben die be­droh­te Rei­chen-En­kla­ve zwi­schen dem Mul­hol­land Dri­ve und dem Sun­set Bou­le­vard schon ver­las­sen. Sein Mora­ga-Wein­gut in den Hü­geln von Bel Air sei ge­räumt wor­den, teil­te der Me­di­en-Mo­gul Ru­pert Mur­doch dem „Hol­ly­wood Re­por­ter“mit. Die Flam­men hät­ten Tei­le des Mil­lio­nen-An­we­sens er­fasst, be­rich­te­ten US-Me­di­en. Vier Vil­len in dem be­droh­ten Vier­tel sind nach An­ga­ben der Be­hör­den ab­ge­brannt, elf sei­en be­schä­digt wor­den. Dort be­sit­zen Stars wie Jen­ni­fer Anis­ton, Gwy­neth Paltrow, Jen­ni­fer Lopez, Jay-Z und Beyon­cé teu­re Do­mi­zi­le.

Sän­ger Lio­nel Ri­chie er­klär­te auf Twit­ter, dass er sei­ner Fa­mi­lie da­bei hel­fe, ei­nen „si­che­re­ren Ort“zu fin­den. Die Feu­er sei­en „so ver­dammt schreck­lich“, schrieb Mo­del Pa­ris Jack­son bei dem Kurz­nach­rich­ten­dienst. TV-Star Kim Kar­da­shi­an und Schau­spie­le­rin Eliz­a­beth Banks dank­ten den vie­len Feu­er­wehr­leu­ten für ih­ren Ein­satz.

Tau­sen­de Feu­er­wehr­leu­te kämp­fen an meh­re­ren Stel­len in Süd­ka­li­for­ni­en ge­gen die Flam­men. Am schnells­ten brei­te­te sich das Feu­er im Be­zirk Ven­tura Coun­ty über ei­ne Flä­che von mehr als 260 Qua­drat­ki­lo­me­tern aus. Am Mitt­woch fraß sich die Feu­er­wal­ze bis zur Pa­zi­fik­küs­te durch. Zehn­tau­sen­de Men­schen wur­den aus ih­ren Häu­sern ver­trie­ben. Es sei ein „Wun­der“, dass bis­her kei­ne To­des­op­fer aus den Brand­ge­bie­ten ge­mel­det wor­den sei­en, sag­te Eric Gar­cet­ti, der Bür­ger­meis­ter von Los An­ge­les. Nach vor­läu­fi­gen Schät­zun­gen brann­ten mehr als 180 Häu­ser ab, doch die­se Zahl könn­te noch stei­gen.

Die stän­di­ge Feu­er­be­dro­hung, be­son­ders wenn die hef­ti­gen San­ta-Ana-Win­de we­hen, ist die Kehr­sei­te des Le­bens im son­nen­ver­wöhn­ten Ka­li­for­ni­en. Schon vor zwei Jah­ren, nach ei­ner Se­rie schwe­rer Busch­brän­de, hat­te der ka­li­for­ni­sche Gou­ver­neur Jer­ry Brown ein düs­te­res Bild ge­zeich­net. Die häu­fi­gen Feu­er sei­en ein ech­ter „Weck­ruf“für den dür­re­ge­plag­ten West­küs­ten­staat. Brown ver­tritt die Po­si­ti­on zahl­rei­cher For­scher, die den Kli­ma­wan­del mit stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren für schlim­me­re Dür­ren, hef­ti­ge­re Wald­brän­de und an­de­re Wet­ter­ex­tre­me ver­ant­wort­lich ma­chen. Ei­ni­ge der schwers­ten Brän­de in der Ge­schich­te Ka­li­for­ni­ens wü­te­ten in den Herbst­mo­na­ten im An­schluss an ei­nen tro­cke­nen Som­mer. Im Ok­to­ber und No­vem­ber 2007 zer­stör­ten Flam­men in Süd­ka­li­for­ni­en mehr als 1500 Häu­ser, 1900 Qua­drat­ki­lo­me­ter Land ver­brann­ten.

In die­sem De­zem­ber soll­te längst der Win­ter­re­gen be­gon­nen ha­ben, doch der ist bis­her aus­ge­blie­ben. Tro­cken und bis zu 28 Grad Wär­me, so die Pro­gno­se für die nächs­ten zehn Ta­ge in Los An­ge­les. „Feu­er in den Win­ter­mo­na­ten sind ei­gent­lich un­ge­wöhn­lich“, sag­te Da­ni­el Ber­lant von der ka­li­for­ni­schen Be­hör­de für Brand­schutz der „New York Ti­mes“.

FO­TOS: AFP

Der Flam­men­tep­pich be­deckt wei­te Tei­le Ka­li­for­ni­ens wie hier die hü­ge­li­ge Land­schaft bei San­ta Pau­la. Ein Trüm­mer­hau­fen: Zwei Frau­en durch­su­chen die Über­res­te ih­res ab­ge­brann­ten Hau­ses.

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