Strom­netz-De­bat­te nun oh­ne Öf­fent­lich­keit

Ver­wir­ren­der Um­gang mit An­trag – Ver­wal­tung im Aus­schuss schmal­lip­pig

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Tho­mas Breu­er

Bei der Kon­zes­si­ons­ver­ga­be für das Strom­netz kann viel schief­ge­hen. Ob ei­ne vom Rat be­trie­be­ne Netz­ge­mein­schaft aus Stadt­wer­ken und EWE ein Pro­blem dar­stel­len könn­te, blieb im Aus­schuss of­fen.

DEL­MEN­HORST. In der Vor­be­rei­tung ei­nes neu­en Ver­fah­rens zur Ver­ga­be der Kon­zes­si­on für das Del­men­hors­ter Strom­netz auf zwei Jahr­zehn­te ist von der Sit­zung des Wirt­schafts­und Fi­nanz­aus­schus­ses des Ra­tes am Mitt­woch­abend ein ir­ri­tie­ren­des Stör­feu­er aus­ge­gan­gen. Aus­schlag­ge­bend war ein An­trag von FDP-Frak­ti­ons­chef Mu­rat Kal­mis, der die Stadt­wer­ke zu Ver­hand­lun­gen über ei­ne ge­mein­sa­me Netz­ge­sell­schaft mit dem Ener­gie­kon­zern EWE be­we­gen soll.

Ge­gen den An­trag hat die Ver­wal­tungs­spit­ze of­fen­bar gro­ße Be­den­ken, wor­auf Äu­ße­run­gen von Stadt­bau­rä­tin Bi­an­ca Ur­ban hin­deu­te­ten. Ein­gangs der Sit­zung, als Kal­mis noch nicht zu­ge­gen war, sag­te sie, Ober­bür­ger­meis­ter Axel Jahnz ha­be sich mit Kal­mis ver­stän­digt, den An­trag nicht in der Sit­zung zu be­han­deln. Die da­mit ver­bun­de­nen Be­den­ken woll­te oder konn­te sie aber nicht in Wor­te fas­sen, wes­halb die Aus­schuss­mehr­heit ge­gen die Ab­set­zung des The­mas stimm­te.

Wi­der Er­war­ten mach­te Kal­mis spä­ter kei­ne An­stal­ten, den An­trag zu­rück­zu­zie­hen. Ha­rald Schnee­wind (Grü­ne) er­ach­te­te ihn eh als über­holt, da Stadt­wer­ke und EWE im be­reits im Ok­to­ber ei­ne Zu­sam­men­ar­beit auf meh­re­ren Fel­dern ab dem Jahr 2018 an­ge­kün­digt hat­ten. Die­ser Sicht­wei­se moch­te sich Kal­mis nicht an­schlie­ßen.

Als we­der Ver­wal­tung noch Groß­tei­le der Po­li­tik auf den Punkt kom­men woll­ten, er­griff Andre­as Neu­ge­bau­er (Pi­ra­ten­par­tei) das Wort und warn­te vor ei­nem po­li­ti­schen Be­schluss, der auf ei­ne Ko­ope­ra­ti­on zielt. Wenn der Rat der­art Ein­fluss neh­me, sag­te er, könn­ten mög­li­che an­de­re Netz-Be­wer­ber, die im Ver­ga­be­ver­fah­ren un­ter­lie­gen, „uns ver­kla­gen bis zum Sankt Nim­mer­leins­tag.“Das sen­si­ble Ver­fah­ren müs­se ab­so­lut dis­kri­mi­nie­rungs­frei ver­lau­fen.

Schließ­lich ver­stän­dig­te sich der Aus­schuss oh­ne Be­schluss­emp­feh­lung dar­auf, den An­trag in den nicht-öf­fent­li­chen Ver­wal­tungs­aus­schuss zu über­wei­sen.

Auf dk-Nach­fra­ge sag­te der Ber­li­ner Rechts­wis­sen­schaft­ler Dr. Mir­ko Sau­er, der schon in Del­men­horst zum Ver­ga­be­ver­fah­ren ge­spro­chen hat­te, er se­he in der Ent­wick­lung kei­ne Ge­fahr für den ge­sam­ten Pro­zess: „Al­les, was im Vor­feld pas­siert, ist aus mei­ner Sicht nicht jus­ti­zia­bel.“Ge­mein­sa­me Netz­ge­sell­schaf­ten zu grün­den, sei aus sei­ner Sicht be­grü­ßens­wert. Ei­ne kri­ti­sche Si­tua­ti­on wä­re al­len­falls ge­ge­ben, wenn mög­li­che wei­te­re Be­wer­ber ge­gen­über der ge­mein­sa­men Netz­ge­sell­schaft im lau­fen­den Ver­fah­ren dis­kri­mi­niert wür­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.