Ro­te Li­nie soll er­kenn­bar sein

Alt­ge­dien­te So­zi­al­de­mo­kra­ten möch­ten von Gro­ßer Ko­ali­ti­on ei­gent­lich nichts wissen

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Tho­mas Breu­er

In der Re­gie­rungs­ver­ant­wor­tung wol­len die SPD-Se­nio­ren ih­re Par­tei auf Bun­des­ebe­ne nur se­hen, wenn sie be­stimm­te Zie­le fest­schrei­ben kann. Wel­che, das hat 60plus in ei­ner Lis­te zu­sam­men­ge­tra­gen.

DEL­MEN­HORST. Gro­ße Ko­ali­ti­on? Da geht Gün­ter Holtz (81) so ei­ni­ges durch den Kopf. Doch sein ers­ter Satz lau­tet: „Im Mo­ment bin ich to­tal ver­un­si­chert.“Hat­te sich die SPD nach der Bun­des­tags­wahl schnell auf ih­re Rol­le in der Op­po­si­ti­on fest­ge­legt, brach­te das Schei­tern der Ja­mai­ka-Ver­hand­lun­gen noch ein­mal al­les ins Wan­ken. Und was nun auf Bun­des­ebe­ne gro­ße Fra­ge­zei­chen pro­vo­ziert, treibt auch alt­ge­dien­te Del­men­hors­ter So­zi­al­de­mo­kra­ten um. Et­wa in der von Ditt­mar Kno­che (75) ge­führ­ten SPD-Ar­beits­ge­mein­schaft 60plus, die ges­tern im Han­ne­lo­re-Hän­del-Haus an der Cra­mer­stra­ße zu ih­rer Weih­nachts­fei­er zu­sam­men­kam.

Gün­ther Holz, der als Be­sit­zer im Vor­stand tä­tig ist, geht es wie Kno­che und den üb­ri­gen Vor­stands­mit­glie­dern. Ei­ne Fort­set­zung der Gro­ßen Ko­ali­ti­on in Berlin, die so­ge­nann­te Gro­ko, will hier im Grun­de kei­ner. Falls es aber gar nicht an­ders ge­hen soll­te, dann nur un­ter der Be­din­gung, dass die maß­geb­li­chen SPD-Zie­le im Ko­ali­ti­ons­ver­trag fest­ge­schrie­ben wer­den.

Zehn we­sent­li­che Punk­te sind es, die die AG 60plus hier auf­lis­tet:

• Ein­füh­rung ei­ner Bür­ger­ver­si­che­rung im Ren­ten­und Ge­sund­heits­we­sen.

• Ehr­gei­zi­ge Zie­le beim Kli­ma­schutz.

• Ver­bot von Gly­pho­sat.

• Har­mo­ni­sie­rung der Un­ter­neh­mens­be­steue­rung auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne.

• Fort­schrit­te auf dem weg zu ei­nem so­zia­len Eu­ro­pa.

• Ein­füh­rung ei­nes Sys­tems ge­setz­li­cher Min­dest­löh­ne.

• Ge­setz­li­ches Rück­kehr­recht von Teil- auf Voll­zeit.

• Glei­cher Lohn für glei­che Ar­beit.

• Höchs­te Ein­kom­men sol­len mit ei­nem hö­he­ren Bei­trag zur Fi­nan­zie­rung ge­mein­sa­mer Auf­ga­ben her­an­ge­zo­gen we­den.

• Mehr In­ves­ti­tio­nen in Bil­dung, schnel­les In­ter­net, bes­se­re Stra­ßen und be­zahl­ba­ren Wohn­raum.

Ein Pa­ket, das vor al­lem die so­zia­le Kom­po­nen­te der SPD wie­der her­aus­stel­len soll. „Die ro­te Li­nie muss er­kenn­bar sein“, sagt Par­teiUr­ge­stein Hans-Gün­ter Stasch (89). „Die CDU muss von ih­rem Ross her­un­ter“, meint Gün­ter Holtz. Bei den SPD-Se­nio­ren ha­ben sie die Sor­ge, dass die so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Ak­zen­te in ei­ner Gro­ko er­neut un­ter­ge­hen könn­ten, ein­mal mehr.

Als schlech­tes­te al­ler Mög­lich­kei­ten aber sieht Ditt­mar Kno­che ei­ne Neu­wahl an. Sie wür­de nach sei­ner Ein­schät­zung der AfD ei­nen noch et­was hö­he­ren Stim­men­an­teil zu­las­ten der FDP brin­gen. Auch Han­sGün­ter Stasch lehnt ei­nen neu­er­li­chen Ur­nen­gang ab: „Ich weiß ja, was das kos­tet. Das ist Geld, das wir wo­an­ders drin­gend brau­chen.“ Von mehr als 90 Mil­lio­nen

Eu­ro ist die Re­de.

Frau­ke Güth­ler (83) ist der Über­zeu­gung, dass die SPD in den zu­rück­lie­gen­den vier Jah­ren „ge­lernt hat, was schief­ge­hen kann und was nicht“. Auch sie will die Gro­ko nicht, bes­ser: ei­gent­lich nicht.

Zum Par­tei­vor­sit­zen­den Mar­tin Schulz hat Ditt­mar Kno­che ei­ne kla­re Mei­nung: „Eu­ro­pa kann er, des­halb muss er sich dar­auf kon­zen­trie­ren.“Und für Gün­ter Holz steht fest: „Mar­tin Schulz strahlt die­se gro­ße Ehr­lich­keit aus. Aber ge­nau die ist ihm im Wahl­kampf zum Ver­häng­nis ge­wor­den.“

FO­TO: THO­MAS BREU­ER

Re­ge Dis­kus­si­on über die bun­des­po­li­ti­sche Zu­kunft der SPD am Ran­de der Weih­nachts­fei­er von 60plus: (von links) Vor­sit­zen­der Ditt­mar Kno­che mit sei­nen Vor­stands­kol­le­gen Gün­ter Holtz, Frau­ke Güth­ler, Rolf Gel­ler­mann und Bri­git­te Schwanz.

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