Wo Di­ens­te in Gan­ter­ta­lern be­zahlt wer­den

Gan­der­ke­se­er Tausch­ring be­steht seit 1999 / Vor al­lem äl­te­re Men­schen ma­chen mit

Delmenhorster Kreisblatt - - GANDERKESEE - Von Vin­cent Buß

vor 25 Jah­ren

Die Mann­schaf­ten des Schüt­zen­ver­eins Ur­ne­burg be­wie­sen beim Fi­na­le der Schieß­wett­be­wer­be des Gan­der­ke­se­er Schüt­zen­bun­des in Adel­hei­de ih­re Treff­si­cher­heit; sie ge­wan­nen drei Wett­be­wer­be. Für die in der Vor­run­de un­ge­schla­ge­nen Fal­ken­bur­ger Mann­schaf­ten reich­te es zu ei­nem ers­ten Platz; eben­falls je ein­mal er­folg­reich wa­ren die Schüt­zen­ver­ein Adel­hei­de und An­nen­hei­de . ...

Der Gan­der­ke­se­er Tausch­ring wird dem­nächst 20 Jah­re alt. Ver­trau­en ist laut der Lei­te­rin be­son­ders wich­tig.

GAN­DER­KE­SEE Gan­ter­ta­ler sind viel Wert – Zeit näm­lich. Sie sind die Wäh­rung des Gan­der­ke­se­er Tausch­rings, in der seit fast 20 Jah­ren vor al­lem Di­ens­te be­zahlt wer­den kön­nen.

Ein Bei­spiel: Wer den Hund ei­nes an­de­ren Mit­glieds ei­ne Vier­tel­stun­de lang aus­führt, be­kommt vom Herr­chen ei­nen Gan­ter­ta­ler. Mit die­sem kön­nen wie­der­um an­de­re Di­ens­te be­zahlt wer­den. Idea­ler­wei­se macht der Hun­de­be­sit­zer selbst et­was, um sich Gan­ter­ta­ler zu ver­die­nen. Je­des Mit­glied des Tausch­rings hat ein Kon­to, auf dem die Gan­ter­ta­ler ver­bucht wer­den. „Die Wäh­rung ist fik­tiv“, sagt El­ke Stad­ler, Lei­te­rin des Tausch­rings. Mün­zen gibt es nicht. Ein Gan­ter­ta­ler ist 15 Mi­nu­ten Zeit wert.

„Vie­le Mit­glie­der ba­cken Ku­chen, nä­hen, oder ar­bei­ten im Gar­ten“, be­rich­tet die Rent­ne­rin. „Mo­men­tan wird auch viel Obst und Ge­mü­se an­ge­bo­ten.“Bei Letz­te­rem wird der Zeit­auf­wand für die Ern­te be­rech­net. Wer ei­nen Ku­chen kauft, be­zahlt nicht nur die Zu­be­rei­tungs­zeit, son­dern auch die Zu­ta­ten – die­se aber in Eu­ro. „Wir ha­ben auch ein paar Hand­wer­ker da­bei“, sagt Stad­ler. Die­se ver­rich­te­ten aber nur klei­ne Ar­bei­ten, so­dass sie kei­ne Kon­kur­renz zu Be­trie­ben dar­stell­ten, be­tont die 80jäh­ri­ge. Mitt­ler­wei­le wer­den laut Stad­ler auch ab und zu Ge­gen­stän­de wie et­wa klei­ne Mö­bel ge­tauscht. Ge­grün­det wur­de der Gan­der­ke­se­er Tausch­ring im Jahr 1999 im Rah­men des Pro­gramms „Lo­ka­le Agen­da 21“, das auf kom­mu­na­ler Ebe­ne mehr Nach­hal­tig­keit schaf­fen soll­te. Vor­bild war die „Agen­da 21“der Ver­ein­ten Na­tio­nen. „Er­wei­ter­te Nach­bar­schafts­hil­fe“nennt Stad­ler den Tausch­ring, was den so­li­da­ri­schen Cha­rak­ter be­tont.

Tausch­rin­ge gibt es bun­des­weit. In Gan­der­ke­see hat die Grup­pe laut Stad­ler meist zwi­schen 30 und 50 Mit­glie­der. Ver­traut­heit sei wich­tig: „Wir tau­schen nur, wenn man sich kennt. Frem­de las­sen wir zum Bei­spiel nicht zum Fens­ter­put­zen ins Haus.“Un­ter den Teil­neh­mern sind laut der 80-jäh­ri­gen Stad­ler vor al­lem äl­te­re Men­schen. Ih­re Er­klä­rung: „Die ha­ben mehr Be­wusst­sein für den Wert von Din­gen.“Auch we­gen ih­rer Er­leb­nis­se in der Kriegs­und Nach­kriegs­zeit. „Sie wer­fen we­ni­ger Sa­chen weg.“Die Gan­der­ke­see­rin ver­mu­tet, dass Jün­ge­re oft we­ni­ger Zeit hät­ten.

Mit­glieds­bei­trä­ge wer­den nicht er­ho­ben, da­für ei­ne Kau­ti­on von zehn Eu­ro. „Die wur­de erst ein­ge­führt, als Leu­te mit ei­nem Mi­nus an Gan­ter­ta­lern aus dem Tausch­ring aus­tra­ten.“Was Stad­ler, die fast von Be­ginn an da­bei ist, rück­bli­ckend auf­fällt: „Frü­her wur­de mehr ge­tauscht.“Mitt­ler­wei­le hand­le es sich eher um ei­nen Ge­sprächs­kreis, in dem man sich auch Tipps ge­be. „Und es ha­ben sich Freund­schaf­ten ge­bil­det.“

FO­TO: VIN­CENT BUß

Blu­men­gie­ßen, Gas­si­ge­hen, Bas­teln links) vie­les be­zahlt wer­den. - mit Gan­ter-Ta­lern kann beim Tausch­ring um El­ke Stad­ler (un­ten

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