Mit der gro­ßen Lie­be auf gro­ßer Rei­se

Del­men­hors­ter Wal­de­mar Gei­ger folgt sei­ner El­la zwei Jah­re um die Welt / Aben­teu­er und Ar­beit auf fast al­len Kon­ti­nen­ten

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Sa­scha Se­bas­ti­an Rühl

DEL­MEN­HORST Wal­de­mar (27 Jah­re) und El­la Gei­ger (24 Jah­re) wa­ren lan­ge un­ter­wegs. Im Ja­nu­ar 2015 zo­gen sie von Del­men­horst aus los und ka­men im März 2017 wie­der in Deutsch­land an, um im Mai auf Mallor­ca zu hei­ra­ten. Jetzt ha­ben sie Kraft und Geld ge­spart und sind zur­zeit in Nord­ame­ri­ka. Sie wol­len rei­sen, so­lan­ge sie wol­len und es sich leis­ten kön­nen. dk: Was hat­tet ihr ur­sprüng­lich ge­plant? Wal­de­mar: An­fangs woll­te El­la als Au Pair für ein paar Mo­na­te nach Neu­see­land. El­la: Wal­de­mar fand die Idee to­tal be­scheu­ert. Er konn­te sich ein Le­ben au­ßer­halb Del­men­horsts und der Fa­mi­lie nicht vor­stel­len. Doch als er merk­te, dass es mein gro­ßer Traum ist und ich mich schon im In­ter­net nach Fa­mi­li­en um­se­he, stand er nach ei­ni­gen Wo­chen nach mei­ner Aus­sa­ge „Lass uns zu­sam­men nach Neu­see­land“vor mir am Bahn­hof mit den Wor­ten: „Ich ha­be lie­ber nichts au­ßer dich, statt al­les und las­se dich ge­hen.“Er kün­dig­te sei­nen Job, pack­te sei­ne Sa­chen und ging mit mir – oh­ne zu wis­sen, was er da ei­gent­lich soll. Wal­de­mar: Es war nur Neu­see­land ge­plant, da­nach woll­ten wir ein „ganz nor­ma­les Le­ben“in Deutsch­land fort­fah­ren. Doch El­la war noch nicht be­reit da­zu, und so ging die Rei­se wei­ter. El­la: Wal­de­mar hat wäh­rend Asi­en und Aus­tra­li­en gro­ßes Ge­fal­len am Rei­sen ge­fun­den und so wur­de mein Traum zu un­se­rem ge­mein­sa­men Traum. Wie oft stan­det ihr schon vor dem Pro­blem, dass euch das Geld aus­geht und ihr nach Hau­se müsst? Wal­de­mar: Noch nie. Im Ge­gen­teil. Wir ha­ben un­ser Hoch­zeits­bud­get wäh­rend dem Rei­sen ver­dient. Wir sind sehr spar­sam, wir ver­zich­ten auf sehr viel und ge­hen We­ge, die das Rei­sen be­son­ders ma­chen und nicht viel Geld kos­ten. Wir sind nicht die­je­ni­gen, die ei­nen All-in­clu­si­ve-Ur­laub ma­chen.

El­la: Für uns ist Rei­sen ein Er­leb­nis. Wir le­ben bei den Men­schen, ar­bei­ten für Un­ter­kunft und Es­sen, fah­ren oft per An­hal­ter von Ort zu Ort und zah­len den Preis von Un­si­cher­heit und auch Un­be­quem­heit. Dann ist Rei­sen nicht teu­er. Ihr habt über­all auf der Welt ge­ar­bei­tet. Was wa­ren die bes­ten Jobs? El­la: Ei­ner auf ei­nem Cam­ping­platz in Aus­tra­li­en. Es hört sich lus­tig an, wenn wir sa­gen, dass put­zen und im Ki­osk ar­bei­ten der bes­te Job war und doch hat­ten wir die bes­ten Mo­na­te dort! Wir ha­ben sehr hart ge­ar­bei­tet, doch die At­mo­sphä­re war klas­se! Wal­de­mar: Und al­le, die wie­der ab­reis­ten, über­reich­ten uns die Res­te ih­rer Ein­käu­fe. Das hat uns im­mer sehr glück­lich ge­macht. Ein an­de­rer Job war auf ei­nem Bau­ern­hof in Aus­tra­li­en ab­ge­le­gen im Re­gen­wald. Der Bau­er hat sich für ein Le­ben au­ßer­halb der Zi­vi­li­sa­ti­on ent­schie­den. Sein Traum war es, so ein­fach wie mög­lich und nur von sei­nem Bau­ern­hof zu le­ben. Die­ser Mann hat uns in den Wo­chen viel bei­ge­bracht. So­wie Kü­he, Schwei­ne und Hüh­ner von ei­nem Ort zum an­de­ren Ort zu be­för­dern, nur mit der ei­ge­nen Stim­me und Ge­sang. Mit dem Gleit­schirm, dem Quad, dem Boot, dem Rind und dem Snow­board seid ihr schon un­ter­wegs ge­we­sen. Was fehlt euch noch? Wal­de­mar: Wir wa­ren noch nie mit ei­nem Se­gel­boot oder ei­nem Kreuz­fahrt­schiff un­ter­wegs. Wir wa­ren auch noch nie mit dem Mo­tor­rad un­ter­wegs, da wir lei­der kei­nen Mo­tor­rad­füh­rer­schein ha­ben. Das wä­re episch. Was war eu­re ver­rück­tes­te Un­ter­kunft? El­la: In der Wüs­te in In­di­en. Ein Ka­mel­trei­ber er­klär­te uns, wie man in der Wüs­te kocht, gab uns die Zu­ta­ten da­zu, zwei De­cken und ging wei­ter. Wir leb­ten fünf Näch­te mit die­sen Zu­ta­ten und zwei De­cken in der Wüs­te zu zweit. Nun seid ihr in Nord­ame­ri­ka. Was steht auf eu­rer To­do-Lis­te? Wal­de­mar: Wir ha­ben an Utah und Ari­zo­na und ver­schie­de­ne Na­tio­nal­parks ge­dacht. Viel­leicht ge­hen wir noch an die Ost­küs­te. Aber ei­gent­lich ha­ben wir kei­ne wirk­li­chen Plä­ne. Wäh­rend un­se­rer Rei­se er­ge­ben sich die Or­te durch Er­zäh­lun­gen, Er­fah­run­gen von an­de­ren und Zu­fäl­len. Und auch wie weit wir per An­hal­ter kom­men.

Ich ge­he da­von aus, dass ihr euch Süd­ame­ri­ka nicht ent­ge­hen lasst, habt ihr schon Plä­ne?

El­la: Süd­ame­ri­ka ist ganz oben auf un­se­rer Lis­te. Me­xi­co, Pe­ru, Bo­li­vi­en, Ni­ca­ra­gua, Chi­le, Pa­ta­go­ni­en, Panama, ein­fach al­les.

Da­nach wür­de sich ja ein Be­such auf Ha­waii an­bie­ten, da­mit ihr ein­mal um den Glo­bus ge­reist seid. Wä­re das wich­tig?

El­la: Wir schau­en schon nach Flü­gen nach Ha­waii! Und ja, wir wol­len von je­dem Kon­ti­nent ei­nen Ein­druck ha­ben, auch die In­seln da­zwi­schen. Da das Le­ben doch über­all an­ders und doch ir­gend­wie gleich ist. Wir se­hen die Welt als ein Puz­zle und wenn man nur die Mit­te des Puz­zles macht, hat man zwar schon ei­nen Ein­druck von dem Bild, doch um­so mehr man hin­zu­fügt, um­so kla­rer wird es.

Was fehlt euch an der Hei­mat?

Wal­de­mar: Ein Kühl­schrank. Ein Klei­der­schrank. Ein Bett. Das sind al­les Din­ge, die man vor­her als selbst­ver­ständ­lich ge­se­hen hat. Es nervt manch­mal, stän­dig Brot und Früch­te zu es­sen, weil das die Sa­chen sind, die un­ter­wegs nicht ka­putt ge­hen. Und wenn man das T-Shirt an­zie­hen will, das ganz un­ten im Ruck­sack liegt, dann muss al­les raus! Und ein Bett er­klärt sich von selbst. Es ist toll.

El­la: Was uns wirk­lich fehlt, ist die Lie­be und das Ge­fühl von Hei­mat, die wir von un­se­ren Freun­den und Fa­mi­li­en be­kom­men. Ei­ne ein­fa­che Umar­mung, ein ge­mein­sa­mes Früh­stück, über dum­mes Zeug quat­schen. Wal­de­mar: Nicht dar­über nach­den­ken zu müs­sen, wo es hin­geht, wo man schla­fen kann und was man isst.

Von al­len Or­ten auf der Welt: War­um habt ihr auf Mallor­ca ge­hei­ra­tet und wie war das?

Wal­de­mar: Wir ha­ben uns da­mals in Llo­ret de Mar in Spa­ni­en ken­nen­ge­lernt und ei­ni­ge sag­ten „Ihr zwei wer­det hei­ra­ten“und wir woll­ten in dem Land hei­ra­ten, in dem un­se­re Ge­schich­te an­ge­fan­gen hat.

El­la: Die Hoch­zeit war ein Traum. Un­ser High­light war auch die ge­mein­sam ver­brach­te Wo­che mit un­se­ren engs­ten Fa­mi­li­en­mit­glie­dern und Freun­den.

■ Wei­te­re Bil­der und ein Vi­deo un­ter www.dk-on­li­ne.de

FO­TOS: WAL­DE­MAR GEI­GER

Wal­de­mar und El­la Gei­ger rei­sen um die Welt. Hier sind sie in Ka­sachs­tan.

Wal­de­mar und El­la be­such­ten schö­ne Or­te auf ei­ge­ne Faust.

Das Paar hat auch auf un­üb­li­che Trans­port­mit­tel ver­traut.

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