Spielt Sa­hin am Sonn­tag?

Neu­zu­gang drängt in Wer­ders Start­elf / Trai­ner Koh­feldt lobt „sei­ne ge­ziel­ten Päs­se“

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Cars­ten San­der

BRE­MEN Er könn­te für Wer­der Bre­men das feh­len­de Puz­zle­stück in Rich­tung in­ter­na­tio­na­ler Wett­be­werb sein: Nu­ri Sa­hin, Zu­gang von Bo­rus­sia Dort­mund, könn­te der neue Takt­ge­ber im Mit­tel­feld wer­den. „Er be­sitzt ei­ne Au­ra, er ist ei­ne Per­sön­lich­keit, aber zu­rück­hal­tend im po­si­ti­ven Sinn“, er­klär­te Wer­der-Trai­ner Flo­ri­an Koh­feldt. Ob Sa­hin spielt, sag­te er nicht.

Am En­de sei­ner lan­gen Ant­wort schleicht sich ein zu­frie­de­nes Lä­cheln auf das Ge­sicht von Flo­ri­an Koh­feldt. Und er sagt, wie er die Si­tua­ti­on mit und um Neu­zu­gang Nu­ri Sa­hin emp­fin­det.

BRE­MEN „Ein Lu­xus. Ein schö­ner Lu­xus“sei es, ei­nen Spie­ler wie den 30Jäh­ri­gen zur Ver­fü­gung zu ha­ben und doch gar nicht zu wis­sen, ob man ihn tat­säch­lich im nächs­ten Spiel brau­chen wird. Die­sen Lu­xus ge­nie­ßend, ließ der Wer­der-Coach al­so of­fen, ob Last-mi­nu­te-Ver­pflich­tung Sa­hin am Sonn­tag (15.30 Uhr, We­ser­sta­di­on) ge­gen den 1. FC Nürn­berg sein Pflicht­spiel-De­büt im Wer­der-Tri­kot fei­ern wird.

Ei­gent­lich hat­te das Mit­tel­feld des SV Wer­der Bre­men bis­lang nicht den Ein­druck ge­macht, dass es so über­haupt nicht funk­tio­nie­ren wür­de. Folg­lich ist es eben kein Muss, das Ge­fü­ge mit Phil­ipp Barg­fre­de, Da­vy Klaas­sen und Ma­xi­mi­li­an Eg­ge­stein für die Par­tie ge­gen den 1. FC Nürn­berg aus­ein­an­der­zu­rei­ßen. Es be­steht trotz­dem die Op­ti­on, es zu tun, meint Trai­ner Koh­feldt. We­gen Nu­ri Sa­hin.

„Was Nu­ri jetzt schon aus­zeich­net, ist, dass er in un­ser Of­fen­siv­spiel ei­ne Va­ri­an­te ein­bringt, die wir bis­her nicht hat­ten“, er­klärt der 35-Jäh­ri­ge und kon­kre­ti­siert, was er an Sa­hin schätzt, ob­wohl der noch kein ein­zi­ges Pflicht­spiel für Wer­der be­strit­ten hat: „Das sind sei­ne ge­ziel­ten Päs­se in die Tie­fe. Ob als Flug­ball oder als Chip­ball – das sind Bäl­le, die enorm ef­fek­tiv sein kön­nen.“Und zwar nicht nur dann, wenn Sa­hins Ball auch beim Adres­sa­ten an­kommt. Son­dern all­ge­mein. Koh­feldt: „Der Geg­ner muss mit die­sen Päs­sen rech­nen. Das zieht die Rei­hen aus­ein­an­der, schafft Platz für uns.“Das wä­ren die gu­ten Grün­de, wes­halb Sa­hin ge­gen Nürn­berg zu sei­ner Pre­mie­re kom­men könn­te. Doch wen auf die Bank set­zen? U-21-Na­tio­nal­spie­ler Ma­xi­mi­li­an Eg­ge­stein wird es de­fi­ni­tiv nicht tref­fen. „Ma­xi spielt“, rief Koh­feldt auf der Pres­se­kon­fe­renz da­zwi­schen, als der ne­ben ihm sit­zen­de Eg­ge­stein über sei­nen even­tu­ell be­droh­ten Stamm­platz spre­chen soll­te. „Da­mit wä­re das be­ant­wor­tet“, grins­te der 21-Jäh­ri­ge. Zu­vor hat­te Koh­feldt ein­mal mehr klar­ge­macht, dass Sa­hin ne­ben der „6“auch die „8“spie­len kann. Was die Spe­ku­la­tio­nen um die Auf­stel­lung nicht klei­ner macht.

Barg­fre­de oder Sa­hin? Klaas­sen oder Sa­hin? Eg­ge­stein oder Sa­hin? Viel­leicht heißt die Ant­wort schlicht: al­le zu­sam­men. Ab­wehr­chef Ni­k­las Moi­san­der fa­vo­ri­siert of­fen­bar die­se Va­ri­an­te. „Nu­ri ist gut bei uns an­ge­kom­men. Ich glau­be, dass er am Sonn­tag spielt“, hat­te der Fin­ne ge­sagt.

Ei­ne Rau­te im Mit­tel­feld ist denk­bar, wür­de aber ei­nen der bis­lang drei An­grei­fer kos­ten. Martin Har­nik ist als ei­ner die­ser drei An­grei­fer dar­auf vor­be­rei­tet, weiß aber auch noch nicht, was Koh­feldt plant: „Die Mög­lich­keit, ein 4-4-2 zu spie­len, hat­ten wir auch oh­ne Nu­ri schon. Aber na­tür­lich ha­ben wir mit ihm noch mal Qua­li­tät da­zu­be­kom­men.“

Die an­de­re Mög­lich­keit für Sonn­tag­nach­mit­tag ist, Sa­hin ein­fach auf der Bank zu las­sen. Schließ­lich hat der ehe­ma­li­ge tür­ki­sche Na­tio­nal­spie­ler ei­ni­ge Bre­mer Kol­le­gen we­gen de­ren Län­der­spiel­ab­stel­lun­gen in den ver­gan­ge­nen zwei Wo­chen erst am Don­ners­tag ken­nen­ge­lernt und am Frei­tag das ers­te Mal mit ih­nen trai­niert. In so kur­zer Zeit die per­fek­te Ab­stim­mung her­zu­stel­len ist un­mög­lich. Sa­hin über Kurz­ein­sät­ze wei­ter an die Mann­schaft her­an­zu­füh­ren könn­te des­halb der Lu­xus sein, den sich Flo­ri­an Koh­feldt tat­säch­lich gönnt.

Das star­ke per­so­nel­le An­ge­bot in Mit­tel­feld und An­griff er­mög­li­che es ihm mitt­ler­wei­le, „auch auf klei­ne Wel­len“im Leis­tungs­le­vel sei­ner Spie­ler re­agie­ren zu kön­nen. „Das ist span­nend“, meint Koh­feldt, der die Kon­kur­renz­si­tua­ti­on voll aus­rei­zen kann. Wo­bei nicht im­mer nur der Trai­nings­ein­druck ent­schei­den wird, so der Coach: „Es geht nicht al­lein dar­um, wer die höchs­te Qua­li­tät be­sitzt, son­dern auch dar­um, für je­des Spiel und je­den Geg­ner die rich­ti­gen Ty­pen aus­zu­wäh­len.“So ge­se­hen, hat Nu­ri Sa­hin am Sonn­tag tat­säch­lich sehr gu­te Kar­ten. Flo­ri­an Koh­feldt at­tes­tiert dem Ex-BVB-Star „die Au­ra ei­ner Per­sön­lich­keit“, und Ni­k­las Moi­san­der spürt bei Sa­hin die Aus­strah­lung ei­nes Ge­win­ner­typs: „Er ist ein Spie­ler, dem man so­fort an­sieht, dass er schon vie­le Er­fol­ge ge­fei­ert hat.“

FO­TO: IM­A­GO/NORDPHOTO

Bringt Qua­li­tät in Wer­ders Mit­tel­feld: Nu­ri Sa­hin – aber spielt er auch am Sonn­tag?

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