Le­be­we­sen als Ob­jekt

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Micha­el Korn

Kunst zu ver­mit­teln, zu­mal im öf­fent­li­chen Raum, ist oft­mals ein schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen für Kul­tur­schaf­fen­de. Meist kann das ja weg, wie wir wis­sen. Das Haus Co­burg geht mit sei­ner Aus­stel­lung „Das Del­men­hors­ter Mo­dell“nun neue We­ge der Auf­merk­sam­keits­ak­qui­se und hat als eben sol­ches Schaf und Zie­ge als tie­ri­sche Wer­be­trä­ger ent­deckt. So weit, so gut. Zwei Fra­gen sei­en den­noch er­laubt: Steht denn nun die Skulp­tur im Mit­tel­punkt des In­ter­es­ses oder sind es die pos­sier­li­chen Fell­na­sen, die die Bli­cke auf sich zie­hen und ge­strei­chelt und ge­füt­tert wer­den wol­len? Ist es ver­ant­wort­bar, Tie­re als Mit­tel zum Zweck zu nut­zen und sie als Re­kla­me­gag mit­ten in der Stadt in ein aus­lauf­be­gren­zen­des Gat­ter zu pfer­chen? Wirk­lich schlecht geht es den Bö­cken und Zi­cken in ih­rem Über­gangs­ver­schlag si­cher­lich nicht – gleich­wohl ihr Schä­fer selbst Be­we­gungs­man­gel auf­grund des künst­le­ri­schen Auf­trags at­tes­tiert. Deutsch­land­weit wird zu­recht über Tier­wohl dis­ku­tiert, wir be­kla­gen Wild­tie­re im Zir­kus, po­chen bei Fleisch und Ge­flü­gel auf Frei­land­hal­tung und sind zu­tiefst em­pört, wenn Po­nys auf dem Kramer­markt auf engs­tem Raum ih­re Run­den dre­hen. Kunst darf eben nicht al­les, wenn es dar­um geht, Le­be­we­sen als Ob­jekt zu be­nut­zen. Kommt die Ga­le­rie bei der nächs­ten Ak­ti­on sonst wo­mög­lich noch auf un­se­ren ge­lieb­ten Hund?

■ Ih­re Mei­nung zum Bei­trag: m.korn@noz.de

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