Un­ger sieht sei­nen Ruf nach Raus­wurf be­schä­digt

Rats­herr be­klagt „Maul­korb“in der SPD-Rats­frak­ti­on

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Tho­mas Breu­er

DEL­MEN­HORST. Frei­den­ker kon­tra Frak­ti­ons­dis­zi­plin. So lie­ße sich die Ur­sa­che für den Bruch zwi­schen Rats­herr Axel Un­ger und der SPD-Rats­frak­ti­on auf den Punkt brin­gen – wenn man denn Un­gers Ar­gu­men­ta­ti­ons­li­nie fol­gen möch­te. Auf Nach­fra­ge hat er sich ge­gen­über un­se­rer Zei­tung ges­tern erst­mals zu sei­nem Raus­wurf aus der SPD-Frak­ti­on ge­äu­ßert, der am 27. No­vem­ber in sei­ner Ab­we­sen­heit mit Mehr­heits­vo­tum er­folgt war.

Er, das sagt der nun­mehr frak­ti­ons­lo­se Rats­herr frei her­aus, ha­be sich zu ein­zel­nen The­men von der SPDRats­frak­ti­on kei­nen Maul­korb ver­pas­sen las­sen wol­len. Seit 1. No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res für die Par­tei im Rat, ha­be er et­wa dar­auf ge­drun­gen, „dass die SPD ihr Wahl­ver­spre­chen ein­hält und am Vor­werk kein Park­haus ent­steht“. Das ha­be er sa­gen und sich nicht in die ver­ba­le Hilfs­kon­struk­ti­on ei­nes Park­decks flüch­ten wol­len.

Auch der SPD-An­trag, über die Po­li­tik wie­der ei­nen Kin­der­not­dienst ein­zu­rich­ten, ob­wohl dies nur die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung auf den Weg brin­gen kön­ne, sei nicht nach sei­nem Ge­schmack ge­we­sen. Zu­dem sei ihm von der Frak­ti­on of­fen­sicht­lich übel ge­nom­men wor­den, dass er sich öf­fent­lich zu den dies­mal nicht prä­sen­ten Mit­tel­al­ter­stän­den auf dem Weih­nachts­markt äu­ßer­te, oh­ne dass die Li­nie vor­ab in der Frak­ti­on nicht ge­klärt war.

Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Bet­ti­na Oes­ter­mann, so Un­ger, ha­be in­tern an­ge­kün­digt, auf ei­ne Tren­nung hin­ar­bei­ten zu wol­len. Er sel­ber woll­te gern noch ein Ge­spräch füh­ren, was we­gen ei­nes Aus­lands­auf­ent­halts zu­nächst nicht mög­lich ge­we­sen wä­re. Da­nach war er aus­ge­schlos­sen. Dass Oes­ter­mann der Öf­fent­lich­keit nur die­sen Schritt, aber kei­ner­lei Grün­de mit­ge­teilt ha­be, wirft Un­ger ihr vor, weil es Spe­ku­la­tio­nen Tür und Tor ge­öff­net ha­be: „Das ist Ruf­schä­di­gung, da wur­den al­le rechts­staat­li­chen Prin­zi­pi­en ver­letzt.“Er lässt sich nun recht­lich be­ra­ten, wie er am bes­ten mit dem durch die SPD voll­zo­ge­nen Schritt um­geht.

Ob der aus­ge­schlos­se­ne Man­dats­trä­ger mit SPDPar­tei­buch nun als Frak­ti­ons­lo­ser im Rat bleibt? Zu­dem als ei­ner, den die SPD na­tur­ge­mäß aus al­len Gre­mi­en zu­rück­ge­zo­gen hat? Un­ger sel­ber möch­te sich da­zu noch nicht de­tail­liert äu­ßern, sagt aber: „Ich son­die­re, das ist doch klar.“

Zu­rück in die FDP, de­ren Far­ben er lan­ge ver­trat, auch als Land­tags­be­wer­ber, dürf­te sein Weg kaum füh­ren. Die, so Un­ger, ha­be er schließ­lich vor Jah­ren be­wusst ver­las­sen, „als sie von sehr kon­ser­va­ti­ven Tür­ken feind­lich über­nom­men wur­de“. In der Fol­ge war es zur Grün­dung der FDelP ge­kom­men, als de­ren Frak­ti­ons­mit­glied er auch schon im Rat saß.

FO­TO: OLI­VER SAUL

Er wirft der SPD-Rats­frak­ti­on Ruf­schä­di­gung vor: der jetzt frak­ti­ons­lo­se Del­men­hors­ter Rats­herr Axel Un­ger.

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