Goog­le gibt To­ron­to neu­es Ge­sicht

In­ter­net­gi­gant will in leer ste­hen­dem Ha­fen­vier­tel die ers­te In­ter­net­stadt ent­wi­ckeln

Delmenhorster Kreisblatt - - REPORTAGE - Von John Dy­er

BOSTON. Bür­ger­meis­ter aus ganz Nord­ame­ri­ka be­eil­ten sich, die Be­wer­bun­gen ih­rer Städ­te als Sitz ei­nes neu­en zwei­ten Fir­men­sit­zes des On­line­händ­lers Ama­zon ab­zu­ge­ben. Ein an­de­rer In­ter­net-Gi­gant ist schon fün­dig ge­wor­den. Al­pha­bet, die Mut­ter von Goog­le, hat mit der größ­ten ka­na­di­schen Stadt To­ron­to den Um­bau des al­ten Ha­fen­vier­tels am On­ta­rio-See zu ei­ner in­no­va­ti­ven Ci­ty ver­ein­bart.

Die Re­gie­rungs­be­hör­de Wa­ter­front To­ron­to und Labs, ei­ne Ab­tei­lung der Al­pha­bet-Toch­ter Si­de­walk, wol­len ge­mein­sam das De­sign für die Neu­ge­stal­tung der „Qu­ay­si­de“ge­nann­ten fünf Hekt­ar gro­ßen Zo­ne am Ufer des Sees ent­wi­ckeln. Das Pro­jekt ist auf ein Jahr aus­ge­legt und ist mit 50 Mil­lio­nen Dol­lar (42 Mil­lio­nen Eu­ro) aus­ge­stat­tet.

Ma­na­ger von Si­de­walk und der Stadt To­ron­to wol­len auf­zei­gen, wie das Know-how aus dem Si­li­con Val­ley ei­ne Men­ge ur­ba­ner Pro­ble­me lö­sen kann. „Wir sind über­zeugt, dass wird durch die Kom­bi­na­ti­on von mo­derns­ter Tech­nik mit ei­ner in­tel­li­gen­ten, auf die Men­schen aus­ge­rich­te­ten Stadt­pla­nung dra­ma­ti­sche Aus­wir­kun­gen auf die Le­bens­qua­li­tät er­zie­len kön­nen“, sag­te Da­ni­el Doc­toroff, CEO von Si­de­walk. Er war frü­her Stell­ver­tre­ter des New Yor­ker Bür­ger­meis­ters Micha­el Bloom­berg. Da­zu brau­che man den ge­eig­ne­ten Ort, idea­ler­wei­se ein Ge­biet, das groß ge­nug sei, um „ein La­bo­ra­to­ri­um für ei­nen in­te­gra­len An­satz von In­no­va­ti­on und Pla­nung“zu sein.

To­ron­to ha­be mehr als 320 Hekt­ar zur Ver­fü­gung, soll­te Si­de­walks Ent­wick­lungs­ge­biet ein Erfolg wer­den, sag­te Will Fleis­sig, Prä­si­dent von Wa­ter­front To­ron­to, ei­nem öf­fent­lich­recht­li­chen Un­ter­neh­men. Goog­le-Grün­der Ser­gey Brin und Lar­ry Pa­ge, der CEO von Al­pha­bet, ha­ben seit Lan­gem ei­ne sol­che Ge­le­gen­heit ge­sucht. „Vor ei­ni­gen Jah­ren sa­ßen wir zu­sam­men und dach­ten: Wä­re es nicht schön, wenn wir al­les, was wir tech­nisch wissen, in ei­ner Stadt an­wen­den könn­ten?“sag­te Al­pha­bet-Di­rek­tor Eric Schmidt auf ei­ner Ver­an­stal­tung in To­ron­to mit Ka­na­das Pre­mier Jus­tin Tru­deau. Das Küs­ten­pro­jekt in To­ron­to soll al­le An­for­de­run­gen an Nach­hal­tig­keit und al­ler­mo­derns­ter Tech­nik er­fül­len. CO2-neu­tra­le Ther­mal­en­er­gie soll als Hei­zung die­nen, Ma­schi­nen sol­len Müll von ver­wert­ba­ren Ab­fäl­len tren­nen. Ge­bäu­de sol­len „mo­du­lar“wer­den, al­so je­der­zeit von Wohn- zu Ge­schäfts­räu­men um­zu­bau­en sein. Sen­so­ren an den Stra­ßen­lam­pen sol­len nicht nur das Licht je nach Hel­lig­keit ein- oder aus­schal­ten, son­dern auch die Luft­qua­li­tät prü­fen und Steue­rung für selbst­len­ken­de Fahr­zeu­ge be­reit­stel­len.

Ex­per­ten mah­nen al­ler­dings, dass die Stadt To­ron­to den tech­ni­schen Ent­wick­lern auf die Fin­ger schau­en müs­se. Denn man­che Tech­no­lo­gie­fir­men ha­ben bei der Er­rich­tung ih­rer Fir­men­sit­ze in San Fran­cis­co und San Jo­se in Ka­li­for­ni­en nur er­reicht, dass die Miet­prei­se in die Hö­he ge­schos­sen sind und un­kon­trol­lier­te Er­wei­te­rung zu Bei­spie­len für schlecht ge­plan­te Bo­den­nut­zung wur­den.

Pa­me­la Ro­bin­son, Städ­te­bau-Pro­fes­so­rin der Ry­er­son Uni­ver­si­ty, warn­te vor Miss­brauch der von den Sen­so­ren er­fass­ten Da­ten. Das be­dür­fe ge­nau­er Re­gu­lie­rung.

Al­pha­bet-Vor­sit­zen­der Schmidt mein­te da­ge­gen, der jah­re­lan­ge Pla­nungs­pro­zess ge­be der Stadt, Um­welt­schüt­zern und der Be­völ­ke­rung Ge­le­gen­heit, ih­re Be­den­ken vor­zu­brin­gen. „Das ist auch kei­ne Ne­ben­sa­che aus un­se­rer Sicht“, sag­te er. „Das ist der Gip­fel­punkt ei­nes zehn­jäh­ri­gen Nach­den­kens dar­über, wie die Tech­no­lo­gie die Le­bens­qua­li­tät der Men­schen ver­bes­sern kann.“

FO­TO: DPA

Hal­lo, Nach­bar: Der In­ter­ne­trie­se Goog­le will im Ha­fen­vier­tel un­ter­kom­men.

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