Auch die Jus­tiz wirbt um Nach­wuchs

Zwaig ver­an­stal­tet In­fo­vor­mit­tag am Amts­ge­richt Del­men­horst

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Bet­ti­na Dogs-Pröß­ler

Jus­tiz­fach­wirt und Rechts­pfle­ger, das sind Be­rufs­bil­der, die am Ge­richt an­ge­sie­delt sind. Was da­hin­ter steckt, er­läu­ter­te jetzt Ti­mo Spil­le Zwaig und Schü­lern.

DEL­MEN­HORST Nach­wuchs­sor­gen be­drü­ckeb die Jus­tiz noch nicht. „Aber auch wir mer­ken ei­nen Be­wer­ber­rück­gang“, sag­te Ti­mo Spil­le, Ge­schäfts­lei­ter des Amts­ge­richts Del­men­horst. Auf Ein­la­dung der Zu­kunfts­werk­statt Aus­bil­dungs­in­itia­ti­ve Ganderkesee (Zwaig) stell­te der Di­plom-Rechts­pfle­ger jetzt im Schöf­fen­ge­richts­saal zwei Be­rufs­bil­der vor, die an deut­schen Ge­rich­ten nicht weg­zu­den­ken sind – und für die künf­tig noch mehr Nach­wuchs ge­sucht wer­den wird: sein ei­ge­nes und das des Jus­tiz­fach­wirts.

„Die meis­ten ken­nen ein Amts­ge­richt nur aus dem Fern­se­hen und se­hen nur den Staats­an­walt, An­walt und Rich­ter“, sag­te Spil­le zur Ein­füh­rung. „Aber was es da­zwi­schen al­les gibt, ist wei­test­ge­hend un­be­kannt.“So sei der Jus­tiz­fach­wirt das Rück­grat ei­nes Ge­richts; die Schnitt­stel­le zwi­schen Be­völ­ke­rung und Jus­tiz. „Sie sind in der Re­gel die ers­te An­lauf­stel­le für die Bür­ger“, so Spil­le. Dar­über hin­aus be­rech­ne­ten sie die Ge­richts­kos­ten, ver­wal­te­ten die Ak­ten und führ­ten Pro­to­koll bei den Ge­richts­ver­hand­lun­gen. „Ei­ne Auf­ga­be mit ho­her Ver­ant­wor­tung, die viel selbst­stän­di­ges Ar­bei­ten vor­aus­setzt.“Und nach zwei­ein­halb Jah­ren im­mer­hin ein Ein­stiegs­ge­halt von rund 1800 Eu­ro net­to be­deu­te. „Mit Luft nach oben“, so der Ge­schäfts­lei­ter.

Et­was mehr ver­dient der Rechts­pfle­ger, der den

Weg sei­ner Aus­bil­dung an Fach­hoch­schu­le, Ge­richt und Staats­an­walt­schaft mit Di­plom ab­schließt. „80 Pro­zent der Fäl­le am Ge­richt wer­den von Rechts­pfle­gern ent­schie­den“, er­klär­te Spil­le den sie­ben an­we­sen­den Schü­lern so­wie Ver­tre­tern von Job­cen­ter und Ar­beits­agen­tur. Sein Lohn da­für: Ein Ein­stiegs­ge­halt von knapp 2200 Eu­ro net­to. „Er darf zwar nie­man­den ins Ge­fäng­nis brin­gen, hat aber ein um­fang­rei­ches Auf­ga­ben­spek­trum mit sehr ho­her Ver­ant­wor­tung.“Die Be­ru­fe, die der Ge­schäfts­lei­ter des Del­men­hors­ter Amts­ge­richt vor­stell­te, sei­en dar­über hin­aus „si­che­re Ban­ken“mit zu­ver­läs­si­gen Zu­kunfts­aus­sich­ten. „Al­le, die Rechts­pfle­ger stu­diert ha­ben, kom­men ir­gend­wo un­ter“, mein­te Spil­le. Was für Ju­ris­ten so nicht gel­te. Um­so mehr aber für den Jus­tiz­fach­wirt. „Wir ha­ben ein Al­ter­s­pro­blem, die ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge ge­hen jetzt in den Ru­he­stand“, so Spil­le. Be­reits jetzt sei die Zahl der Ein­stel­lun­gen ums Dop­pel­te ge­stie­gen: Zwi­schen 30 bis 40 Neu­ein­stel­lun­gen pro Jahr.

Ja­son Sas­se hat sich schon für den Be­ruf des Jus­tiz­fach­wirts ent­schie­den. Und be­reut bis­lang noch nichts. „Nur läuft hier nichts wie im Fern­se­hen“, gibt der Ge­richtsAzu­bi den Schü­lern mit auf den Weg. Das müs­se ei­nem im Vor­feld klar

FO­TO: BET­TI­NA DOGS-PRÖß­LER

Ti­mo Spil­le, Ge­schäfts­lei­ter am Amts­ge­richt Del­men­horst, wirbt für die Be­ru­fe Jus­tiz­fach­wirt und Rechts­pfle­ger. In die We­ge ge­lei­tet hat­te das Tref­fen mit sie­ben Schü­lern und Ver­tre­tern von Job­cen­ter und Ar­beits­agen­tur die Or­ga­ni­sa­ti­on Zwaig.

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